Donnerstag, 14. Mai 2020

Italien bereitet sich auf Öffnung der Museen vor

Italien unternimmt am 18. Mai weitere Lockerungsschritte, davon soll auch die von der Coronavirus-Krise schwer betroffene Kulturszene profitieren.

Das Kolosseum: Ein Wahrzeichen Roms.
Das Kolosseum: Ein Wahrzeichen Roms. - Foto: © EPA-Ettore Ferrari
Museen, Archive und Bibliotheken, die seit Anfang März geschlossen sind, rüsten sich, um wieder Besucher zu empfangen – natürlich im Corona-Modus. Die Devise lautet „Slow Tourismus“.


Wegen der strengen Sicherheitsmaßnahmen mit Vorschriften zur Abstandseinhaltung, Desinfizierungsregeln und Schutzmaterial wird nur eine beschränkte Zahl von Besuchern gleichzeitig zugelassen werden. Dies soll ermöglichen, die Meisterwerke in den Museen stressfrei und mit mehr Bewusstheit zu genießen. „Die Besuchern müssen uns vertrauen, und wir müssen ihnen klar vermitteln, dass sie unsere Museen in vollster Sicherheit besuchen können, da wir alle nötigen Sicherheitsvorkehrungen ergriffen haben. Museen sollen zu einer Oase der Ruhe werden“, sagt James Bradburne, Leiter der Mailänder Pinakothek Brera.


Im Ägyptischen Museum in Turin wird man die Tickets online buchen müssen. Nur im Sieben-Minuten-Takt sollen Besucher zugelassen werden. Auf dem archäologischen Gelände Pompeji soll die Besichtigung jener Teile der Ausgrabungen, in denen der Sicherheitsabstand nicht gewährleistet werden kann, für Besucher geschlossen bleiben.


Die Florentiner Uffizien wollen nach der Wiedereröffnung die Zahl der Besucher, die sich gleichzeitig im Museum aufhalten dürfen, auf die Hälfte reduzieren. So sollen nur mehr maximal 450 zugelassen werden – halb so viele wie vor der Schließung am 8. März. Die Uffizien, die 2018 mit der Universität der Stadt L'Aquila einen Algorithmus entwickelt hatten, mit dem die Wartezeiten vor dem Eingang des Museums drastisch verkürzt wurden, will dieses System an die neuen Anti-Covid-19-Sicherheitsvorkehrungen anpassen.


Die Vatikanischen Museen bleiben vormittags geschlossen und werden lediglich am Nachmittag geöffnet. Für die Besucher sollten eventuell Thermoscanner wie auf Flughäfen eingesetzt werden. Schutzmasken würden auf jeden Fall verpflichtend wie auch eine vorherige Anmeldung, um Menschenansammlungen zu vermeiden. Ein Gedränge wie zu früheren Zeiten in der Sixtinischen Kapelle dürfe es nicht wieder geben. Deutlich weniger Besucher als vor der Schließung sollen auch im Kolosseum in Rom zugelassen werden.


Die große Raffael-Schau anlässlich des 500. Todestags des Universalgenies in Rom, die im März wegen der Covid-19-Pandemie 3 Tage nach der Eröffnung geschlossen werden musste, soll über Juni hinaus verlängert werden. „Diese Raffael-Ausstellung ist epochal. Sie ist die größte Raffael-Schau in der Geschichte und kann nur schwer wiederholt werden. Ich hoffe, dass sie bald neu eröffnet werden kann. Die Ausstellung ist von zentraler Bedeutung für Italien und die Kunstgeschichte“, sagte Uffizien-Chef Eike Schmidt. Die Uffizien haben mehrere Meisterwerke für die Schau geliehen, die im römischen Ausstellungskomplex „Scuderie del Quirinale“ stattfindet.
Kulturtourismus

Die Museen werden den Zusammenbruch des Tourismus schmerzhaft zu spüren bekommen. Noch länger werden sie auf ausländische Besucher verzichten müssen. Der Tourismus wird vor allem binnenitalienisch sein, erst in einer zweiten Phase ist mit einer Rückkehr der Ausländer zu rechnen. Laut Italiens Fremdenverkehrsverband ENIT wird die Tourismusbranche 2020 Einnahmerückgänge in der Größenordnung von 66 Milliarden Euro erleiden. Am stärksten betroffen sind Kulturstädte, die besonders vom ausländischen Fremdenverkehr abhängen, wie Venedig, Florenz und Rom. Bis zu einer Normalisierung der Lage wie vor Ausbruch der Epidemie könnte es einigen Experten zufolge sogar bis 2023 dauern.

eva/apa