Vor zehn Jahren ins Leben gerufen mit dem Ziel, „die Kunst und die Hotellerie und Gastronomie in ein Zusammenspiel auf Augenhöhe zu bringen“, wird das eigens für den Wettbewerb produzierte Siegerwerk Teil der Kunstsammlung des HGV. Ein Gespräch mit der Künstlerin zu ihrer Arbeit. Von Eva Gratl<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1214364_image" /></div> <BR /><BR />Das prämierte Werk wird außerdem in hochwertiger Qualität in einer Edition von 22 Stücken reproduziert und vom HGV als Geschenk an Partner weitergegeben. Julia Frank kann sich freuen, auch der HGV, der inzwischen eine bedeutende Kunstsammlung aufgebaut hat, mit Werken von <b>Sissa Micheli 2016, Ingrid Hora 2017, Robert Pan 2018, Josef Rainer 2019, Robert Bosisio 2020, Elisa Grezzani 2021, Sophie Lazzeri 2022, Arnold Mario Dall’O 2023 Sarah Solderer 2024.</b>Wie es ihr gelingt, die anspruchsvolle Herausforderung „Sprache, räumliche Orientierung und die Ästhetik gelebter Gastfreundschaft miteinander zu verknüpfen“, verdeutlichte sie während der Preisverleihung. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1214367_image" /></div> <BR /><BR /><b>Es ist nicht leicht, Dich künstlerisch einzuordnen. Was zeichnet Dein Werk aus?</b><BR />Julia Frank: Insgesamt zeichnet sich mein Werk durch die Adaptionsfähigkeit aus, das heißt, dass hinsichtlich des Mediums die Wandelbarkeit gegeben ist. Inhaltlich durch die Positionierung gegenüber Minderheiten, durch eine bestimmte Identitätsfrage. Ich denke, auch soziopolitische Aspekte spielen in meinem Werk eine große Rolle. Ziel meiner Arbeit war immer der Versuch, ein originelles, sehr authentisches Werk zu schaffen, das medienübergreifend ist. <BR /><BR /><BR /><b>Nun bist Du HGV-Künstlerin des Jahres und das ist eine ganz besondere Auszeichnung des Hotelierverbandes in Zusammenarbeit mit dem Südtiroler Künstlerbund. Wie müssen wir uns Deine künstlerische Herangehensweise an diesen Wettbewerb vorstellen?</b><BR />Frank: Welche Position möchte ich einnehmen? Diese wichtige Frage stand am Beginn. Die künstlerische Position ist in meiner Wahrnehmung immer die des Reflektierens, der Fragestellenden und auch eines Zusammenfassens, wenn möglich mit einem Blick in die Zukunft. Ich bin natürlich mit dem HGV-Verband nicht eng verbunden, komme aber selbst aus einer Familie, wo viele in der Gastronomie arbeiten und ich bin mit der Gastfreundschaft sehr vertraut. Die Arbeit zielt darauf ab, zeitlos zu sein, sie hat einen konzeptuellen Charakter und bezieht sich spezifisch auf die Signaletik, Typografie und Codes, welche unsere Region verbinden. So ist die Arbeit auch ein Echo darauf. Mit Typografie und gestalterischen Mitteln will ich darauf hinweisen, dass durch die Vielfalt in unserer Region in Bezug auf Hotellerie, Wirtschaft und Tourismus eine klare künstlerische Arbeit präsentiert wird. Deshalb auch die Wortwahl: regional, saisonal, radikal, die auch auf Italienisch auf dieser Ebene, der horizontalen Linie zu lesen sind. Es ändert sich dann die Leserichtung. Und so sind die drei Begriffe auch eine Metapher, eine Analogie für Einigkeit.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1214370_image" /></div> <BR /><BR /><BR /><b>Regional, saisonal, radikal.... warum diese drei Wörter?</b><BR />Frank: Was bedeutet heute regional, saisonal, was radikal? Diese Fragen müssen wir uns stellen. Durch den Tourismus hat unsere Region sehr an Wertschätzung gewonnen, aber wir sind in einer Zeit des Umbruchs, in der man auch den Tourismus neu erörtern muss und vielleicht im Einklang mit Natur, Landschaft visionäre Wege eingehen sollte – auch mit radikalen Entscheidungen und Eingriffen. <BR /><BR /><BR /><b>Du experimentierst in Deinen Arbeiten auch mit unterschiedlichen Medien. Was war Dir in Bezug auf Dein explizit für diesen Wettbewerb geschaffenes Werk wichtig?