Donnerstag, 04. Mai 2017

Große Kunst kurz im Passeiertal zu Besuch

In den letzten Monaten des Zweiten Weltkrieges war Südtirol Aufbewahrungsort für einige herausragende Meisterwerke der Kunstgeschichte. Foto Forum, die Südtiroler Gesellschaft für Fotografie, hat den Fotos die den Verbleib dieser Kunstwerke in Südtirol dokumentieren, nun in Bozen eine Ausstellung gewidmet.

Die Fotografie zeigt Carlo Dolcis "Madonna col Gesù Bambino" aus dem Palazzo Pitti in Florenz, in St. Leonhard in Passeier. -  Foto: Foto Forum
Die Fotografie zeigt Carlo Dolcis "Madonna col Gesù Bambino" aus dem Palazzo Pitti in Florenz, in St. Leonhard in Passeier. - Foto: Foto Forum

Von August 1944 bis Mai 1945 wurden mehrere hundert Gemälde und Skulpturen aus den Uffizien und anderen Florentiner Museen, darunter Werke von Michelangelo, Raffael, Tizian, Lukas Cranach, Botticelli, Donatello, Caravaggio, Lorenzo Lotto, Tintoretto, Roger van der Weyden, Albrecht Dürer und Rembrandt von der Abteilung „Deutscher militärischer Kunstschutz“ in Italien in das ehemalige Gerichtsgebäude in St. Leonhard in Passeier und den Ansitz Neumelans in Sand in Taufers verfrachtet.

37 Lkw-Ladungen voll Kunst

Die abgelegenen Orte in der Operationszone Alpenvorland galten den nationalsozialistischen Kunstexperten als vergleichsweise sichere Unterbringungsmöglichkeiten vor den täglich näher rückenden Angriffen der Alliierten.

Insgesamt 37 Lkw-Ladungen mit Kunstwerken hohen und höchstens Ranges wurden in der Zeit vom 8. August bis 9. September 1944 vom „Kunstschutz“ aus der Toskana nach Südtirol verfrachtet. Bis auf wenige Ausnahmen wurden die Werke nach dem Zusammenbruch des Deutschen Reiches von den Amerikanern sichergestellt und im Juli 1945 nach Florenz zurücktransportiert.

Raub oder Schutz der Kunst?

Waren die Depots Zwischenspeicher des organisierten Kunstraubs im Auftrag von Nazi-Größen oder waren die Aktivitäten des Kunstschutzes Rettungsmaßnahmen für die unermesslichen Kunstschätze und Kulturgüter Italiens? Die Historiker beurteilen diese Frage bis heute kontrovers: Deutsche Historiker betonen eher die Rettungsleistung, italienische und amerikanische hingegen beklagen Verluste, Unterschlagung und Raub wertvoller Kulturgüter.

Der systematische Kunstraub beispiellosen Ausmaßes durch die Nationalsozialisten – Beutekunst-Forscher schätzen, dass in den eroberten Gebieten drei bis fünf Millionen Kunstgegenstände gestohlen wurden – legt den Verdacht zumindest nahe.

Die Termine:

Die Ausstellung „Adam und Eva in Südtirol. Kunstschätze aus Florenz während des Zweiten Weltkrieges in Südtirol“ zeigt auf der Basis von Foto- und Filmmaterial aus den National Archives in Washington die teils dramatische Unterbringung und Sicherstellung der Werke in den Depots von St. Leonhard in Passeier und im Ansitz Neumelans in Sand in Taufers.

Sie läuft vom 10. Mai bis zum 17. Juni im Foto Forum in der Bozner Weggensteinstraße. Vernissage wird am 9. Mai gefeiert.

wh/stol

stol