Sie bewohnten einfache Hütten, importierten Feuerstein und produzierten Geräte: Archäologische Funde zeigen, wie das Leben der ersten sesshaften Menschen in Südtirol aussah. „Die Sesshaftigkeit stellte einen enormen Einschnitt dar – ähnlich wie die Digitalisierung heute. Sie veränderte das Leben der Menschen vollkommen“, erklärte die Amtsdirektorin Catrin Marzoli.<h3> Wo die Funde aufbewahrt werden</h3>Anlässlich des europäischen Tages des Denkmals öffnete das Amt gestern sein Fundarchiv. „Dieser Tag hat die Aufgabe Funde zu zeigen, die für gewöhnlich der Öffentlichkeit nicht zugänglich sind“, sagt Catrin Marzoli, Direktorin des Amtes für Archäologie. <BR /><BR />Viele Menschen nahmen dann auch die Gelegenheit wahr, einen Blick auf die bedeutenden Funde zu werfen: „Früher war ein Teil der Funde im Archäologiemuseum in Bozen ausgestellt. Heute lagern wir sie in einem Depot“, berichtete Marzoli. „Die Funde müssen dort nach Material getrennt werden. Jedes Material wird nach seinen Klimawerten archiviert“, ergänzte Roland Messner, Mitarbeiter im Amt für Archäologie. Insbesondere bei Metallen muss eine Trennung erfolgen, weil sie eine Umgebung mit stabilen Temperaturen und wenig Feuchtigkeit benötigen. <h3>500.000 Funde befinden sich im Bestand</h3>Im Depot des Landesamtes gibt es deshalb verschiedene Einheiten, in denen jeweils die idealen Bedingungen für die verschiedenen Materialien herrschen. Erst vor kurzem hat das Amt für technische Gebäudeverwaltung 2 Zellen errichten lassen, in denen Funde gelagert werden können, die strenge Auflagen in ihrer Konservierung verlangen, etwa Gletscherfunde oder Urnen.<BR /><BR />Neue Funde werden selten aktiv gemeldet, sondern meistens bei Ausgrabungen entdeckt. „Wir haben insgesamt 500.000 Funde inventarisiert. Nicht dazugezählt sind jene Funde, die nicht aussagekräftig sind, wie z.B. eine einzelne Scherbe“, erklärte Marzoli. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1095360_image" /></div> <div class="img-embed"><embed id="1095363_image" /></div> <h3> Vielerorts Ausgrabungen durchgeführt</h3>In chronologischer Reihenfolge erzählen die Objekte in der Ausstellung „Archäologische Highlights: Entdeckungen aus Südtirols Vergangenheit“ von den verschiedenen Zeitabschnitten, beginnend von der Steinzeit bis hin zum Frühmittelalter: So stellt ein Modell die mittelsteinzeitliche Fundstelle von Plan de Frea (Wolkenstein) nach – aus einer Zeit in der die Menschen noch Jäger und Sammler waren.<h3> Brandbestattung schon vor Jahrtausenden populär</h3> Eine Vitrine weiter kann man Geräte aus Feuerstein und Keramikgefäße betrachten, von den ersten Bauern, die sesshaft wurden. Die Funde stammen aus Villanders, wo bei archäologischen Ausgrabungen eine Hütte freigelegt worden ist. Weitere Funde berichten von der lokalen Laugen-Melaun-Kultur, die zur Bronzezeit entstand. Verzierte Keramikkrüge waren ein besonderes Merkmal dieser Kulturgruppe. Ein Grab, das bei Ausgrabungen in Castelfeder entdeckt worden ist, zeigt auf, dass die Brandbestattung bereits vor Jahrtausenden eine gängige Bestattungsform war. <h3> Orte dienten als Kultplätze</h3> Funde können auch ein Hinweis dafür sein, dass die Orte als Kultplätze dienten. So wurden bei Ausgrabungen in Siebeneich Gefäße und Schlachtmesser entdeckt, die nahezu intakt waren. Der Fund einer Kopie einer Büste der römischen Göttin Venus dokumentiert, dass römische Gottheiten auch in Südtirol eingeführt wurden. „Die Menschen durften ihre lokalen Götter aber weiter verehren. Sie erhielten nur einen römischen Namen“, informierte Marzoli.<BR /><h3> Einige bedeutende Südtiroler Funde:</h3><b>Mittelsteinzeit</b><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1095366_image" /></div> Die Siedler verwendeten damals Feuerstein, um Geräte und Waffen herzustellen. Auch Import kannte man bereits damals schon: So bezogen sie den Feuerstein von den Monti Lessini und dem Monte Baldo (Venetien und Trentino). <BR /><BR /><b>Jungsteinzeit</b><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1095369_image" /></div> Der „älteste Südtiroler Schneeschuh“: Dieser Schneereif (3800 v. Chr.) wurde bei einer Grenzvermessung am Gurgler Eisloch am Alpenhauptkamm zwischen Österreich und Italien, im Schnalstal, gefunden. <BR /><BR /><b>Bronzezeit</b><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1095372_image" /></div> In der Nähe eines Grabes, das bei Castelfeder freigelegt worden war, fand man diese Ohrringe. Im Grab selbst wurden ein Messer, ein Rasiermesser und eine Nadel als Beigabe entdeckt, ein Keramikgefäß diente als Urne. <BR /><BR /><b>Eisenzeit</b><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1095375_image" /></div> <BR />Dieses Schmuckgehänge zur Verzierung zeigt ein Pferd. Das Pferd hatte damals eine wichtige soziale Bedeutung: Nur wer einen hohen sozialen Status hatte, besaß auch ein Pferd. Der Fund stammt aus Pfatten.<BR /><BR /><b>Räter</b><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1095378_image" /></div> Wein wurde in Vorratsgefäßen gelagert: Die größten konnten bis zu 100 Liter Wein aufnehmen, die kleinsten bis zu einen Liter. Der Wein wurde vermutlich aus Griechenland importiert und dann weiter nach Norden transportiert. <BR /><BR /><b>Römer</b><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1095381_image" /></div> Die Römer bauten ein Straßennetz in ganz Europa auf, pflegten rege Handelsbeziehungen. Davon zeugen auch diese Silbermünzen, entdeckt in der Nähe von Leifers. Sie werden zwischen 155 und 116/115 vor Christus datiert.