</b><BR />Frank: Ein flacher, grafischer Ansatz ist insgesamt sehr in meiner Arbeit präsent. Die Arbeit mit Metall ist ja nicht unbedingt meine Sache. Ich denke aber, für einen Wettbewerb muss man auch das Risiko eingehen und den Versuch wagen, mit Materialien zu arbeiten, die einem nicht so nahestehen. Die Idee stammt von mir, aber ich hatte wichtige Produzenten vor Ort, mit denen ich in Zusammenarbeit das Original erarbeitet habe. Durch das Metall, das ja in einem bestimmten Grauton besprüht ist – es ist ein Verkehrsgrau – kommt auch eine dynamische Ebene ins Spiel. Wir ziehen ja mit dem Rad, zu Fuß, mit dem Bus, dem Zug durchs Land. Wichtig war mir auch, dass man nicht klar definieren kann, wo die Arbeit steht. Sie könnte ebenso gut im Außenbereich angebracht werden. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1214373_image" /></div> <BR /><BR /><b>Die Edition ist eigentlich ein besonderes Schmuckstück....</b><BR />Frank: Die Edition ist eine Verdichtung des Originals, wo dieser Richtungswechsel noch einmal gegeben ist. Wie immer man diese Anstecknadel oder Brosche trägt, es gibt unterschiedliche Richtungen, vertikal und horizontal. Es ist der poetischere Ansatz, als zusätzlicher Finger zu deuten und fingerweisend zu interpretieren. <BR /><BR /><BR /><b>Du lebst in Wien, bist aber Deiner Heimat , dem Vinschgau, eng verbunden und warst Mitbegründerin des ersten Atelierhauses GAP Glurns Art Point in Südtirol, das von 2011 bis 2018 internationale Künstler beherbergte und kuratorische Projekte unterstützte. Wie wichtig ist Dir der Bezug zu Deiner Heimat?</b><BR />Frank: Ich glaube, man kann die eigene Verwurzelung nicht ignorieren. Heimat war viele Jahre auch eine persönliche Auseinandersetzung. Das Atelierhaus gründete ich in Kooperation mit anderen, es hat vieles geleistet, es gab einen Anfang und ein Ende, und ich freue mich, dass es mittlerweile ein viel größeres Äquivalent gibt. Abwanderung ist also nicht die einzige Option. Ich sehe, dass in Südtirol sehr viel passiert. Wer ist man? Woher kommt man? Diesen Fragen ist man immer ausgesetzt. Ich nehme vieles von mir mit, meine Bodenständigkeit und Direktheit trage ich auch mit ins Ausland. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1214376_image" /></div> <BR /><BR /><b>Mit welchen Schwierigkeiten haben heute junge Künstlerinnen besonders zu kämpfen?</b><BR />Frank: Als Lehrende an der Fakultät für Kunst und Design in Bozen und im Austausch mit Studierenden sehe ich, dass soziale Medien einen unheimlichen Druck aufbauen. Auch die Intransparenz des Kunstbetriebs ist sicher für eine neue Generation nicht so förderlich. Ich versuche in meiner Lehrtätigkeit, einen kollektiven, solidarischen Ansatz zu praktizieren. Meine Fehler offenbare ich, es gibt kein Regelwerk, und so hoffe ich, dass die jungen Studierenden meine Fehler nicht mehr machen. <BR /><BR /><BR /><b>Dein Credo in Bezug auf Kunst?</b><BR />Frank: Sich treu zu bleiben, dranbleiben, zu versuchen einen Kreis von Menschen, die man wertschätzt, um sich zu pflegen, um in einem kritischen, analytischen und motivierenden Umfeld zu sein. <BR /><BR /><BR /><b>Dein Wunsch?</b><BR />Frank: Ein genereller Wunsch, dass auch Menschen, die aus einer anderen gesellschaftlichen Klasse kommen, gefördert werden und alles nicht so klassenorientiert und hierarchisch ist. Dass man auf regionaler Ebene erkennt, dass man junge talentierte Künstlerinnen und Künstler frühzeitig unterstützt und im Ausland fördert. <BR /><BR /><BR /><b>Zukunftspläne?</b><BR />Frank: Unmittelbar bleibe ich meiner Praxis sehr verbunden und bleibe weiterhin in Wien. Ich wünsche mir auch die Vergrößerung meines Ateliers. Ein wichtiges Projekt steht an, denn meine Arbeit hat sich sehr verändert, und da kann ich diese in der Summe präsentieren.