Filip Moroder-Doss hatte durch den Architekten Maurizio Martinuzzi aus Maniago im Friaul Kontakt zur kirchlichen Gemeinde in Kenia gefunden. Dort wirkt seit 46 Jahren der ebenso aus dem Friaul stammende Priester Elvino Ortolan, für den Martinuzzi neue Kirchenbauten projektiert.<BR /><BR />„Es war der Wunsch der Gemeinde in Kenia, der neuen Kirche auch eine Muttergottesstatue zu übergeben, und dazu entstand die Idee, die Arbeit zusammen mit einem einheimischen Künstler zu verwirklichen“, erzählt Filip Moroder, der vor allem den Dualismus zwischen einem Europäer und einem Afrikaner hervorhob: „Zwei Menschen die sich nicht kennen, die anderen Kulturen entstammen, die anderen Stilrichtungen nachgehen, arbeiten gemeinsam – das ist eindeutig ein Zeichen von Frieden, von Menschenfreundschaft“, berichtet Moroder.<BR /><BR />Also machte sich Moroder auf den Weg nach Afrika. Die Fahrt nach Sirima war recht abenteuerlich. Nach der Landung in Nairobi ging es zunächst auf einer bestens ausgebauten Autobahn stadtauswärts, doch schon bald wurde die Unterlage holpriger, die Straße miserabel abgesichert – mit waghalsigen Chauffeuren in mehreren Fahrzeugen, die durch die afrikanische Nacht rasten.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="904586_image" /></div> <BR /><BR />Angekommen, machte sich Filip Moroder zunächst einmal ein Bild der Lage. Elvino Ortolan hat in seiner Tätigkeit eine viel geschätzte Schule (Kinder kommen sogar aus dem Süden Kenias hierher) und ein Heim aufgebaut. Zudem hat sich der Ort durch ein paar Neubauten, durch die Stromzufuhr, durch Maschinen und Motorräder und vor allem durch das Telefon entwickelt. „Die Menschen sind in ihrer Hygiene beispielhaft, wenn man in der Kirche neben ihnen steht, duften alle nach Seife. Aber andererseits wird der Müll auch nur herumliegen lassen oder höchstens in ein Erdloch gekippt, und auch Wasser sollte man nicht unbedingt trinken“, fasst der Grödner seine ersten Beobachtungen zusammen.<h3>Modell und Werkzeug aus der Heimat mitgenommen</h3>Doch vornehmlich war ja der Künstler in Afrika, um die Muttergottesstatue zu schnitzen. Ein Modell hatte er sich mitgenommen, ebenso Werkzeug, zumal er von einem vormaligen Aufenthalt wusste, wie es da bestellt war. Und er lernte auch seinen Partner kennen, den kenianischen Holzbildhauer Titus Ndegwa Maturi.<BR /><BR />„Die Zusammenarbeit war nicht so einfach, wie ich sie mir vorgestellt hatte. Erstens hatte er selbst kein Werkzeug dabei, kannte gar nicht den Umgang mit einer Motorsäge und ließ bei den Ideen immer mir das Sagen“, schildert Filip Moroder den eher stotternden Beginn der Arbeit an der Muttergottesstatue.<BR /><BR />Man hatte den 2 Künstlern eine Hütte zubereitet, doch auf Wunsch Moroders verlegte man die „Werkstätte“ an die frische Luft. „Ich wollte, dass die Menschen mit ansehen können, wie wir arbeiten, dass sie zu uns kommen, mit uns reden, auch ihre Eindrücke offenbaren“, sagt Moroder. Der Haken dabei war aber, dass stets recht scharfer Wind blies, und dadurch trocknete das Holz extrem rasch aus. Es war ein lokales Holz, sehr hart, aber durch den ständigen Windeinfluss wurde es auch rasch spröde.