Die weiche geometrische Form in immer wieder anderen Variationen ist ihr Kosmos, der mit reduzierter Farbwahl ein faszinierendes Spiel erzeugt, in den das Auge lange eintauchen kann. Elisa Alberti entstammt einer Künstlerfamilie, Julia Bornefeld und Gino Alberti sind ihre Eltern. Sie kann bereits auf ein überaus erfolgreiches Ausstellungscurriculum zurückblicken und zeigt nun in Mailand ihre Werke. <b>Von Eva Gratl</b><BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1219593_image" /></div> <BR /><BR /><b>„Intuition und System“ nannte sich deine erste Einzelausstellung in Südtirol – zwei gegensätzliche Begriffe. Wie sind sie in deinen Werken präsent?</b><BR />Elisa Alberti: Der Titel sollte genau widerspiegeln, dass man bei erster Betrachtung vor allem das System sieht. Man erkennt die Wiederholungen, einen Raster. Dennoch spielt die Intuition eine sehr große Rolle, weil ich meine Arbeiten doch nicht so systematisch angehe. Es steckt sehr viel Subjektivität und Persönliches dahinter. Auch Gefühl und Zufall sind sehr wichtig. Dem eigentlichen Werk gehen eine Reihe von Skizzen voraus, so ist der Entstehungsprozess auch ein spontaner. Durch die Jahre und die ständige Wiederholung von Abläufen entsteht auch eine Art von System. <BR /><BR /><BR /><b>Woher kommen deine Inspirationen?</b><BR />Alberti: Bereits zur Akademiezeit habe ich sehr grafisch gearbeitet, allerdings viel organischer, auch Pflanzliches spielt eine Rolle. Daraus habe ich mein Vokabular entwickelt, immer mehr reduziert, weil mein Fokus immer auf der Materialität, der Oberfläche und der reinen Form lag. Die Inspirationen hole ich mir auch aus meiner Umgebung, durch den Austausch mit Künstlerinnen, in der Natur, im Atelier. Wenn man an einer Serie konsequent arbeitet, entsteht oft die Inspiration aus diesen Arbeiten, das heißt, sie beeinflussen sich gegenseitig. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1219596_image" /></div> <BR /><BR /><b>Ein Schwerpunkt in deiner Arbeit ist die reduzierte Farbwahl und die geometrische Form. Was können die beiden Elemente anders als die gestische Hand oder besser gesagt, welche Möglichkeiten bieten sich durch die klare Reduktion?</b><BR />Alberti: Es gibt durch die Reduktion viele und gleichzeitig wenig Möglichkeiten. Genau dieser Fokus auf die strenge Form ermöglicht viele Variationen. Das fasziniert mich, vor allem die Farbwelt, in der ich bleibe. Überra- schend dabei ist, wie viel Neues dadurch entsteht. Hinzufügen, Linien hineinritzen, es gibt unendlich viele Möglichkeiten. Auch die reduzierte Farbwahl war immer Teil meiner Arbeit. Die Ausgangsbasis waren die Farben Schwarz-Grau. Dazu kamen dann Blau und Haut- töne. In diesem Spektrum bewegen sich die Werke, denn die Farbe ist auch Teil der Reduktion, und diese ist mein wichtiges Thema. Ich möchte sie so weit fortführen, so weit es geht. <BR /><BR /><BR /><b>Linie und Fläche spielen in deinen Arbeiten eine ganz wichtige Rolle...</b><BR />Alberti: Schon in meinen früheren Arbeiten war die Linie immer präsent, früher mehr und da zog ich sie mit dem Lineal. Jetzt ist die Linie Teil der Fläche, denn sie wird in diese geritzt und durchbricht dadurch die Form. Sie bringt das, was drunter liegt, zum Vorschein. Sie bringt die Fläche in das Raster, so befinden sich Linie und Fläche in einem ständigen Austausch. Wichtig ist, dass die Fläche einheitlich erscheinen muss. Ich trage die verschiedenen Schichten mit einem Roller auf, so dass eine geschlossene Oberfläche entsteht, welche gleichzeitig in die Leinwand dringt und Teil der Materialität der Leinwand wird.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1219599_image" /></div> <BR /><b>Auch gibt es keine Ecken und Kanten, es fehlt in deiner Abstraktion das Zackige, Harte. Es dominiert das Halbrunde, eine Form, die Geborgenheit evoziert, oder sehe ich das falsch?</b><BR />Alberti: Meine Form ist etwas sehr Subjektives, Ecken und Kanten gibt es zwar, aber sie werden gebrochen und genau diese Brüche sind mir in meiner Arbeit wichtig. Es gibt Raster, vor allem in der Vorzeichnung, wo dann diese halbrunde Form hineinkommt. Dort erlebt sie den ersten Bruch, denn sie muss etwas Weiches bekommen. <BR /><BR /><BR /><b>Du kommst aus einer erfolgreichen Künstlerfamilie. Wie lebt es sich, wenn man so aufwächst? Haben dich die Werke der Eltern beeinflusst?</b><BR />Alberti: Ich habe mein Leben innerhalb der Künstlerfamilie als sehr positiv erlebt, weil man immer Verständnis aufbrachte. Ich hole mir auch den Rat, suche immer den Austausch. Wenn ich über Einflüsse nachdenke, so ist auf jeden Fall die Farbe Schwarz in den Werken der Eltern sehr dominant und sie prägt auch meine Arbeiten.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1219602_image" /></div> <BR /><BR /><b>Du bist sehr erfolgreich, hattest bereits Solo-Shows und du bist auf wichtigen Messen präsent. Was muss man tun, um sich als junge Künstlerin zu etablieren?</b><BR /><?Schrift Spationierung="0ru" SchriftWeite="98ru"> Alberti: Es gibt natürlich kein Handbuch, wie man Erfolg hat. Man muss sich überlegen: Will ich etwas zu hundert Prozent. Und natürlich spielen Fleiß, Disziplin und die Auseinandersetzung mit den Arbeiten selbst eine große Rolle. Es braucht auch Ehrgeiz. Aber natürlich auch Glück, vor allem der Kontakt zu Galerien und heute spielen natürlich die Social Media eine wichtige Rolle. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1219605_image" /></div> <BR /><?_Schrift> <BR /><b>Du hast auch dein erstes Künstlerbuch präsentiert: Ein wichtiger Schritt in die Zukunft?</b><BR />Alberti: Dieses Buch ist sicher ein Meilenstein. Dieser Katalog beinhaltet alle Ausstellungen von 2021 bis heute. Ich habe immer jedes einzelne Werk dokumentieren lassen. In dieser schnelllebigen Zeit war es mir wichtig, dass etwas bleibt und ich mag gerne Dinge, die ich in der Hand halten kann. <BR /><BR /><BR /><Fett>Termin:</Fett> Bis 21 November, Galleria 10 A.M. Mailand