Jetzt ist die Raiffeisen Kunstsammlung um einige Werke reicher, angekauft wurde Kunst von Arnold Mario Dall’O, Christian Piffrader, Christine Gallmetzer, Claudia Barcheri, Irene Hopfgartner, Johannes Bosisio, Jörg Reissner, Karin Ferrari, Martin Kargruber, Michael Strasser, Sophie Eymond. Dazu kommt das Werk des Förderpreisträger 2024, ein Gespräch mit Niklas Heiss. <b>Von Eva Gratl</b><BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1093908_image" /></div> <BR /><BR />Es ist eine Kunstsammlung mit Profil, die vor allem auch zukunftsweisende Arbeiten ankauft. Das Auftragswerk von <Fett>Niklas Heiss</Fett>, Förderpreisträger 2024, das nun in der Schau präsentiert wird, unterstreicht: Die Vergangenheit ist nicht tot, sie kann, wenn ein Künstler den Blick dafür hat, belebt werden. Mit besonderer Sensibilität ist Niklas Heiss in seinem Werk ein Dialog mit Geschichte, seiner eigenen Herkunftsbiografie und Kunst, sowie Architektur und Baugeschichte gelungen und er ergänzt die Reihe der prominenten Förderpreisträger.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1093911_image" /></div> <BR /><BR /><b>Sie sind Architekt, wie sehr beeinflusst dieser Beruf Ihre künstlerische Praxis?</b><BR />Niklas Heiss: Als Architekt untersuche ich das Verhältnis eines Gebäudes zur Topografie und zum Material des Bauplatzes, setze mich mit dem Gebrauch von Räumen auseinander und leite daraus Konstruktionen ab. Die Beziehung zwischen Struktur und Funktion, sowie Baugrund und Baustoff kennzeichnen auch mein plastisches und zeichnerisches Projekt. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1093914_image" /></div> <BR /><BR />Meine Entwürfe kreisen um Beobachtungen und Funde zu 2 Kellerhäusern mit angrenzendem Acker in der Brixner Kachlerau: einem Weinkeller und einem Eiskeller. Bei den Speicherbauten handelt es sich um mein Elternhaus. Nach dem Studium der Architektur in Wien kehrte ich wieder zurück nach Brixen, um die Häuser weiter zu erforschen, um sie zu pflegen und sie zu ergänzen.Die Auseinandersetzung mit den Phänomenen der Kellerhäuser resultierte in den letzten Jahren zu einer großen Sammlung an Entwürfen für Geräte, Bauteile und Gebäude. Bestimmend für die Gestalt der Werke ist ihre Beziehung zum Ort und die Konzentration auf Fragen und Themen der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft: Wasser, Licht, Luft, Erde, Stein, Kühlung, Energie, Industrie, Behälter, Wein.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1093917_image" /></div> <BR /><BR /><b>Ihr Interesse liegt „im Zusammenwirken von Struktur, Stofflichkeit und Kolorit“. Sie wurden für ein Auftragswerk der Raiffeisen Sammlung ausgewählt. Wie finden wir diese Aspekte in Ihrem Werk?</b><BR />Heiss: Die Plastik umfasst 3 Bestandteile: Die Dauben aus Eichenholz, das Gestell aus Stahl und den Lehm, der die Fugen zwischen den Holzteilen füllt. 17 gewölbte Bretter bildeten den Innenraum des Fasses, die nun aneinander gereiht neu gesetzt werden und eine Wanne formen. Zwei in Längsrichtung gesetzte Handläufe bilden das Bindeglied zwischen den Segmenten. Die Konstruktion kombiniert vorindustrielle mit industriellen Elementen. <BR /><BR />Die neue Gestalt ist wesentlich dadurch bestimmt, dass ein Rückbau in die Ursprungsform möglich bleibt. Die Dauben wurden mit größter Vorsicht in die geplante Gesamtkonstruktion eingefügt: dünne Nägel und Heftklammern aus Stahl waren notwendig, um zwischen den Fugen Armierungen aus Flachs zu spannen. Das Netz trägt den Lehm. Der Lehm bedeckt jene Flächen wieder, die durch das Zerlegen der Ursprungskonstruktion sichtbar wurden. Eiche und Lehm bilden nun eine Einheit, die die Kernaufgabe der Konstruktion (das Speichern von Flüssigkeit) konserviert – im Zuge des Umbaus haben sich mir der Wert des Materials und die Meisterschaft des unbekannten Fassbinders erschlossen.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1093920_image" /></div> <BR /><BR /><b>In Ihrem Werk werden die Dauben, die für den Fassbau verwendet werden, künstlerisch verfremdet. Begleitend präsentieren Sie auch Zeichnungen. Wie kamen sie auf diese Idee?