Die Schau „Invisible walls“ widmet sich einem mehr als aktuellen Thema, es geht um Mauern, Grenzen, auch die vielgepriesene EU, wo heuer Wahlen stattfinden, ist angesprochen. Von Eva Gratl<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1009328_image" /></div> <BR /><BR /><b>Mit welchen Visionen und auch Wünschen sind Sie als neue Kuratorin der StadtGalerie Brixen an diese neue Aufgabe herangetreten?</b><BR />Linea Streit: Ich freue mich sehr auf die Aufgabe, 2024 fünf Ausstellungen für die StadtGalerie Brixen zu kuratieren. In den letzten Jahren durfte ich von Nordtirol aus immer wieder in die hiesige Kunstszene hineinschnuppern – nun bietet sich die Gelegenheit, tiefer einzutauchen und die Künstlerinnen und Künstler Südtirols persönlich kennenzulernen. Ich will die Zeit nutzen, um spannende Werke nach Brixen zu bringen. Gleichzeitig werde ich Kontakte mit Kunstschaffenden und Kooperationspartneren, die ich hier knüpfe, natürlich auch mit zu meinen nächsten beruflichen Stationen nehmen. Darin sehe ich eine große Chance, sowohl für die Künstlerinnen hier vor Ort als auch für mich.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1009331_image" /></div> <BR />Besonders angesprochen hat mich an der StadtGalerie auch ihre zentrale Lage, direkt unten im Rathaus und sowohl von den Lauben als auch vom Domplatz aus zugänglich. Viele Brixner nutzen die Galerieräume als Durchgang. Ich finde es schön, dass so Menschen in Kontakt mit den Kunstwerken kommen, die sonst vielleicht nicht in die Ausstellung kämen. So kann ein neuer Dialog entstehen. Mein Wunsch wäre, dass die StadtGalerie sich noch weiter hin zu einem Ort für Begegnungen entwickelt. Die Arbeit „Stellwerk“ von <Fett>Stefan Alber</Fett>, die Teil der ersten von mir kuratierten Ausstellung ist, besteht aus einem Tisch und zwei Hockern, die man auch benutzen darf. Bei der Eröffnung hat das schon sehr gut funktioniert: Die Besucherinnen haben sich drum herum versammelt, in den dort aufliegenden Katalogen geblättert oder saßen sich sogar in Gespräche vertieft gegenüber.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1009334_image" /></div> <BR /><BR /><b>Sie haben nach dem Duo Rainer-Bergmeister die Leitung allein übernommen. Sehen Sie darin auch Vorteile?</b><BR />Streit: Beides hat sicherlich seine Vorteile. Auch wenn ich die StadtGalerie allein leite, ist für mich der Austausch sehr wichtig – mit den Künstlerinnen, Kollegen, anderen kulturellen Akteurinnen der Stadt sowie der Region, Experten für bestimmte Themen etc. Ganz allein in einem stillen Kämmerchen könnte ich nicht arbeiten. So wie es häufig die Kunst tut, reagiere auch ich in meinen Ausstellungen auf meine Umgebung. Andererseits fallen, wenn man allein verantwortlich ist, Abstimmungsprozesse weg und es ist manchmal einfacher, Entscheidungen zu treffen.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1009337_image" /></div> <BR /><BR /><BR /><b>Die neue Ausstellung „Invisible walls“ gibt ein gesellschaftliches Thema vor. Wird dies auch Schwerpunkt des Jahresprogramms sein?</b><BR />Streit: Invisible Walls nimmt die Wahl zum europäischen Parlament, die im Juni ansteht, zum Anlass, darüber nachzudenken, nach welchen Werten wir in der EU und Europa zusammenleben und wie wir diese Ideale auch an unseren Grenzen umsetzen möchten. Gesellschaftliche Themen werden den Besuchern in jedem Fall noch öfter begegnen in den Ausstellungen diesen Jahres und es werden immer wieder rote Fäden auftauchen, die die Präsentationen miteinander verbinden. Wichtig für mich ist dabei, dass die Themen nicht auf rein abstrakter, theoretischer Ebene verhandelt werden, sondern es Anknüpfungspunkte an Bekanntes und unseren Alltag gibt. Neben Beziehungen zwischen Menschen wird dabei auch unsere Beziehung zur Natur und den Tieren eine Rolle spielen, so zum Beispiel in den Arbeiten von <Fett>Nora Gutwenger</Fett> und <Fett>Angelika Wischermann</Fett>, die ich ab November in meiner letzten Ausstellung des Jahresprogramms zeige. Für die zweite Ausstellung habe ich <Fett>Fabian Feichter</Fett> eingeladen, eine Installation zu entwickeln, die auch während des Water Light Festivals zu sehen sein wird. Bei ihm wird das Festivalthema Wasser in Form von Nebel auftauchen und Assoziationen aufmachen, die von landenden Flugzeugen bis hin zu verschwimmenden Erinnerungen reichen.