Mittwoch, 03. Januar 2018

„Bildnis Wally“: Schiele-Geliebte starb vor 100 Jahren

Durch Egon Schieles „Bildnis Wally“ (1912), dessen Beschlagnahmung in New York vor 20 Jahren ein Umdenken in Restitutionsfragen auslöste, wurde sie in der Kunst unsterblich – tatsächlich hat sich der Todestag von Wally (Walburga) Neuzil erst kürzlich, am 25. Dezember, zum 100. Mal gejährt.

Wally Neuzil ( im Bild rechts: Bildnis Wally) war Muse, Modell und „Liebling“ Egon Schieles. - Foto: FB
Wally Neuzil ( im Bild rechts: Bildnis Wally) war Muse, Modell und „Liebling“ Egon Schieles. - Foto: FB

Geboren wurde Wally Neuzil am 19. August 1894 im niederösterreichischen Tattendorf. Ihre Mutter Thekla war „Taglöhnerin“, ihr Vater Josef Neuzil Volksschullehrer. Nach seinem überraschenden Tod 1902 übersiedelte die Witwe mit ihren vier Töchtern und ihrer Mutter nach Wien.

Ab 1911 oder 1912 war Wally Neuzil Muse, Modell und „Liebling“ Schieles. Als sich dieser 1915 entschloss, Edith Harms zu heiraten, ließ sich Wally als Hilfskrankenschwester ausbilden und wurde 1917 ins österreichischen Kronland Dalmatien versetzt. In Sinj verstarb sie am 25. Dezember an Scharlach. Das Grab wurde später verwüstet und erst 2015 wiederentdeckt. Die 2017 gegründete Wally-Neuzil-Gesellschaft hat es im Vorfeld des 100. Todestags renovieren und eine Marmortafel samt Porzellanporträt anbringen lassen.

Umkämpftes Bildnis

Bekannter als sie selbst ist freilich ihr lange umkämpftes Bildnis. Es gelangte über Emil Toepfer und den Verleger Richard Lanyi um 1920 an die Besitzerin der Galerie Würthle, Lea Bondi-Jaray. Vor dem Zweiten Weltkrieg wurde die Galerie von Friedrich Welz „arisiert“, die „Wally“ presste er Bondi-Jaray aus ihrem Privatbesitz unter noch heute strittigen Umständen ab. 1945 erhielt Bondi-Jaray zwar ihre Galerie zurück – die „Wally“ fehlte aber.

Die Behörden hatten das Bild versehentlich an die Erben des in Theresienstadt ermordeten jüdischen Kunstsammlers und Zahnarztes Heinrich Rieger restituiert, die es wiederum 1950 an die Österreichische Galerie Belvedere verkauften. 1954 kam die „Wally“ schließlich in den Besitz des Augenarztes Rudolf Leopold. Er erwarb das Gemälde im Tausch gegen Schieles „Rainerbub“.

1994 wurde die Sammlung Leopold in die Leopold-Museum-Privatstiftung eingebracht, die das Bild für die Ausstellung nach New York verlieh. Nach der Beschlagnahme 1998 befand es sich bis 2010 in den USA. Gegenstand des dortigen Verfahrens war vor allem, welche Kenntnisse Leopold zum Zeitpunkt der Einfuhr der „Wally“ in die USA von deren Vorgeschichte hatte.

„Wally“ kehrt nach Wien zurück

Der Kunstsammler hatte erbittert um die Rückkehr der „Wally“ gestritten und auch hohe Rechtskosten dafür in Kauf genommen. Nach der Einigung mit den Erben gegen eine Zahlung von 15 Millionen Euro kehrte die „Wally“ im August 2010 ins Leopold Museum zurück – wenige Wochen nach Rudolf Leopolds Tod.

apa

stol