Die Faszination für Kunst hat ihr die Mutter schon als kleines Kind mit auf den Weg gegeben. Sie ist überzeugt, dass Kunst manchmal sichtbar machen kann, was ein Text nicht kann und Schönheit keinem Ideal entspricht, bzw. sollte es kein Maß geben, das Schönheit bestimmt. <BR /><BR /><b>Können Sie sich an Ihr erstes Werk erinnern, das Sie gemalt haben?</b> Sophie Lazari: Ich kann mich kaum erinnern, was mein erstes Werk war. Ich habe sehr früh begonnen, mich kreativ zu beschäftigen. Allerdings musste ich mit sieben im Religionsunterricht einmal einen heiligen Martin zeichnen, dafür habe ich sehr viel Lob bekommen, vor allem das Pferd ist mir erstaunlich gut gelungen. <BR /><BR /><b>Welcher Mensch hat Sie bewogen, diesen Weg einzuschlagen?</b> Lazari: Meine Eltern haben mich immer gefördert und unterstützt und mich in Tanzschulen, in die Musikschule, zu Zeichenkursen geschickt. Meine Mutter hat mich schon als Kind immer ins Museum mitgenommen und mir die Faszination für die Kunstgeschichte mitgegeben, das hat mich natürlich beeinflusst. Aber es ist eine persönliche Entscheidung, und hätte ich nicht an mich und meine Kunst geglaubt, wäre ich mir nicht treu geblieben, hätte das alles nicht funktioniert. <BR /><BR /><b>Gibt es ein Ereignis, das Ihr Weltbild total verändert hat?</b><BR />Lazari: Dem Zeitgeist entsprechend: Corona. Die Krise verändert für uns alle das Weltbild. Es nimmt die Hoffnung, die Gemeinschaft, die Kultur. Die Welt war vor der Krise schon korrupt: Jetzt wird es sichtbar. Jetzt, wo die Menschen mehr und mehr Zeit vor den Bildschirmen verbringen, ihre Jobs verlieren und Überwachungskapitalismus zur Realität wird, rücken patriarchale Machtstrukturen umso mehr in den Vordergrund. <BR /><BR /><b>Mehr denn je hat sich in dieser Zeit gezeigt, dass die Gesellschaft Kultur braucht, weil…</b><BR />Lazari: … Ästhetik, Licht und Musik die Wahrnehmung und Athmosphäre im Raum total verändern können. Außerdem kann Kunst manchmal sichtbar machen, was ein Text nicht kann. Vor allem aber finde ich jetzt, wo wir auf vieles verzichten müssen, wäre es das Schlimmste, hätten wir nicht manchmal die Möglichkeit, die Lautstärke auf 100 zu schalten um sich kurz von der Realität abzukapseln. <BR /><BR /><BR /><b>Wer ist für Sie der bedeutendste Künstler der Geschichte?</b><BR />Lazari: Schwierige Frage, ich liebe die Kunst der Romantik, Caspar David Friedrich, Johann Heinrich Füssli… – jedoch hängt es immer davon ab, in welcher Phase ich mich selbst gerade befinde. Gerade finde ich die Kunst von Monica Bonvicini besonders faszinierend.<BR /><BR /><b>Welche Frage würden Sie ihr gerne stellen?</b><BR />Lazari: Ich würde sie Fragen, wie sie als Frau in der Kunstwelt mit Themen wie Gender-Pay-Gap, Patriarchale Konstrukte und dem Kunstmarkt zurechtkommt. <BR /><BR /><b>Was bedeutet für Sie Schönheit?</b><BR />Lazari: Wenn ich sage, „schön“, heißt das nicht unbedingt, dass etwas ästhetisch sein muss, es ist immer subjektiv. „Schön“ im Auge der Allgemeinheit ist die Venus von Botticelli. Ich finde zum Beispiel die Blutbilder von Hermann Nitsch schön. Es gibt gewisse Materialien, die ich schön finde, Marmor zum Beispiel, weil er so kalt ist. Schön ist auch, wenn Maria Callas Puccini singt. Ich finde Schönheit kann auch brutal, düster, melancholisch sein. Vor allem sollte Schönheit keinem Ideal entsprechen, oder es sollte kein Maß geben, das Schönheit bestimmt. <BR /><BR /><b>Der französische Poet Théophile Gautier prägte den Begriff „L’art pour l’art“ (Kunst der Kunst willen) und machte so 1835 erstmals die Kunst selbst zum Thema. Einen Luxus, den man sich heute noch leisten kann?