<BR /><BR />Nichtsdestotrotz arbeiteten der Kenianer und der Grödner schwungvoll, versuchten der Muttergottes auch eine ganz besondere Note zu geben. „Ich wollte keine klassische Madonna schnitzen, wie man sie in Mitteleuropa kennt, sondern es sollte eine besondere Muttergottes für die Menschen in den Gemeinden rund um Sirima sein. Leicht nach vorne geneigt, das Jesuskind mit einer Hand an sich und einer anderen am Herzen seiner Mutter“, fasst Filip Moroder kurz zusammen. Zudem wurden in der Borte des Mantels der Madonna die Symbole der Völker aus der Gegend Sirimas eingeschnitzt: Schilder, Trommeln. Und auch der große Ohrring am Ohrläppchen der Statue weist auf die Zugehörigkeit zu Afrika hin, so dass die Betrachter sehr gerne die Muttergottes als „Our Lady of Sirima“ bezeichneten.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="904589_image" /></div> <BR /><BR />„Ich konnte mich mit den Beobachtern, die allesamt gutes Englisch sprachen, gut unterhalten. Besonders die Kinder wimmelten um uns herum und schenkten mir mit ihrem Lächeln, ihrer Herzlichkeit so viel Liebe, die ich gerne als die Liebe der Armut bezeichne“, philosophiert Moroder, der aber rasch hinzufügt: „Vielleicht sind die Menschen in diesem Landstrich Kenias im Verhältnis zu uns arm, aber sie sind nicht an sich arm, denn sie leben mit dem, was sie haben, und sind zufrieden.“<BR /><BR />Große Planer sind die natürlich nicht, und ein Hausbau kann sich bis auf 10 Jahre hinausziehen, weil viele es nicht verstehen, wie man an Materialien kommt. Auch weil der Transport – besonders in etwas entlegenere Orte der großen Kirchengemeinschaft – recht mühsam ist.<h3>Neue Kirche in Sirima als zentraler Begegnungsort</h3>An Sonntagen muss Hochw. Ortolan in drei verschiedenen Kirchen eine Messe lesen, wobei der zentrale Punkt immer die neue Kirche in Sirima ist. Dann ziehen die bunt bekleideten Menschen singend und tanzen ins Gotteshaus und feiern eine herzlich tief empfundene Messe. Die Menschen seien tief gläubig und würden auch spontan ihre Gaben abliefern, die dann Bedürftigen aus der Gegend weitergereicht werden.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="904592_image" /></div> <BR />In diesem Sinne möchte auch Filip Moroder weiter mit Sirima, Hochw. Elvino Ortolan und vor allem den lieb gewonnen Menschen dort in Verbindung bleiben. „Vielleicht kann jemand eine Serie von T-Shirts spenden, vielleicht kann ein Sportklub ausrangierte, aber noch immer brauchbare Trainingsdressen zur Verfügung stellen. Ich würde dies einsammeln und garantieren, dass sie sicher an Ort und Stelle nützlich eingesetzt werden.“ Dazu regt der Grödner auch an, mit einem Team direkt vor Ort einen Erste-Hilfe-Kurs zu veranstalten. „Die Menschen in Sirima brauchen auch solche praktischen Dinge, weniger Geld.“ Und auch der Bau eines Brunnens wäre ein großer Traum, den man sich in Kenia verwirklichen möchte. Denn die Dürre ist jeweils eine Drohung und eine Gefahr für die Bevölkerung, und ein Ernteausfall könnte schlimme Folgen haben.<h3>Regen am Tag der Fertigstellung der Statue</h3>Doch am letzten Tag, als Moroder und Ndegwa Maturi die Muttergottesstatue fertiggestellt hatten, fiel nach längerer Zeit erstmals wieder Regen über die Siedlung. „Unsere Muttergottes hat bereits ein erstes Wunder bewirkt“, jubelten die Menschen in der katholischen Gemeinde im Herzen Kenias.<BR /><BR />Und Filip Moroder Doss trägt jetzt mehr denn je die Menschen Kenias in seinem Herzen.<BR />