Ein Gespräch über seine Ausstellung mit dem Titel „Peakadilly“. Von Eva Gratl<BR /><BR />Stechender Blick, große Augen, denen man sich nicht entziehen kann. Die Zeichnung mit dem Graphitstift erschafft Konturen, darüber ein Konglomerat von kleinen Farbpartikeln. Bahnt sich da jemand einen Blick durch Schneegestöber? Der Künstler Peter Senoner ist fasziniert von den technischen Möglichkeiten, den großen Veränderungen, die in der Luft liegen, und sich diesen auch in der Kunst zu stellen, ist ihm eine Herzensangelegenheit. Er betont, dass er es liebe, im Team zu arbeiten, was in diesen großformatigen Werken der Fall war...<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1141908_image" /></div> <BR />Denn die Bilder, die unter dem Titel „Peakadilly“ im Lumen Museum gezeigt werden, entstanden durch eine intensive Zusammenarbeit mit der Weltfirma DURST, die durch diese besonderen Arbeiten auch herausgefordert wurde. Die Werke werden deshalb bald auch auf einer großen Messe in Berlin gezeigt. Die Zusammenarbeit war, so der Künstler, eine „win-win Situation“. <BR /><BR /><BR />Überwältigend ist das große Format. „Die Größe saugt dich anders hinein“, sagt Senoner, „als Betrachter wird man von der Arbeit umarmt.“ Und er fügt hinzu: „Diese Werkserie war eine gewaltige Herausforderung, wo ich auch selbst meine Grenzen spürte.“ Nicht Malerei, der Künstler sagt bewusst Zeichnung, und diese Zeichnung mit Graphitstift verzeiht wenig.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1141911_image" /></div> <BR /><b>Insgesamt 20 großformatige Werke für einen besonderen Ort in luftiger Höhe auf 2300 Metern mit einem ungewöhnlichen Titel...</b><BR />Peter Senoner: Die Ausstellung trägt den Titel „Peakadilly“, und das ist ein Wortspiel zwischen „peak“-Gipfel und Piccadilly, dem zentralen Platz in London. Denn auch der Kronplatz ist irgendwo ein Mittelpunkt. Der Schau ging eine lange Vorbereitungszeit voran. Sie wird ein Jahr lang zu sehen sein, allerdings in unterschiedlicher Konzeption. Denn jetzt zeige ich das erste Kapitel von weiteren. Im zweiten wandert dann die Ausstellung in andere Räume und eine große Skulptur soll Thema werden. Es folgt ein Kunstbuch und dann, wir werden sehen...<BR /><BR /><BR /><b>Um was geht es nun in der Ausstellung konkret?</b><BR /> Senoner: In diesem außergewöhnlichen Ort geht es, wie immer in meinen Arbeiten, um Mensch und Landschaft bzw. auch um den Berg, aber nicht in abbildender Art, sondern, bezugnehmend auf den Erfahrungen meines Projektes im TerraX Cube im NOI Techpark, um atmosphärische Eindrücke. Es geht im Grunde darum, wie Naturelemente auf unsere Existenz einwirken: Wie empfinde ich einen Schneesturm? Kälte? Das Ausgesetztsein in der Natur? Es sind virtuelle Porträts, die durch Überlagerungen entstehen kombiniert mit einer Abstrahierung von Landschaft.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1141914_image" /></div> <BR /><BR /><BR /><b>Technisch sind sie sehr komplex, was man den Bildern nicht ansieht, wohl aber fällt auch die Zartfarbigkeit auf...</b><BR />Senoner: Der Schaffensprozess war eine ganz neue Entwicklung, denn es handelt sich um eine starke Verschränkung zwischen Technologie und analoger künstlerischer Arbeit. In den letzten Jahren entstanden 5 vielschichtige Werke, diese wurden 3D hochauflösend gescannt und aus diesen entstanden digitale Grundstrukturen. Diese wurden von der Firma DURST auf den Bildträger gesprintet. Und im Atelier wurden sie durch meine künstlerische Hand weiter bearbeitet. Dadurch wurden die digitale Technologie und die künstlerische Arbeit so verschränkt, dass beide eine Einheit bilden. Auch ein abstraktes Bild war einmal ein Gesicht. <BR /><BR />Und was die zarten Farben betrifft: Auch wenn ich mit Farbe umgehe, ich bin kein Maler. Farbe soll Signalcharakter haben und es geht darum, kompositorische Schwerpunkte zu schaffen. Die Farbe eingesetzt als „Nichtmaler“ ist ein Werkzeug unter vielen anderen. Ich setzte sie ein, um Naturphänomene sichtbar zu machen.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1141917_image" /></div> <BR /><BR /><b>In diesem Werkzyklus fallen sofort die Augen auf, die uns aus den Tableaus entgegenblicken. Dunkel und geheimnisvoll bilden sie fast das Zentrum der Bildträger...