Freitag, 05. Juni 2020

Bozner mit Foto in renommierter Fachzeitschrift verewigt

Auf einer Reise nach Neapel knipst ein Fotograf ein Bild. Er hat Kinder im Karnevalkostümen aufgenommen. Nun wurde das Foto von Tiberio Sorvillo aus Bozen in der Selektion für das Buch „Portrait of Humanity Vol. 2“ aufgenommen.

Das Bild ist in Neapel am Lungomare entstanden. Es zeigt eine Gruppe von Kindern, die im im Karnevalskostüm vor dem Fotografen posieren. „Fasching erinnert mich selbst immer an meine Kindheit und Kindheitserinnerungen begleiten uns das ganze Leben lang“, sagt Tiberio Sorvillo.  Tiberio Sorvillo
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Das Bild ist in Neapel am Lungomare entstanden. Es zeigt eine Gruppe von Kindern, die im im Karnevalskostüm vor dem Fotografen posieren. „Fasching erinnert mich selbst immer an meine Kindheit und Kindheitserinnerungen begleiten uns das ganze Leben lang“, sagt Tiberio Sorvillo. Tiberio Sorvillo
Der Wettbewerb „Portrait of Humanity 2020“ ist eine Zusammenarbeit zwischen der weltweit zweitältesten Fachzeitschrift für Fotografie „British Journal of Photography (1854) und dem Kunstverlag „Hoxton Minipress“.

Das Bild wird außerdem zusammen mit den anderen 199 ausgewählten Fotos von der Organisation „Sent Into Space“ als Binärcode ins Weltall gesendet. Und am Mittwoch berichtete sogar die „The Times“ über den Bozner Fotografen und seine neapolitanischen Kinder. Eine spannende Sache.


STOL: Herr Sorvillo, wie kam es zur Aufnahme der kostümierten Kinder in Neapel?

Tiberio Sorvillo: Es ist einfach entstanden. Man denkt sich dabei oft nicht viel. Ich habe die Kinder gesehen und fotografiert. Der Prozess danach ist wichtig – die Auswertung. Ich hatte dafür etwa 10 Filme verschossen.

STOL: Wie verlief die Selektion?

Sorvillo: Das Bild ist eines von 10 Bildern, die ich eingesendet habe. Wenn man selbst Bilder schießt, sieht man oft viele Dinge nicht. Bei der Auswahl hat mir mein Kollege Luca Guadagnini geholfen. Es braucht oft einen Blick von außen.

STOL: Was hat Sie an dem Sujet so fasziniert, wie würden Sie das Bild beschreiben?

Sorvillo: Die Kostüme sind sehr authentisch. Man sieht solche Verkleidungen nicht oft. Es ist fast wie eine Reise zurück in die Vergangenheit. Das Bild bleibt daher zeitlos. Es erinnert dich an einen Karneval, an etwas, was jeder schon gesehen haben könnte – fast schon klischeehaft.

STOL: Was inspiriert Sie?

Sorvillo: Straßenfotografie war schon immer faszinierend für mich. Unter den Fotografen gibt es viele, die mich inspiriert haben – so etwa William Eggleston, der Pionier der Farbfotografie, oder der Schweizer Ernst Haas mit seinen abstrakten Fotografien.

STOL: Warum fotografieren Sie analog? Was gefällt Ihnen daran?

Sorvillo: Man kann sehr viel experimentieren. Es ist immer eine Überraschung: Man fotografiert, lässt entwickeln und sieht erst dann, ob etwas gut geworden ist. Nichts ist vorhersehbar. Natürlich hat das Analoge auch eine ganz andere Ästhetik und man kann verschiedene Filme ausprobieren mit unterschiedlichen Ergebnissen.

STOL: Der Binärcode des selektierten Fotos wird ins All gesendet. Außerirdische Zivilisationen könnten somit das Bild rekonstruieren. Wie fühlt es sich an, wenn das eigene Bild bald Lichtjahre von der Erde entfernt herumschwirrt?
Sorvillo: Es ist eine Ehre, dass mein Foto als eines von 200 Fotos dabei sein darf. Ich weiß jetzt nicht, ob das weltverändernd ist. Niemand weiß, wie weit das Signal geht. Theoretisch müsste es aber immer weitergehen – und dann von jemanden vielleicht eingefangen werden. Die Frage ist, ob es eine außerirdische Zivilisation überhaupt lesen kann.

STOL: Und wo wird es Sie persönlich in den nächsten Jahren hinführen?

Sorvillo: Ich werde versuchen, meine Arbeit weiterzumachen. Meine Auftragsarbeiten, mit denen ich mein Leben finanziere, und meine künstlerischen Arbeiten. Über diese wird mittlerweile gesprochen, was mich sehr freut, aber ich kann davon nicht leben. Beides mag ich, meine handwerkliche Arbeit und meine künstlerische.

Interview: Manuel Lavoriero

eva

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