</b><BR />Lazari: Ich, als Gestalterin, bin bei solchen Aussagen immer etwas kritisch: Ich verstehe nicht manche Kunstwerke, die unglaublich wertvoll und teuer sind, aber im Endeffekt nur eine Leinwand mit ein paar Farbspritzern darstellen. Ich beschäftige mich in meiner Arbeit mit gesellschaftlichen Problemen und Konstrukten, versuche diese aufzuarbeiten, um eine Aussage zu treffen, um durch Gestaltung Probleme zu lösen. Die Kunst kann viel mehr, als einfach nur „da“ zu sein und „Kunst“ zu sein – ja, die Kunst muss nicht, meiner Meinung nach sollte sie aber, weil sie kann. Künstler und Künstlerinnen dürfen provozieren oder zum Nachdenken anregen, Dinge tun, die in der Politik oder im öffentlichen Sektor Tabu sind. Ich finde die Zeiten haben sich verändert, somit auch die Aussage in der Kunst. <BR /><BR /><b>Und was würden Sie gerne einmal einem Kunstkritiker sagen?</b><BR />Lazari: Kommt ganz darauf an, wer das wäre, aber ich würde mich wahrscheinlich bedanken: Es ist manchmal schwer, mit eigenen Worten das eigene Werk zu beschreiben und interpretieren.<BR /><BR /><b>Wo sehen Sie sich in 5 Jahren?</b><BR />Lazari: Ich sehe mich als selbständige und starke Frau in meinem eigenem Tattoostudio. <BR /><BR /><b>Harmonie bedeutet für mich…</b><BR />Lazari: Symmetrie, Ruhe, Ausgeglichenheit. <BR /><BR /><b>Mein Ort der Harmonie ist…</b><BR />Lazari: Die Tanzfläche! Seit die Clubs geschlossen haben, sehne ich mich so sehr, wieder mal ordentlich die Tanzfläche zu stürmen. Das ist ein befreiendes Gefühl, das mich in Harmonie bringt. <BR /><BR /><b>Die „Whos“ des Künstlers…</b><BR /><b>Name:</b> Sophie Lazari<BR /><b>Beruf:</b> Tattookünstlerin, Illustratorin, Projektkoordination & Kuration, Grafikerin<BR /><b>Alter:</b> 24<BR /><b>Geburtsort:</b> Bologna<BR /><BR /><b>Wo Sie schon überall gelebt haben:</b> Bologna, Kaltern, Rom, Berlin, Paris<BR /><BR /><b>Wo Sie jetzt leben:</b> Berlin<BR /><BR /><b>Wie war Ihr Werdegang zur Künstlerin:</b> Ich wollte schon als Kind Kunst machen, habe viele Kurse im kreativen Bereich belegt (ua. Klavier gespielt bei Gertrud Bonatta, Theater bei Giuliana Lanzavecchia). Nach dem Abschluss im Kunstlyzeum in Bozen habe ich mich an der UDK in Berlin beworben und von da aus angefangen, mehr im Bereich der Gestaltung zu arbeiten. Seit 2020 bin ich Mitglied im Südtiroler Künstlerbund. <BR /><BR /><b>Was haben Sie studiert:</b> Ich studiere (noch) Visuelle Kommunikation an der Universität der Künste in Berlin (Illustration bei H.Wagenbreth, Grafik bei F. Hickmann) <BR /><BR /><b>Wo haben Sie schon überall ausgestellt:</b><BR />“Marking Territory“ , Respace Gallery, Berlin<BR />“Hospiz“, Neumarkt<BR />“Galerie der Einheit“, Potsdam<BR />“Artigathome“, Galerie Prisma, Bozen<BR />“Metropole der Nacht“, Rotes Rathaus, Berlin<BR />“Trashspotting“, Lanserhaus, Eppan<BR />“Scar Tissue“, Barbiche, Berlin<BR />“Berliner Kneipen“, SVP-Haus, Berlin<BR />“Pornceptual“, Alte Münze, Berlin<BR /><BR />