Montag, 27. Februar 2017

Galerie Alessandro Casciaro: Werkzyklus von Sissa Micheli

4 Jahre nach ihrer letzten Einzelausstellung in der Galerie präsentiert, Sissa Micheli einen neuen Werkzyklus an der Schnittstelle zwischen Fotografie und Film.

4 Jahre nach ihrer letzten Einzelausstellung in der Galerie präsentiert, Sissa Micheli einen neuen Werkzyklus an der Schnittstelle zwischen Fotografie und Film. - Foto: Galerie Alessandro Casciaro
4 Jahre nach ihrer letzten Einzelausstellung in der Galerie präsentiert, Sissa Micheli einen neuen Werkzyklus an der Schnittstelle zwischen Fotografie und Film. - Foto: Galerie Alessandro Casciaro

Kleidungsstücke werden ins Bild geworfen, die Kamera filmt ihren kurzen Flug. Dann klickt der Auslöser, ein ausgesuchter Moment wird arretiert und gespeichert, während zwischenzeitlich das Kleidungsstück längst zu Boden gefallen ist.

Immer neue Kleidungsstücke fliegen und erstarren, jede Filmsequenz endet in einem Freeze Frame, kulminiert sozusagen im „entscheidenden Augenblick“, an dem die verformbaren Textilien in eine endgültige Form gegossen werden. Bewegte Körper durchkreuzen die ruhenden Bildräume, die zu Auffangvorrichtungen für die Wurfgeschosse werden, bevor sie den Endpunkt ihrer Flugbahn erreichen.

Verhältnis zwischen Fotografie und Film

Eine Stimme aus dem Off begleitet den Flug der Blusen und Röcke im ehemaligen Londoner Textilviertel und reflektiert den Process of Shaping an Idea into Form through Mental Modelling: das Verhältnis zwischen Fotografie und Film, den Augenblick im Unterschied zur Dauer, sowie den Akt der Umsetzung zwischen Kalkül und „Unknown Knowns“.

Parallele zur Materialisierung von künstlerischen Ideen

Denn so konturiert die textilen Skulpturen in den Fotografien sind, so viele Faktoren wie Beschleunigung, Luftwiderstand, Schwerkraft etc. beeinflussten ihre Gestalt. In diesem Prozess sieht Micheli eine Parallele zur Materialisierung von künstlerischen Ideen: „I have a mental model but I do not know what the final picture will look like“, heißt es aus dem Off.

Mit dem Spiel an der Grenze zwischen Fotografie und Film wird unweigerlich ein Konkurrenzverhältnis der beiden Medien angedeutet, der Gedanken, dass jeder Fotografie letztlich ein „Film“ vorausgeht, liegt nahe.

Jahr 2015 das Staatsstipendium für künstlerische Fotografie

Micheli Sissa wurde 1975 in Bruneck in Italien geboren. Sie studierte von 2000 bis 2002 an der Schule Friedl Kubelka für künstlerische Fotografie in Wien und absolvierte in den Jahren 2002 bis 2007 ihr Diplomstudium an der Akademie der bildenden Künste Wien bei den Professoren Franz Graf, Gunther Damisch und Matthias Herrmann, das sie mit Auszeichnung abschloss.

Sissa Micheli erhielt mehrere Preise und Stipendien, darunter 2008 den Preis der Akademie in Wien und den Premio Pagine Bianche d'Autore, Mailand, in den Jahren 2009 und 2013 das Atelierstipendium London und Paris des BKA sowie im Jahr 2015 das Staatsstipendium für künstlerische Fotografie.

2016: „Künstlerin des Jahres“

Vergangenes Jahr wurde sie mit dem Preis „Künstlerin des Jahres“ des Südtiroler Künstlerbunds und des HGV ausgezeichnet. Sie verzeichnet zahlreiche nationale und internationale Einzel- und Gruppenausstellungen und ist in öffentlichen und privaten Sammlungen vertreten.

Sissa Micheli lebt und arbeitet in Wien.

stol

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