Der Kurator der Stadtgalerie <b>Leander Schwazer</b> hat den Künstler für die zweite Ausstellung eingeladen. + Von Eva Gratl<BR /><BR /><b>Der Titel, „Das Ende der Differenz...“ </b><BR />Christoph Hinterhuber: ...ist ein Gedanke, verpackt in Poesie, eine Art soziales Plasma, wo die Ich-Grenze fällt. Und wir uns alle miteinander verbinden und uns alle vereinen. <BR /><BR /><b>Sprache ist Ihr Kunst-Medium, diesmal präsentieren Sie aber auch eine ganz besondere Schallplatte...</b><BR />Hinterhuber: Ja, „MONO hole“ ist eine Edition, die ich anlässlich der Ausstellung hier präsentiere: Es ist eine Aluminiumplatte, mit Azetat beschichtet, sie wird geschnitten und hat eine unglaubliche Sounddynamik mit hochwertigstem Klang. Die Arbeit entstand in Zusammenarbeit mit einem Elektronikduo, ich nahm die Position des Produzenten ein. Musik und Sprache verbinden sich, man hört die Begriffe, die lesbar an der Wand hängen und teilweise dekonstruiert wurden. <BR /><BR /><b>Mit Ihrer Lautmalerei wenden Sie sich radikal von der traditionellen Sprache ab...</b><BR />Hinterhuber: Es sind die Begriffe, welche den Raum füllen, diese sollten wir auf uns wirken lassen. Es handelt sich bei meinem Gesamtkonzept um eine Textarbeit, einen Code, der in sich eine Art von Narration hat. Es ist eine gesprochene Klanginstallation, eine Form des Gedichts. Wie immer geht es in meinen Arbeiten um verschiedene Referenzen. Es gibt eine kunsthistorische Referenz, die Verweise auf die Künstler Filippo Tommaso Marinetti und Hugo Ball, aber auch auf die russische Kunstsprache Saum, die Anfang des 20. Jahrhunderts russische Avantgardedichter entwickelten. Bei meinen Textarbeiten handelt es sich um einprägsame Begriffe, gepaart mit Monologismen und Lautmalerei. <BR /><BR /><b>Sie sind Konzeptkünstler, 2025 wurden Sie mit dem Preis für zeitgenössische Kunst des Landes Tirol ausgezeichnet und reflektieren in Ihren Werken intensiv über Sprache. Welche Bedeutung spielt bei Ihren Installationen der Raum? </b><BR />Hinterhuber: Meine künstlerische Arbeit bewegt sich zwischen gedanklichen Prozessen über Möglichkeiten von Kunstformen. Ich arbeite in verschiedenen Medien, aber es gibt etwas, was diese vereint. Dabei geht es auch um Erkenntnisgewinn und um Realitätsbefragung. Ich interessiere mich sehr für Theorien und philosophische Konzepte. Viele Überlegungen fließen in meine Kunst ein. Vor allem geht es mir um komplexe Räume und so wünsche ich mir, dass sich die Besucher auf diese Arbeiten intuitiv einlassen, auf den Raum mit Sprache. Man muss den Raum erleben. <BR /><BR />Das taucht in meinen Arbeiten immer wieder auf, denn es gibt, würde ich sagen, eine Grenze des Verstehens. Wichtig ist mir die Gestaltung von Räumen: sprachlicher, bildnerischer, medialer, öffentlicher Raum. In meinen Arbeiten verknüpfe ich diese Räume und stelle einen vielfältigen Raum her. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1308768_image" /></div> <BR /><b>Als Kurator der Ausstellung war es Ihnen wichtig, auch wieder ein historisches Objekt zu präsentieren. Diesmal wurden Sie im Depot des Pharmaziemuseum fündig und nehmen mit dieser Installation auch am Light-Festival in Brixen teil... </b><BR />Leander Schwazer: Ich verfolge in meiner kuratorischen Linie auch eine enge Verbindung mit der Stadtgeschichte Brixen. In der Sammlung des Museums befindet sich ein Döbereiner Feuerzeug aus dem Jahr 1830, das wir hier zeigen, sichtbar nur durch eine durchlöcherte Trennwand. Es basiert auf der Reaktion von Schwefelsäure mit Zink, die eine Knallgasreaktion erzeugt und so Feuer entzündet. Einst als Tischfeuerzeug von Zigarrenrauchern verwendet, erscheint es heute wie ein Relikt technologischer, prometheischer Verheißung. Ich denke, das was ich zeige, passt zu diesem Künstler. Ein Feuerzeug vor dem Schriftzug des Künstlers, Paradies Produktion, denn Christoph Hinterhuber ist für mich eine Art Prometheus, der mit seiner Kunst darauf verweist: Technische Entwicklungen eröffnen neue Handlungsspielräume und erzeugen gleichzeitig Abhängigkeiten. <h3> Zur Person:</h3><b><BR />Christoph Hinterhuber</b> ist 1969 in Innsbruck geboren und hat 1994 bis 98 in Wien die Akademie der Bildenden Künste besucht. Er ist Mitglied der Wiener Sezession und der Tiroler Künstlerschaft. Von 2009 bis 2015 lehrte er am Institut für experimentelle Architektur und von 2015 bis 2020 am Institut für Gestaltung. Zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen küren sein künstlerisches Schaffen, auch in Südtirol ist er kein Unbekannter, mehrfach hat er in Bozen, Meran, Bruneck und Kaltern ausgestellt.<Rechte_Copyright></Rechte_Copyright><BR /><BR />Termin: Bis 16. Mai, Stadtgalerie Brixen