Esther Stockers Werk ist auf geometrischen Grundprinzipien aufgebaut, doch die Arbeiten weisen Brüche und Störungen auf. Sie entwickelt diese als System geometrischer Zeichen- und Rastersysteme in Schwarz-Weiß-Grau, erweitert sie auch in die dritte Dimension und verändert dadurch Raum und Architektur... <BR /><BR />Erst kürzlich hat sie eine Cafeteria für das Europäische Patenamt in <Fett>München</Fett> fertiggestellt. Dafür hat sie ein maßgeschneidertes Konzept entwickelt: Die Cosmic Bar. Die zerknitterten, fast wolkenartigen Skulpturen, die den Raum schmücken, dienen sowohl als Dekoration als auch als Möbel oder Beleuchtungskörper. Ihre unregelmäßigen Formen stehen in starkem Kontrast zur Präzision der linearen Schwarz-Weiß-Muster auf ihren Oberflächen und zur Geometrie der Cafeteria. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="980464_image" /></div> <BR />Weitere Projekte betreut Stocker derzeit in Deutschland. So beteiligt sie sich im Museum Ritter in <b>Waldenbuch</b> (Baden-Württemberg) an einer bis kommendem April laufenden Ausstellung „Made of Paper“. Sie beleuchtet anhand von rund 60 Sammlungswerken und 2 Installationen den kreativen Umgang von über 40 Künstlern mit dem facettenreichen Material. Es geht dabei vorrangig um Werke aus Papier. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="980467_image" /></div> <BR /><BR />Jetzt winkt eine weitere Ausstellung, die die Laatscher Künstlerin nach Norditalien geführt hat. In der ehemaligen Kirche Nuova Sant'Agnese in <b>Padua</b> ist die Schau ganz Esther Stocker gewidmet: „Esther Stocker: Uno scenario mentale“, lautet der Titel der bis zum 3. März laufenden Schau. In der ehemaligen Kirche, die inzwischen renoviert wurde, stellt die Künstlerin Skulpturen und 4 große Bilder vor. Im Vordergrund steht das Thema Kosmos.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="980470_image" /></div> <BR /><BR />Stockers Skulpturen, oft in Form von Volumen unterschiedlicher Größe und Ausdehnung präsentiert, wurden auf dem Boden, an der Wand oder hängend platziert. Ergänzt wird die Ausstellung durch eine Auswahl von Werken von Künstlern wie Josef Albers, Alberto Biasi, Dadamaino, Fernand Léger, Paolo Scheggi und anderen, die Teil der Sammlung der Stiftung Alberto Peruzzo sind. <BR /><BR /><BR />„Es freut mich, meine Werke in Padua auszustellen. Obwohl ich seit meiner Studienzeit in Wien lebe, verspüre ich eine enge Verbundenheit zum norditalienischen Raum. Kunst ist eine universelle Sprache, die die nationalen Grenzen überschreitet“, sagt Stocker. Ihre Arbeit besteht aus vielen Schwarzweiß-Strukturen. „Es ist eine Kunst, die sich mit Geometrie befasst und das Denken mit der Wahrnehmung verbindet. Dabei spielen verschiedene Einflüsse eine Rolle, hauptsächlich ungegenständliche“, erzählt die Künstlerin.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="980473_image" /></div> <BR /><BR /><BR />Schwarze und weiße Farbstriche, Gitterstäbe oder plastische, fast schon dreidimensionale Raster beherrschen ihr Werk. Die Künstlerin denkt nicht in Farbe, wichtig sind ihr vor allem die Relationen zwischen den Dingen. Seit Jahren sind ihre abstrakten Rasterbilder zum stilistischen Zeichen geworden. <BR /><BR /><BR />In den vergangenen Jahren hat sich Esther Stocker mit Arbeiten auf Leinwand, mit Kunst am Bau und diversen Rauminstallationen in Schwarz-Weiß hervorgetan. „Perfektion