Die beiden hinterfragen mit ihren heterogenen Werken, welche von Bücherskulpturen über Sprachkompositionen und Film bis hin zur Malerei rangieren, die Linearität von Kindheitserinnerungen und kultureller Identität.Jas’ Audioaufzeichnungen von Gesprächen mit Künstlern und Kunstlehrern über ihre früheren Kinderzimmer, ihre Einrichtungen sowie Familienmitglieder, die sich mit ihnen darin aufgehalten haben, sind zu einer knappen Montage komponiert im Galerieraum zu hören. Basierend auf einer digitalen Bildvorlage, welche die Künstlerin aus Kinderzimmerzeichnungen der über 80 Befragten entwickelte, ist dazu ein Bild (Öl auf Leinwand, 110 x 130 cm) zu sehen.Parallel dazu läuft Jas’ Film Interrupted Identity / Der Strumpf, den sie bereits 1997 in der Neuen Nationalgalerie von Mies van der Rohe in Berlin mit der Schauspielerin Frida Béreaud produzierte. Während die Protagonistin spricht, wird sie von einer Kamera umkreist, zunächst von Innen, dann von Außen. Auf dieses Bildmaterial ist der Ton in asynchroner Weise geschnitten: Der Außenton (Verkehrslärm, Gesprächsfetzen vorbei laufender PassantInnen) erklingt, solange die Kamera die Darstellerin im Innenraum zeigt. Mittels einer Überblendung wechselt die Kamerafahrt nach außen, so dass man die inzwischen Verstummte hinter dem Glas erblickt. Nun erklingt der Innenton: Eine Frauenstimme erzählt von einer Kindheitserinnerung. Holger Friese zeigt dazu Stelen aus Büchern, die auf den kulturellen Horizont der deutschen Nachkriegszeit verweisen. Alle Bücher sind Werke des meistgelesenen Nachkriegsautoren Heinz G. Konsalik. Friese verweist hier auf den kulturellen Horizont der Nachkriegszeit im deutschen Sprachraum, auch mit seinen Auswirkungen auf die Jetzt-Zeit – ihrem mehrheitlichen Rückzug in eine kuschelige Comfort-Zone, in der das konsumieren fremder Schicksale einen wohligen Schauer erzeugt und Bequemlichkeit und Sicherheit als höchste Güter verteidigt werden. Die oft zitierten Worte Adornos, nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben sei barbarisch, werden mit den, auf den Buchrücken der Bücherstelen lesbaren Titeln, wie “Der Arzt von Stalingrad”, “Heimaturlaub” und “Eine Sünde zuviel”, auf ironische Weise bestätigt.Die Erinnerung vieler wird in Bezug gestellt zur Frage: Wo fängt Kunst an? Hierzu setzen die Künstler Mona Jas und Holger Friese Objekte, Fotografien, Zeichnungen und Werkfragmente in Dialog zu gemalten Künstlerdarstellungen. Die Ausstellung findet vom 29. November (Vernissage um 19 Uhr) bis zum 22. Dezember statt.