Auf der Biennale werden Arbeiten von insgesamt 332 Beteiligten gezeigt. Hier nun ein kleiner Überblick, was Südtiroler Künstler seit der Eröffnung Ende April in Venedig zeigen...<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1046013_image" /></div> <h3> 1 Frage an Julia Bornefeld</h3><BR />Die Künstlerin lebt und arbeitet seit 30 Jahren in Bruneck. Zu sehen ist ihr Werk in der Ausstellungsfläche der Republik Kamerun. Nun wollten wir von der Künstlerin noch wissen...<BR /><BR /><BR /><b>Ihre Licht- und Soundinstallation „Metamorphic Stream“ ist im Außenbereich des Palazzo Donà delle Rose aufgebaut, in der Ausstellungsfläche der Republik Kamerun. In Venedig setzen Sie sich mit Metamorphose als Veränderung auseinander, wie integrieren Sie Ihr Werk in das Thema „Stranieri Ovunque – Foreigners Everywhere – Fremde überall“, das der Kurator Adriano Pedrosa heuer gewählt hat?</b><BR />Julia Bornefeld: Die Licht- und Soundinstallation „Metamorphic Stream“ löst Assoziationen zum Verhältnis Qualle/Mensch, Meeres- und Erdbewohner aus. Die Qualle ist eine der überlebensfähigsten Organismen, die die Evolution auf zellulärer Ebene je hervorgebracht hat. Durch die Klimaerwärmung steigt die Anzahl der Quallen in den Ozeanen rasant an und nimmt Überhand und durch die Reduzierung des Fischbestandes in den Weltmeeren hat sie keinen natürlichen Feind mehr. Zudem überschwemmt sie in der Überzahl weltweit die Strände inzwischen vermehrt mit giftigen Arten. Der Mensch erkennt viel zu spät den ökologischen Kreislauf, der sein Überleben sichert zu erhalten und übersieht die Folgen seiner Handlungen. Obwohl der Mensch ein entwickeltes Bewusstsein besitzt, ist er sich selbst gegenüber wohl das „fremdeste Wesen“ das die Erde bevölkert und sein Einfluss auf den Planeten ist der Verheerendste. <BR /><BR /><BR /><b>PS:</b> Die renommierte Webseite whitewall.art berichtet über Kunst, Design, Mode und Lifestyle. Im Artikel zu den besten Pavillons in Venedig wird Kamerun und die Arbeit von Julia Bornefeld als besonders sehenswert angeführt. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1046016_image" /></div> <h3> Der Raum führt zur künstlerischen Botschaft</h3><BR />Während der Biennale ist im Spazio Punch auf der Giudecca die Ausstellung „Nomadic Party“ mit einem Beitrag von <b>Hannes Egger</b> zu sehen. Seine ortsspezifische Installation bildet den physischen und mentalen Eingang in den Ausstellungsraum. Mit der Leuchtschrift „Do you wanna dance with me?“ und einem Bewegungsmelder, der einen mit einer blauen Fleece-Jacke bekleideten Lautsprecher zum Sprechen und Singen bringt, lädt er zum Hinein- und Durchtanzen der Ausstellung ein. Denn was wäre eine nomadische Party ohne Musik und tanzende Menschen? Den Song, den er dabei verwendet, hat ihm der belgische Künstler <b>Harry Heirmans</b> „geschenkt“.<BR />Die „Nomadic Party“ ist ein interdisziplinäres, ortsspezifisches und kontextbezogenes Kunstprojekt, das von der internationalen Künstlergruppe <b>Nine Dragon Heads</b> ins Leben gerufen wurde und sich unter der künstlerischen Leitung des koreanischen Künstlers und Kurators <b>Park Byoung-U</b>k während der Biennale im Spazio Punch manifestiert. