„Die Fotografie ist eine heimelige Kunst. Sie holt das Fremde aus aller Welt in den vertrauten Rahmen eines Bildes. Sie lässt die Ausmaße des Wirklichen ohne dessen Unannehmlichkeiten erahnen.Die Fotografie ist eine unheimelige Kunst. Sie kümmert sich gleichermaßen um die Bewahrung und Veröffentlichung des Vertrauten wie um die Eroberung und Vermessung des Unvertrauten, Neuen und Fremden.“Käthe Hager von Strobele verarbeitet diese Charakterzüge der Fotografie zu Bildern und Installationen, in welchen sich die Vielschichtigkeit des Mediums Fotografie mit jener traumwandlerischen Sicherheit verbindet, in welcher die Künstlerin und Kuratorin ihre Objekte setzt und fotografische Räume inszeniert. Geübt darin, die dokumentarische Direktheit der zeitgenössischen Fotografie mit einem feinen Sinn für Dialektik in Beziehung zu setzen, ordnet die 29-Jährige in der Ausstellung „leftover“ die Konturen von abwesenden Körpern in vorgefundenen Räumen.Die Absolventin der Akademie der bildenden Kunst in Wien erweist sich in dieser Zusammenstellung von Fotografie, Raum- und Videoinstallation als Verfechterin einer künstlerischen Praxis, die den Ausdruck menschlicher Existenz an den Überbleibseln, den zurückgelassenen Spuren von Gebräuchen und Verwendungen untersucht.Um dieser Flüchtigkeit der Körper entgegenzutreten und dem Verschwinden Einhalt zu gebieten, verlässt sich Hager von Strobele nicht allein auf die konservierende Kraft der Fotografie. Der menschliche Blick durchdringt stets leere Räume um an jene Oberflächen anstoßen zu können, aus denen die Ausdehnung des Ortes entsteht, den wir Wirklichkeit heißen.In „leftover“ erhalten diese Räume materielle Realität: Hinter Glas gesetzt, hängen die Fotografien eingekleidet von Glasvitrinen, wie Relikte in historischen Museen. Hier herrschen Ordnungen wie in jedem Alltag: die Farben und Texturen der Umgebungen lassen Verwandtschaft mit den Mustern und Schnitten der Kleidungsstücke erkennen. Volumina, welche die Kleider zu Skulpturen werden lassen, treten in Resonanz mit der Menschenleere des Raums, der sie umgibt. Und doch quillt aus diesen strukturalen Verwandtschaften nicht nur Einklang und Übereinstimmung hervor - hier tritt das Unheimliche auf die Bühne.Als ob Dinge denken und die ihnen beigebrachten Haltungen erinnern würden, erzählt „leftover“ auf fotografischen Oberflächen von einer Lebendigkeit des Unwirklichen, die tiefer sehen und erkennen lässt, als es der flüchtig wirkliche Moment je könnte.Eröffnet wird „leftover“ am Dienstag, 23. Februar (19 Uhr). Von 24. Februar bis zum 20. März ist die Ausstellung von dienstags bis freitags von 10 bis 12 Uhr bzw. von 15 bis 19 Uhr zugänglich, an Samstagen von 10 bis 12.30 Uhr.______LEFT OVERSerie aus 16 FotografienLambda C-Print, hinter Glas mit Glaskastenvariable Größen: 24 x 30 cm, 34 x 42 cm, 58 x 71,5 cmUNE PETITE HISTOIRE DE LA MODESerie 1, Photo-CollageLambda C-Print, Inkjet-Print29,7 x 42 cmBiografie: Käthe Hager von StrobeleGeboren 1981 in Bozen (Südtirol). Studierte Kunst und Fotografie an der Akademie der Bildenden Künste Wien (Mag.a art.) und Philosophie an der Universität Wien (Mag.a phil.). Praxiserfahrung im künstlerischen Ausstellungsbereich durch die Zusammenarbeit mit anderen Künstlerinnen in zahlreichen Gruppenausstellungen. Erster kuratorischer Versuch als Künstlerin in ihrer Einzelausstellung „Changing Clothes - Changing Room“ im Frauenmuseum Meran (2008). Profilbildung an der Schnittstelle von Theorie und Praxis mit Hilfe der Praktika bei dem Fotografen Alessio Cocchi in Mailand, im Filmarchiv des Filmmuseums Wien und der Arbeit als Studienassistentin im Bereich Gender Studies bei Dr. Doris Guth.Auslandsstipendium für „künstlerische Fotografie“ des österreichischen Bundeskanzleramtes für Unterricht, Kunst und Kultur in Paris (2009). Teilnehmerin des Masterlehrgangs für Ausstellungstheorie- und praxis an der Universität für Angewandte Kunst Wien.