„Von Wien nach Rom. Meisterwerke der Habsburger aus dem Kunsthistorischen Museum“ lautet der Titel der bis zum 5. Juli laufenden Schau im Palazzo Cipolla im Herzen Roms. Welche Werke zu sehen sind, erklärt der Generaldirektor des KHM, Jonathan Fine, im Gespräch. <BR /><BR /><b>Interview: Micaela Taroni</b><BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1288092_image" /></div> <BR /><BR /><b>Was war der Hintergrund der kuratorischen Arbeit für diese Schau?</b><BR />Jonathan Fine: Die Ausstellung bietet einen Überblick über vier Jahrhunderte europäischer Malerei und vereint Werke, die zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert von bedeutenden Persönlichkeiten des Hauses Habsburg – von Kaiser Rudolf II. über Erzherzogin Isabella Clara Eugenia, Erzherzog Leopold Wilhelm bis Kaiserin Maria Theresia – in Auftrag gegeben wurden. <BR /><BR /><BR /><b>Und das Herzstück?</b><BR />Fine: Die europäische Malerei des 17. und 18. Jahrhunderts, die in ihren wichtigsten Gattungen und Variationen präsentiert wird. Die große flämische Epoche des 17. Jahrhunderts ist durch Peter Paul Rubens, Anthony van Dyck und Jan Brueghel dem Älteren vertreten. Neben großformatigen Werken widmet die Ausstellung der Kabinettmalerei viel Raum, ebenso Objekten aus der Kunstkammer, einer der berühmtesten „Wunderkammern“ der Renaissance. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1288095_image" /></div> <BR /><b>Ein Highlight ist das Caravaggio-Gemälde „Dornenkrönung“, das um 1603-1605 in Rom entstanden ist...</b><BR />Fine: Ja, diesem Meisterwerk haben wir im Rahmen der Ausstellung einen eigenen Saal gewidmet. Ich war enttäuscht, weil wir vor zwei Jahren, als in Rom eine große Caravaggio-Ausstellung stattfand, keine Exportgenehmigung für dieses Bild erhalten hatten. Jetzt hat sich die Lage geändert und wir zeigen dieses Gemälde in all seinem Glanz. <BR /><BR /><BR /><b><BR />Warum ist der Palazzo Cipolla als Ausstellungsort gewählt worden?</b><BR />Fine: Der Palazzo Cipolla steht im symbolischen Dialog mit dem Kunsthistorischen Museum. Das KHM wurde von Gottfried Semper und Carl Hasenauer entworfen und 1891 als Teil des von Kaiser Franz Joseph I. in Auftrag gegebenen Stadtentwicklungsplans eingeweiht. Palazzo Cipolla wurde von Architekt Antonio Cipolla entworfen, der zur selben Zeit wie Hasenauer und Semper aktiv war und als sensibler Interpret der europäischen Kultur gilt. So teilt Cipolla mit Semper und Hasenauer die Vorstellung von Architektur als öffentlichem Raum, der kulturelle und bürgerliche Werte vermitteln kann. Es handelt sich um Architekten, die gemeinsam eine besondere Vision der Architektur in Europa voranbringen wollten.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1288098_image" /></div> <BR /><BR /><b>Mit dieser Schau werden auch die besonderen Beziehungen hervorgehoben, die es seit jeher zwischen Wien und Rom gibt...</b><BR />Fine: Diese gibt es schon seit Jahrtausenden, wir dürfen nicht vergessen, dass Österreich eine Provinz des antiken Roms war. Vor allem in der heutigen schwierigen internationalen Situation bietet die Ausstellung mit diesen KHM-Meisterwerken einen perfekten Rahmen, um Brücken zwischen Nationen zu bauen und den gemeinsamen Wert der Kultur in Europa sichtbar zu machen. Kulturaustausch ist nicht etwas, das es erst seit der Gründung der EU gibt, sondern es gehört zur DNA Europas.<BR /><BR /><BR /><b>Die Wichtigkeit des Kulturaustausches wurde auch durch die Präsenz der Staatspräsidenten Italiens und Österreichs bei der Eröffnung unterstrichen...</b><BR />Fine: Damit hatten wir nicht gerechnet. Glücklicherweise sind die diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden Ländern und die persönlichen Kontakte zwischen Van der Bellen und Mattarella besonders freundschaftlich. Ihre Anwesenheit bei der Eröffnung ist ein klares Zeichen der Wertschätzung seitens Italien und Österreich für diese Ausstellung. Sie unterstreicht die außergewöhnliche Bedeutung dieses Kulturprojekts. Italien und Österreich verbindet eine gemeinsame Geschichte und die Hochschätzung für die Kunst. Kunst überwindet Grenzen und verbindet Menschen. Kunst ist eine Sprache, die alle verstehen können. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1288101_image" /></div> <BR /><BR /><b>Sie bezeichnen das KHM als schönstes Museum der Welt. Wie fühlt es sich an, dieses zu leiten?</b><BR />Fine: Die Kunstsammlungen des KHM zählen zu den wichtigsten der Welt, und wir dürfen es mit Kunstliebhabern teilen. Im Gegensatz zu anderen ähnlichen Kultureinrichtungen ist das KHM nicht nur ein Museum, sondern vor allem eine riesige Nationalsammlung, die von Anfang an so konzipiert wurde, dass sie allen Menschen zugänglich ist. Heute sind die Sammlungen im Kunsthistorischen Museum der Stolz Österreichs und ein Erbe der Welt. Für mich ist es eine Ehre, mit meinen Mitarbeitern die KHM-Sammlungen verwalten zu dürfen.<BR /><BR /><BR /><b>In ganz Rom gibt es Werbung für die Ausstellung im Palazzo Cipolla. Wie werden die Menschen in der Stadt Ihrer Ansicht nach diese Ausstellung aufnehmen?</b><BR />Fine: Ich bin sehr gespannt. In Rom ist man verwöhnt, große Kunst gibt es sozusagen an jeder Ecke. Man kann sagen, dass Rom die Kunsthauptstadt Europas ist, aber hier die kaiserlichen Sammlungen zu sehen, ist – glaube ich – etwas ganz Besonderes. Ausgestellt sind Werke, die man auch in Wien nicht oft sieht. Wir haben ein sehr gutes Verhältnis zu den italienischen und römischen Museen. Viele unserer Werke werden als Leihgaben in italienischen Museen ausgestellt.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1288104_image" /></div> <BR /><BR /><b>In Wien sind einige Ausstellungen mit Schwerpunkt italienische Kunst geplant, worauf darf sich der Besucher oder die Besucherin freuen?</b><BR /><?Schrift Spationierung="0ru"> Fine: Am 24. März öffnet in Wien eine Sonderschau, die sich den venezianischen Vedutenmalern Canaletto und Bellotto widmet. Viele der gezeigten Werke, insbesondere Canalettos London-Bilder, werden erstmals in Österreich zu sehen sein.<BR /><?_Schrift> <BR /><BR /><b>Auch in Triest werden KHM-Werke ausgestellt...</b><BR />Fine: Ja genau. Am 2. April wird „Ancient Egypt in Miramare“ eröffnet. Maximilian von Habsburg (1832-1867) sammelte fast 2.000 ägyptische Objekte im Schloss Miramare bei Triest. Nach seinem Tod kamen diese Bestände zur Ägyptisch-Orientalischen Sammlung des KHM. Eine Auswahl dieser Exponate kehrt für die Dauer der Schau ins Schloss zurück.<BR /><BR /><BR /><Fett>Termin:</Fett> Bis 5. Juli, Palazzo Cipolla, Via del Corso, Rom