<b>20 Jahren Asfaltart. Wie kam’s?</b><BR />Joachim „Jogi“ Ellmenreich: Die Idee, ein Straßenkünstlerfest zu machen, kam mir beim Kinderstadtfest des Meraner Altstadtvereins. Dort sind Jordi Beltramo und Claudia Bellasi aufgetreten. Das hat mir so gut gefallen, dass ich dann sofort einen Ansprechpartner gesucht und in Meinhard Khuen gefunden habe.<BR /><BR />Meinhard Khuen: Und ich war gleich Feuer und Flamme. Zumal ich 1989 schon einen Kunstverein gegründet hatte und so die organisatorischen und bürokratischen Voraussetzungen schon da waren. Wir haben dann ein Team aus sieben Personen zusammengestellt. Mittlerweile ist der harte Kern auf zwölf Personen angewachsen, weil die Aufgaben immer komplexer wurden. <BR /><BR /><b>Rund 15.000 Zuschauer bereits 2007, später viele Tausende mehr. Was hat Sie glauben lassen, dass das ein solcher Erfolg werden könnte?</b><BR />Khuen: Einmal die Art des Festivals, das für jeden zugänglich und kostenlos ist und Unterhaltung auf höchstem Niveau bietet. Es ist jede Art von Straßenkunst vertreten und wenn mir etwas nicht gefällt, gehe ich halt zum nächsten Künstler.<BR /><BR />Ellmenreich: Das Festival war von Anfang an für unsere Leute gedacht und auch deshalb im Juni, in einem der damals touristisch ruhigsten Monate in Meran und immer noch vor Schulende. Und von Beginn an wurde es von den Meranern und Südtirolern gut angenommen.<BR /><BR /><b>Mit Verlaub Sie sind in den Jahren ergraut. Gab es auch schlaflose Nächte?</b><BR />Khuen: Genug. Eben weil die ganze Verantwortung auf uns lastet und man bis zum Schluss nie weiß, ob auch alles bereit ist.<BR /><BR />Ellmenreich: Ja, natürlich. Nach dem Festival sind wir immer sehr erleichtert, wenn alles gut gegangen ist. Während des Festivals hat man eh nicht viel Zeit nachzudenken.<BR /><BR /><b>Asfaltart ist Jahr um Jahr gewachsen. Die Finanzen nie ein Problem?</b><BR />Khuen und Ellmenreich: Wir haben seit 20 Jahren treue Unterstützer. Bereits 2007 waren Bürgermeister Günther Januth und Stadträtin Heidi Siebenförcher Feuer und Flamme – und die Sponsoren glaubten an uns wie das Publikum. Und nicht zu vergessen unsere mittlerweile 150 Freiwilligen. Ohne sie wäre das Festival nicht zu stemmen.<BR /><BR /><b>Asfaltart zu Covid-Zeiten war sozusagen eine Limited-Edition. Was blieb hängen?</b><BR />Khuen: Die Corona-Regeln sprich die Sitzdistanzen waren einzuhalten und wir haben es bei mir in Kallmünz gemacht. Was ich positiv in Erinnerung habe, ist dass die Künstler sehr dankbar waren, weil sie sonst keine Auftritte hatten. Und es waren größtenteils Südtiroler Künstler. <BR /><BR />Ellmenreich: Die Meraner und Südtiroler waren einfach glücklich, dass wieder etwas gemacht wurde. Wir waren unter den Ersten, die etwas veranstaltet haben. Natürlich hat uns geholfen, dass Asfaltart im Freien war.<BR /><BR /><b>Anekdoten in diesen 20 Jahren? „Blutzer“?</b><BR />Khuen und Ellmenreich: „Blutzer“ gab’ s keine (lachen). Sehr spannende Situationen sehr wohl. Als sich im Juni 2017 Italiens Staatspräsident Mattarella und Österreichs Bundespräsident Van der Bellen in Meran zum Festakt 25 Jahre Streitbeilegung zwischen Österreich und Italien trafen, wurde uns nahegelegt Asfaltart zu verschieben. Aber am Ende konnten wir Asfaltart dank Bürgermeister Paul Rösch doch realisieren – und dann haben wir sogar Mattarella die Hand geschüttelt.<BR /><BR /><b> Welches Straßenkünstler-Talent – Artist, Clown, Akrobat, Narr – steckt in Ihrem Gegenüber? Charakterisieren Sie ihn?</b><BR />Ellmenreich: Von Meinhard sagt man, er habe kabarettistisches Talent. Wenn wir zwei in Fahrt kommen, könnten wir im Duo auftreten.<BR /><BR />Khuen: Wer weiß, was wir nach Asfaltart machen (lacht).<BR /><BR /><b>Was bringt Sie beide so richtig zum Lachen?</b><BR />Khuen: Ich lache meist still in mich hinein, aber bei dem Spiel Whiskeymixer gibt’s bei mir kein Halten mehr.<BR /><BR />Ellmenreich: Blödeleien oder Schenkelklopfer bringen mich nicht zum Lachen, sondern feine Satire und zwar wenn es Künstlern gelingt, den Funken aufs Publikum überspringen zu lassen und dieses mitgeht.<BR /><BR /><b> Zurück zu Asfaltart: Lässt sich an dieser Stimmungskanone noch etwas verbessern?</b><BR />Khuen: Immer. Nach jeder Ausgabe machen wir eine Klausur, wo wir das vergangene Festival Revue passieren lassen und versuchen, alle Schwachstellen auszumerzen und neues zu entwickeln.<BR /><BR />Ellmenreich: Weiterentwickeln geht immer, das tun wir seit 19 Jahren.<BR /><BR /><b>Wie lange machen Sie noch weiter?</b><BR />Ellmenreich: Gute Frage. Sicher noch länger, aber in welcher Rolle muss ich erst sehen. Wir wollen, dass es weiter geht, aber im Bewusstsein, dass wir nicht jünger werden, wollen wir eine geordnete Übergabe.<BR /><BR />Khuen: Wir werden das Festival, solange gewünscht, begleiten, aber in absehbarer Zukunft in jüngerer Hände übergeben. <BR /><BR /><b>In absehbarer Zeit heißt?</b><BR />Khuen: In zwei, drei Jahren.<BR /><BR /><b>Wird Ihnen die Stadt Meran irgendwann der Goldenen Clown verleihen?</b><BR />Khuen: Gibt’s den (lacht)? <BR /><BR />Ellmenreich und Khuen: Darüber machen wir uns keinen Kopf. Das entscheiden andere.<BR /><BR /> <a href="https://asfaltart.it/" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Hier gibt es alle Infos zu Asfaltart.</a>