</b><BR />Heiss: Die Baugeschichte der Kellerhäuser in Brixen bildet das gedankliche Grundgerüst für das Projekt „Daubenwerk“, in dem ich auf die Gründungsgeschichte der Raiffeisen Landesbank zu reagieren versuche: Friedrich Wilhelm Raiffeisen war als Bürgermeister einer Gemeinde im Westerwald mit der Not der Bauern, Arbeiter und Handwerker täglich konfrontiert und sah die Lösung der gravierenden wirtschaftlichen und sozialen Probleme in seinem Wirkungskreis als sein wichtigstes Ziel an. Als die Raiffeisenkasse im Jahre 1894 gegründet wurde, dienten die Speicherhäuser bereits seit 170 Jahren als Wein- und Eiskeller für den Gasthof „Zum Elephanten“, der als Vorreiter für die Förderung der Landwirtschaft im Brixner Raum wirkte. Seit Ende des 19. Jahrhunderts regten Anbaupläne für Äcker und Wiesen, Sortenvielfalt im Obstbau und die Silowirtschaft die Entwicklung der Landwirtschaft nachhaltig im Eisacktal an.Im Jahr 2018 begann ich erstmals mit der Transformation der vorindustriellen Weinfässer aus den Kellern. Im Zuge meiner Diplomarbeit an der TU Wien fertigte ich zahlreiche Zeichnungen für ein neues Gebäude, das neben dem bestehenden Wein- und Eiskeller entstehen sollte. Auf der Suche nach einer angemessenen Strategie zur Ergänzung der historischen Bausubstanz nutzte ich das Relikt aus den Kellern des viergeschossigen Speicherbaus und griff dessen Strukturen auf. Im vergangenen Jahr begann ich, das gefundene Holzfass als konkretes Bauteil in meine Idee zu integrieren. Ergebnis dieser Reflexion war kein Gebäude mehr, sondern ein Objekt.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1093923_image" /></div> <BR /><BR /><b>Rückblickend auf Ihre Kindheit: Wann haben Sie die besondere Begabung und Liebe zur Kunst entdeckt?</b><BR />Heiss: Ich kann mich über sehr lange Zeiträume mit einer Zeichnung oder einer Plastik befassen. Als Kind war die Suche nach dem perfekten Dinosaurier, den ich von Blatt zu Blatt wiederholt habe eine ernst zu nehmende Herausforderung. Das Spielen, Sortieren, Ordnen, Fantasieren, Wiederholen, Sammeln von Bausteinen hat mich immer beruhigt und kreative Energie aufgebaut. Ich fühle mich noch heute in meiner inneren Welt sehr wohl.<BR />Ich wollte immer ein guter Zeichner werden und habe vor 10 Jahren beschlossen, das Zeichnen täglich zu üben. Während des Studiums habe ich begonnen, mich intensiv mit Architekten und Bildhauern zu befassen, die die Zeichnung als wichtiges Entwurfswerkzeug in ihre Arbeit integrieren. Die Grafiken von Carlo Scarpa, Walter Pichler, Raimund Abraham, Francesca Torzo oder Bruno Gironcoli ergreifen mich. Betrachte ich die Konstruktionen, die ich in den vergangenen Jahren gezeichnet und gebaut habe verstehe ich, dass ich mich beim Entwerfen in eine kindliche Naivität zurückversetze und sie mit den Fragen eines 33-jährigen besetze. Die Zeichnungen befassen sich nicht ausschließlich mit dem Thema des Bauens – oft erkunde ich Fragen existenzieller oder menschlicher Natur.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1093926_image" /></div> <BR /><BR /><b>Nachhaltiges Bauen und der Fokus auf die Umwelt sind Ihnen als Architekt ein großes Anliegen. Welche weiteren künstlerischen Projekte dürfen wir erwarten?</b><BR />Heiss: Neben zahlreichen Entwürfen für Plastiken saniere ich seit mehreren Jahren einen 300 Jahre alten Eiskeller in Brixen. Im Erdgeschoss dieses Hauses wurde im 18. Jahrhundert eine tiefe Eisgrube aus Flusssteinen errichtet, die mit Eis aus dem 8 km nördlich gelegenen Vahrner See gefüllt wurde. Das Zusammenwirken von Raumvolumen, topografischer Lage und Orientierung des Eiskellers schuf auf natürlichem Weg Konditionen, die das Konservieren von Lebensmitteln über einen langen Zeitraum ermöglichten. Ich möchte die ehemalige Eisgrube mit einem Lehmboden ausstatten, die Öffnung mit einem Trägerboden horizontal abschließen und den Raum über eine Luke neu erschließen. Die Funktion des „historischen Eisschrankes“ ist noch unklar – vielleicht gelingt es mir dort einen kühlen Kopf zu bewahren.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1093929_image" /></div> <BR /><BR /><b>Vernissage:</b> 7.11., 18.30 Uhr, SKB ARTES Bozen, zu sehen bis 16.11. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1093932_image" /></div> <h3> Zur Person Niklas Heiss</h3>Der Künstler wurde 1991 in Brixen geboren und absolvierte ein Architekturstudium an der TU in Wien. Seit 2017 arbeitet er als freischaffender Architekt in Brixen und ist auch als freischaffender Künstler an Zeichnungen, Plastiken und Räumen tätig. Er nahm an zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland teil und wurde mehrfach ausgezeichnet, 2024 nun mit dem Förderpreis der Raiffeisen Landesbank.<Rechte_Copyright></Rechte_Copyright>