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1009340_image" /></div> <BR /><BR /><BR /><b>Stefan Alber, Hannes Egger, Flo Kasearu, Letizia Romanini, Johanna Tinzl & Stefan Flunger sind die Künstler und Künstlerinnen, die sich diesem Thema mit unterschiedlichen Werken widmen. Wie herausfordernd war diese Zusammenarbeit?</b><BR />Streit: Die Zusammenarbeit mit den Künstlerinnen und Künstlern der ersten Ausstellung war sehr angenehm, unkompliziert und professionell. Besonders gefreut hat mich, dass mehrere von ihnen trotz relativ kurzer Vorlaufzeit sogar Neuproduktionen zu den Themen Grenzen und Europa beigesteuert haben. So hat zum Beispiel <Fett>Hannes Egger</Fett> eine unsichtbare Wand inmitten der Galerie errichtet, auf die die Besucher beim Eintreten durch eine Audioansage hingewiesen werden. Dieses Werk stand auch für den Ausstellungstitel Pate. <Fett>Johanna Tinzl & Stefan Flunger</Fett> passen ihre Videoarbeit zum von der EU finanzierten Zaun zwischen der spanischen Exklave Melilla und Marokko nach Möglichkeit immer dem Ausstellungsort an. In unserem Fall sind für Südtirol 2 neue Versionen entstanden: eine mit italienischer und eine mit deutscher KI-Stimme. Das passt sehr gut zur Präsentationsform, die wir gemeinsam ausgewählt haben, denn die Halterungen der Tablets erinnern an Navigationsgeräte im Auto. <Fett>Stefan Alber</Fett> widmet sich in seiner neuen Arbeit „Prägung“ hingegen der Euro-Währung als verbindendes Element und erweitert auf subtile Weise den Raum, indem er mit den Münzen kleine Vertiefungen in die Wände der Stadtgalerie presst. <Fett>Flo Kasearu</Fett>, aus deren Video das Sujet zur Ausstellung – eine EU-Flagge mit Bananen statt Sternen auf blauem Grund – stammt, und <Fett>Letizia Romanini,</Fett> deren poetische Arbeiten sich auf ihre Wanderung entlang der Grenzen Luxemburgs beziehen, waren ebenfalls für den Aufbau der Ausstellung in Brixen. Es freut mich sehr, dass die Künstlerinnen und Künstler sich so über Grenzen hinweg vernetzen konnten.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1009343_image" /></div> <BR /><BR /><BR /><b>Sie arbeiten bereits sehr lange im Kulturbetrieb, unlängst im TAXISPALAIS in Innsbruck. Jetzt müssen Sie das Publikum in eine eher kleine Galerie locken. Was reizt Sie besonders daran?</b><BR />Streit: Der direkte Kontakt mit den Menschen. In einer kleinen Galerie bekommt man da natürlich viel mehr mit als an einem großen Haus. Es gibt dann hier auch immer wieder die Gelegenheit, die Ausstellung gemeinsam mit Künstlern und mir zu entdecken. Auch Schulklassen oder andere Gruppen können sich gern melden, wenn sie an einer Führung interessiert sind.<BR /><BR /><BR /><b>Termin:</b> Bis 6. April, StadtGalerie Brixen<h3> Vita Linnea Streit</h3> Sie ist freiberufliche Kuratorin mit Schwerpunkt auf Jetztkunst. Nach dem Studium der Kunstgeschichte in München und Paris absolvierte sie ein Volontariat an der Neuen Galerie Kassel, bei dem sie Ausstellungen mit Künstlern der Gegenwart kuratierte und sich mit der Sammlung, die einen Schwerpunkt auf documenta-Kunst hat, auseinandersetzte. Im Anschluss verantwortete sie am Kallmann-Museum in Ismaning eine Ausstellung zu Erna Schmidt-Caroll, bevor sie 2017 ans TAXISPALAIS Innsbruck, kam. Dort organisierte sie als Projektleiterin, Kuratorin sowie Stellvertreterin der Direktorin internationale Einzel- und Gruppenausstellungen. 2024 verantwortet sie das Programm der StadtGalerie Brixen.<Rechte_Copyright></Rechte_Copyright> <Rechte_Copyright></Rechte_Copyright><BR /><BR /><BR />