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1046019_image" /></div> <BR /><?Schrift Spationierung="0ru"> <BR /><BR />Zur Eröffnung mit vielerlei Konferenzen und Performances war auch der Meraner <b>Walter Garber aka DJ Veloziped</b> Teil der „Nine Dragon Heads“ und ließ im Hinterhof der ehemaligen Bierfabrik alle zu seinen Platten tanzen. Zu allen Zeiten wurde Kunst bei „Nine Dragon Heads“ nicht nur als Verkörperung professioneller Fähigkeiten, sondern auch als Reflexion über die manifestierte Umwelt durch eine bestimmte Weltsicht verstanden. In der Ausstellung ist auch ein neues Werk des in Südtirol nicht unbekannten Niederländers – er stellte bei der Manifesta 8 in der Alumix aus – <b>Harold de Bree</b> zu sehen.<BR /><?_Schrift> <BR /><b>Termin:</b> Die Schau im Spazio Punch läuft bis zum 24.11. und ist täglich, außer Montag geöffnet.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1046022_image" /></div> <h3> Wert des Volkstümlichen</h3><BR /><BR />Gezeigt wurde auch auf der Biennale im Palazzo Benzon Foscolo in Sestiere di San Marco eine dem ladinischen Künstler <b>Lois Irsara</b> 1923-2014) gewidmete Ausstellung mit dem Titel „vernaculus – recordanzes ladines“ – kuratiert von Lisa Kostner, Koordinatorin der Stiftung Lois Irsara, und Katharina Moling, Direktorin des Museum Ladin. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1046025_image" /></div> <h3> Der Vatikan Pavillon im Frauengefängnis auf der Giudecca – Der Bozner Künstler Walter Niedermayr gab 2022 Einblick</h3><BR />Als Maurizio Cattelan 2001 auf der Biennale ein lebensgroßes Harzmodell des von einem Meteoriten getroffenen Papstes Johannes Paul II. präsentierte, hätte man sich kaum vorstellen können, dass er mit weiteren 9 Künstlern 23 Jahre später den Vatikan-Pavillon im Frauengefängnis Giudecca bespielen würde. Der Pavillon des Heiligen Stuhls steht unter dem Motto „Con i tuoi occhi“, das sich mit dem Thema der Menschenrechte und der Figur des Letzten beschäftigt, dem zentralen Thema des Pontifikats von Papst Franziskus, der zum ersten Mal in der Geschichte der Biennale diese Schau besuchte. Kuratiert wurde der Pavillon von Chiara Parisi, Direktorin des Centre Pompidou-Metz, Bruno Racine, Direktor des Palazzo Grassi – Punta della Dogana und Kritiker Hans Ulrich Obrist. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1046028_image" /></div> Schon 2022 wirft der Bozner Künstler Walter Niedermayr mit Marina Ballo Charmets in „Out of Sight. Casanza“ mit seiner Kamera einen sanften und respektvollen Blick hinter die Gefängnismauern der Giudecca. Casanza heißt das Werk. „Casanza“ heißt im Jargon Gefängnis.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1046031_image" /></div> <BR /><BR />Auf der zweikanaligen Videoinstallation erscheint ein roter Ziegelbau. Beinahe versteckt von üppiger Vegetation. Vor der Fassade bewegen sich Zweige. Es ist sehr still. Möwenschreie, das leise Rauschen des vom Wind gekräuselten Wassers unterbrechen die Stille, machen sie zugleich intensiver wahrnehmbar. Nach und nach treten die vergitterten Fenster ins Bild, ein kurzer Blick ins Innere des Gebäudes, auf lange, schmale Korridore folgt. Die manchmal schwarz gerahmten Bildausschnitte ziehen sehr langsam vorbei. Plötzlich kippt die Stimmung ins Lebhafte. Durch die Bäume dringen fröhlichen Stimmen. Frauen lachen, singen, scherzen. Vor allem bearbeiten sie den Garten. Allein, zu zweit, zu dritt graben sie die Erde um, hacken, setzen, schneiden Gras, machen die Ernte zum Verkauf bereit. Die Kamera hält Distanz, Gesichter sind nicht zu erkennen, man stellt sie sich entspannt vor.