liegt mir nicht. Ich vertiefe mich in ein Thema, und es lässt mich nicht mehr los“, so Esther Stocker. Mit wenigen Zeichen will sie komplexe Zusammenhänge ausdrücken. Ganze Räume werden zu schwarz-weißen, grau schattierten Systemen. Bei diesen räumlichen Arbeiten glaubt man selbst ein Teil des Kunstwerkes zu sein. <BR /><BR />In Südtirol hat Esther Stocker durch ihre Arbeiten ein regelrechtes Wahrzeichen gesetzt: Es ist dies der schwarz/weiße Turm am Industriegelände der Firm Barth in Brixen und die zerknautschte Riesenkugel im Kreisverkehr in der Industriezone in Bozen. <BR /><BR /><b>Termin:</b> Bis 3. März, Kirche Nuova Sant'Agnese in Padua<BR /><h3> Kunst am Bau</h3><BR /><div class="img-embed"><embed id="980476_image" /></div> <BR />Und man kennt auch bestimmt eines ihrer Kunst-am-Bau-Werke. Man muss nur die Autobahn von Bozen Richtung Norden nehmen: Kurz vor Brixen fällt der Blick auf ein besonderes Kunstwerk, auf ein Silo mit schwarz-weißem Muster. Esther Stocker übernahm 2006 die künstlerische Gestaltung des Silo barth in Brixen. Dafür hat sie von der Architektenkammer Südtirol den 1. Preis für „Kunst am Bau“ erhalten mit der Begründung: „Die Künstlerin schafft einen klaren Anhaltspunkt inmitten von Industrie und anonymen Fassaden.“<BR /><BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="980479_image" /></div> Im Jänner 2023 wurde das historische Parlamentsgebäude in Wien nach über 5-jähriger Sanierung und Modernisierung wiedereröffnet. Ein offenes Haus, ein Haus des Dialogs, ein Haus der Auseinandersetzung, soll es für die Zukunft sein, auch dank der Werke von 12 Künstlern und Künstlerinnen, darunter auch Esther Stocker. <BR /><BR />Architektur und Kunst prägen das gegenseitige Miteinander: So wurde die Gestaltung von Stiegenhäusern u.a. der in Schlanders geborenen Künstlerin anvertraut, auf denen schwarze Quadrate unterschiedlicher Dimensionen umherpurzeln und metaphorisch die Demokratie evozieren. Die Künstlerin gestaltete die Wand mit der durchgehenden grafischen Arbeit „Galaxie“, aufgetragen mit Schablonen bzw. im Abklebe-Verfahren. Der Leitgedanke bezieht sich dabei „auf Offenheit, Freiheit und die ergänzende Zusammengehörigkeit von Einzelelementen und Gruppen“.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="980482_image" /></div> <BR /><BR />Eine riesige kugelförmige Skulptur aus schwarzen Streifen, die sich auf weißem Grund zu Rauten kreuzen, überragt seit 2018 den Kreisverkehr zwischen Volta- und Pacinottistraße in Bozen Süd: „Think Change“. Wie ein gewaltiges Statement stemmt sich die von Esther Stocker gestaltete Kugel den Autofahrern entgegen, als wollte sie sich gleich ihrer Betonblöcke entledigen und losrollen.<BR /><h3> Biografie</h3><BR />Die Künstlerin wurde 1974 in Schlanders geboren. Von 1994 bis 1999 studierte sie Malerei an der Akademie der bildenden Künste Wien, an der Accademia di Belle Arti di Brera in Mailand und am Art Center College of Design in Pasadena im US-Staat Kalifornien. 2004 erhielt sie den Otto Mauer-Preis, 2007 den Südtiroler Preis für Kunst am Bau, 2009 den Preis der Stadt Wien. Die Künstlerin lebt in Wien. Sie arbeitet im Bereich Malerei, Raum und Objekt. In ihren Installationen thematisiert sie Ordnung und Unordnung, System und Systemstörung. Ihre Arbeiten, alle in Schwarz- Weiß, fordern den Sehsinn heraus und spielen mit der Wahrnehmung.<BR /><BR />