</b><BR /> Senoner: Ja, die Augen spielen eine sehr große Rolle, und sie verweisen auch auf den Titel „Peakadilly“. Sie hängen im großen zentralen Raum im Lumen Museum und durch die starke Betonung des Blickes wird unklar, wer hier blickt. Schauen wir, die Betracher, oder sind es die Augen auf den Werken? Werden wir betrachtet? Auch hier verschwimmen die Grenzen, und das wollte ich unbedingt vermitteln. <BR /><BR /><BR /><b>Das Gesicht spielt in allen Ihren Zeichnungen eine große Rolle. Was können Gesichter in der Kunst?</b><BR />Senoner: Das Gesicht ist unser Gegenüber, ob in der Skulptur oder in der Zeichnung, denn dadurch ergibt sich für mich eine viel intensivere Auseinandersetzung mit dem Werk. Durch die Augen schaffe ich kompositorische Fokussierungen. Viele sagen, es sei mein Porträt, unbewusst fließt natürlich viel von der eigenen Person und Persönlichkeit mit ein. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1141920_image" /></div> <BR /><BR /><b>Sie sind ja eigentlich Bildhauer, wenn man die Werke betrachtet, ergibt sich vielleicht ein Trugschluss, dass es Zeichnung und Malerei seien...</b><BR />Senoner: Diese Arbeiten wurden gemacht, als ob es Skulpturen wären. Das beginnt beim Bildträger. Die Rotbuchenplatten wurden bearbeitet, sie laufen am Rande aus, sie haben die Leichtigkeit eines Büttenpapiers. Der Bildaufbau erfolgt in Schichten und wird nach hinten geschliffen. Wenn ich eine Skulptur erschaffe, ist es technisch nicht möglich, den letzten Zustand zu zeigen, weil ich ja alles entferne. Bei einer Zeichnung, und man erkennt ja oft den Graphitstift, kann ich die Spuren in die Tiefe sichtbar machen, Teile meines Weges sind noch da. Es sind dreidimensionale Arbeiten, und wer sie seitlich betrachtet, sieht diese Spuren. Genau hier merkt man, dass ich von meinem Naturell her ein Bildhauer bin. Digital und analog, Zeichnung und Malerei: Dieses Changieren interessiert mich. Man sieht aber doch: Die Zeichnung und die Struktur stehen im Vordergrund, die schwarze Linie und der Graphitstift sind meine Handschrift.<BR /><BR /><BR /><b>Als Künstler, das merkt man in diesem Werkzyklus ganz besonders, halten Sie am Sujet fest. Also eine Absage an die Abstraktion?</b><BR />Senoner: Das Sujet ist für mich der große Motor, ein weites Feld, eine große Heraus- und Anforderung. Es ist aber vor allem auch der Rahmen, den ich mir stecke. Denn wenn es nach allen Seiten offen ist, kann es auch beliebig werden. Hier bewege ich mich immer in diesem Spielfeld.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1141923_image" /></div> <BR /><BR /><BR /><b>Sie sind sehr erfolgreich, einer der wenigen Künstler, die über die Grenzen des Landes hinaus große Sammler und Sammlerinnen haben. Gibt es ein Erfolgsgeheimnis?</b><BR />Senoner: Es geht um hundertprozentige Authentizität. Der Künstler muss sich ohne Kompromisse einlassen. Ich denke, Kompromisse duldet „der Markt“ nicht. Natürlich ist dies ein wichtiger Faktor, weil ich ja davon lebe. Ich habe zum Glück in meiner jungen Zeit in den USA erfahren dürfen, was es bedeutet sich einzulassen, als ob es um das eigene Leben ginge. Diese starke Erfahrung hat mich geprägt. In der Intensität, wie ich meine Werke schaffe, in der Authentizität, wie ich meinen Beruf betreibe: Das ist es, was Vertrauen schafft, wo vielleicht Potential gesehen wird, was es mir ermöglicht, auf einem internationalen Markt präsent zu sein. </TD><TD><BR /><BR /><h3> Zur Person Peter Senoner</h3><BR />Er wurde 1970 in Bozen geboren und freischaffender Künstler. Sein Atelierhaus für Bildhauerei, öffentliche Kunstinterventionen, Zeichnung und Malerei befindet sich im historischen Ansitz Fundneyt bei Klausen. Er hat Lehraufträge und hält Vorträge an verschiedenen Universitäten. Seine Werke befinden sich in zahlreichen internationalen öffentlichen und privaten Sammlungen. Leitmotiv seiner variablen Figurenanordnung ist die Verdoppelung: ob mit einem Plastikguss, Zeichnung oder in Form einer digitalen Animation.<BR /><BR /><BR /><b>Termin:</b> Bis 9.11. – Dialogführung mit Peter Senoner durch die Schau am 15.3., 11 Uhr, LUMEN, Museum der Bergfotografie, Kronplatz, Bruneck