Werden in St. Ulrich sein künstlerischer Werdegang und Lebensraum nachgezeichnet, so zeigt die Schau in Bozen den „Intimisten“ Moroder Lusenberg. Neben dem offiziellen Künstler, der den Bedürfnissen seines Publikums nach Selbstbestätigung und Idylle entgegenkam, war Moroder Lusenberg ein privater, intimistischer Maler, dessen Arbeiten eine Freiheit des Ausdrucks gewinnen, welche sich von dem übrigen Werk grundsätzlich abhebt. „Man könnte meinen, man würde verschiedenen Künstlern begegnen“ (P. Weiermair).Dahinter steht, dass Moroder, trotz der Ausbildung in München, ein Autodidakt geblieben ist, einer, der in seinem „freien“ Schaffen seinem Instinkt und seiner Intuition folgte. Hier fand er Lösungen von großer Wahrhaftigkeit und zuweilen auch erstaunlicher Modernität. Geboren am 27. Mai 1846 als viertes von neun Kindern einer angesehenen Familie auf dem Hof Scurcià oberhalb von St. Ulrich in Gröden, besuchte er 1856–1858 des Untergymnasiums am Benediktinerstift St. Georgenberg in Fiecht bei Schwaz, das über eine angesehene Zeichenschule verfügte. Nach der Rückkehr auf den elterlichen Hof 1860, fing Josef Moroder, wie damals wohl jeder Grödner Bub, mit dem Schnitzen an. 1867 begann er eine Lehre beim Bildhauer Franz Prinoth und für einige Wochen besuchte er die Münchner Akademie. Nach der Heirat mit Annamaria Sanoner 1869 zog er mit ihr in den Lusenbergerhof, den er von seinem Onkel geerbt hatte und dessen Namen er nun zu seinem eigenen hinzustellte. Nach der Begegnung mit Bildern von Franz von Defregger auf der Wiener Weltausstellung 1873 kam Josef Moroder Lusenberg zum Entschluss, Maler zu werden. Daher führte er 1880 bis 1884 sein Akademiestudium in der Klasse Defreggers fort, der für ihn Freund und Vorbild wurde. 1884 kehrte er nach St. Ulrich zurück, wo er in der Folge – zum Broterwerb – eine Bildhauerwerkstätte aufbaute, sich künstlerisch aber ganz auf die Malerei konzentrierte. In den Jahren 1896 bis 1899 nahm er eine Lehrstelle an der Fachschule St. Ulrich an, wo er eine Erneuerung der Lehrmethoden anstrebte. Am 16. Februar 1939 starb Josef Moroder Lusenberg in St. Ulrich. Am Samstag, 12. September wird mit Beginn um 11 Uhr im Ex-Museion, nun C-Trakt der Freien Universität Bozen, die Ausstellung über den wohl bekanntesten Grödner Maler „Josef Moroder Lusenberg (1846 1939). Der Instimist“ eröffnet. Die Ausstellung bleibt bis 18. Oktober von Montag bis Samstag, von 10 bis 12 Uhr und von 14 bis 18 Uhr frei zugänglich.