Ihr Onkel und ihre Mutter haben sie dazu bewogen, Künstlerin zu werden, und Schönheit ist für sie subjektiv. Sie macht das Leben lebenswert.<BR /><BR /><BR /><b>Können Sie sich an Ihr erstes Werk erinnern, das Sie erschaffen haben?</b><BR />Sissa Micheli: Das ist Definitionssache. Was ich persönlich als mein erstes Werk betrachte, ist die Fotoserie mit dem Titel „PLEASE DON’T TELL ANBODY“ aus dem Jahr 2003. Ich habe mich im Haus meiner Großmutter fotografiert und dabei Kindheitserfahrungen mit Märchenelementen, die auf Initiationsriten hinweisen, gemischt und mich dabei an die Bildkomposition und an das Chiaroscuro der flämischen Malerei angelehnt. Wie Filmstills aus einem Kurzfilm reihen sich die Bilder zu einer Geschichte aneinander. Entscheidend ist dabei, dass zwischen den einzelnen Bildern auf der narrativen Ebene genügend Platz ist, damit jede und jeder ihn wiederum mit Stills aus seinem/ihrem eigenen (Gedanken-)Film füllen kann. Der Titel wendet sich vertrauensvoll an den Rezipienten oder die Rezipientin wie Zeilen aus einem Popsong.<BR /><BR /><BR /><b>Welches Werk/Mensch/… hat Sie bewogen, diesen Weg einzuschlagen?</b><BR />Micheli: Inspiriert haben mich bestimmt mein Onkel Ivo Barnabò, Grenzgänger und Filmemacher, der ein bewegtes und interessantes Leben führte und meine Mutter, die malte. Allerdings haben mir beide mehr oder weniger vom Leben eines Künstlers abgeraten.<BR /><BR /><BR /><b>Gibt es ein Ereignis, das Ihr Weltbild total verändert hat?</b><BR />Micheli: Da gibt es viele Ereignisse, die an mir gerüttelt haben. Ich war bereits früh mit meiner Endlichkeit konfrontiert. Als meine Mutter in meiner Jugendzeit schwer erkrankte, wusste ich, dass uns nur eine beschränkte Zeit gegeben ist und wir das Beste daraus machen sollten. <BR />Danach drehte sich alles um den Gegensatz Fremdbestimmung versus Selbstbestimmung, Skepsis versus Urvertrauen.<BR /><BR /><BR /><b>Mehr denn je hat sich in dieser Zeit gezeigt, dass die Gesellschaft Kultur braucht, weil…</b><BR />Micheli: ...wir nicht nur aus Körper und Verstand bestehen. Was wäre denn das Leben ohne Musik, ohne bildende Kunst? Für mich wäre es nicht lebenswert. Für Sie? <BR /><BR /><BR /><b>Wer ist für Sie der bedeutendste Künstler der Geschichte?</b><BR />Micheli: Diese Mystifizierung von einzelnen Künstlern findet nur in der Kunstgeschichte statt. Ernstzunehmende Künstler rezipieren sie nicht nur, sondern hinterfragen sie. Pluralität ist dabei alles. Die Vielfalt von Aspekten in der Kunst finden sie also nicht nur bei Künstlern vergangener Zeiten, sondern auch im Diskurs mit zeitgenössischen <BR />Künstlerfreunden, die sie zu schätzen wissen. <BR /><BR /><BR /><b>Welche Frage würden Sie ihm/ihr gerne stellen?</b><BR />Micheli: Das würde sich im Gespräch ergeben.<BR /><BR /><BR /><b>Was bedeutet für Sie Schönheit?</b><BR />Micheli: Schönheit ist subjektiv, das ist gewiss. Sie macht das Leben lebenswert.<BR /><BR /><BR /><b>Der französische Poet Théophile Gautier prägte den Begriff „L’art pour l’art“ (Kunst der Kunst willen) und machte so 1835 erstmals die Kunst selbst zum Thema. Einen Luxus, den man sich heute noch leisten kann?</b><BR />Micheli: Wie kann Kunst jemals Luxus sein? Kunst um der Kunst Willen ist ein Statement! Sie erhebt sich über alles, anstatt sich in den Dienst zu stellen. Es geht also nicht ums leisten können, sondern ums leisten wollen. Kunst ist ein Parameter des kulturellen Zeitgeistes, eine Wertigkeit, eine Lebenseinstellung – egal zu welchen Zeiten. <BR /><BR /><BR /><b>Und was würden Sie gerne einmal einem Kunstkritiker sagen?</b> Micheli: Wechseln Sie Ihren Standpunkt und blicken sie mehr in die Tiefe, befassen Sie sich intensiver mit den Arbeiten, reden Sie mit den Künstlern, besuchen Sie ein Atelier...<BR /><BR /><BR /><b>Wo sehen Sie sich in 5 Jahren?</b><BR />Micheli: Dort, wo ich meinen Fokus hin gelegt habe.<BR /><BR /><BR /><b>Harmonie bedeutet für mich…</b><BR />Micheli: ...mir selbst treu zu sein.<BR /><BR /><BR /><b>Mein Ort der Harmonie ist…</b><BR /> Micheli: Die Natur.<BR /><BR /><BR /><b>Die „Whos“ der Künstlerin…</b><BR /><BR /><BR /><b>Name:</b> Sissa Micheli<BR /><b>Beruf:</b> Künstlerin<BR /><b>Alter:</b> 46<BR /><b>Geburtsort:</b> Bruneck<BR /><BR /><BR /><b>Wo Sie schon überall gelebt haben:</b> Bruneck, Wien, London, Edinburgh, Paris, New York, Bologna, Catania <BR /><BR /><BR /><b>Wo Sie jetzt leben:</b> Wien <BR /><BR /><BR /><b>Wie war Ihr Werdegang zur Künstlerin:</b> Über Umwege<BR /><BR /><BR /><b>Was haben Sie studiert:</b> Anglistik-und Amerikanistik, Französisch, Italienisch, Fotografie und Bildende Kunst<BR /><BR /><BR /><b>Wo Sie schon überall ausgestellt haben:</b> in verschiedenen Museen, Galerien und Messen im In-und Ausland