Messensee steht außerhalb von Interessensgemeinschaften und geht, inspiriert von Künstlern wie Velásquez, Tizian, Van Gogh und Cézanne, unbeirrt als Nonkonformist seinen eigenen Weg in der Malerei. Er malt Traumbilder und Traumfrauen, vereint Geschichte, Gegenwart und Zukunft miteinander. Seine künstlerische Position ist die Opposition. In seinen Bildern verarbeitet er intensive Wechselspiele zwischen Schweigen und Sprechen, Erinnern und Vergessen, Innovation und Tradition, Hingabe und Erfindung, Stillstand und Aktivität.Der Körper wird zum Objekt Die mögliche Vielfalt der Formen reduziert er auf das Wesentliche, und baut besonders auf Farbpaste und Bildgrund, also die körperlichen Mittel der Malerei auf. Der Körper wird bei ihm zum Objekt, wenn er diesen förmlich zerstückelt und den Focus auf einzelne Ausschnitte, Gliedmaßen, oder Sinnesorgane wie z.B. das Auge, als Instrument des erotisierenden Schauens, richtet.Dabei inspirieren Messensee besonders Frauen, oder vielmehr die weiblichen Formen an sich. Aber er malt sie abseits der Norm, allein oder verdoppelt, einheitlich oder fragmentiert, emotional oder rational und möchte den Körper dabei nicht begreifen oder besitzen, sondern viel mehr von ihm ergriffen sein.Der menschliche Körper ist für den Künstler das beste Medium, um Gefühle auszudrücken.Auf der Suche nach SinnlichkeitJürgen Messensee ist stets auf der Suche nach sinnlich intensiven Momenten, denn sie sind es, die der Kunst Energie liefern. Er malt jene Schönheit, die ihn immer wieder in unerwarteten Augenblicken wie eine Offenbarung ergreift: wie die unnachahmliche Geste einer Frauenhand, in einem ganz bestimmten Moment.Seine Zeichnungen sind direkt und jenseits von Konvention oder Norm. Sie entziehen sich jeglicher Berechnung und Vorausplanung, sind aber zugleich präzise und absolut kompromisslos.Und immer wieder stellt der Künstler essenzielle Fragen, die er sich selbst beantwortet:„Sind Arbeiten auf Papier nur Zeichnungen?“ Nein, alle Mittel wie Kohle, Kreide, Blei, Aquarell, Öl etc. werden gleichermaßen auf allen Bildträgern, seien sie Papier, Leinwand usw. angewandt. Der Einsatz der verschiedenen Techniken hängt von den Notwendigkeiten der Information ab. So unterscheide ich folglich nicht zwischen Zeichnung und Malerei. Meine Zeichnung ist daher sowohl farbig, als auch dimensional – plastisch – gedacht.“Jürgen Messensee 2013Immer wieder macht Messensee buchstäbliche Risse in die Realität, er schneidet Stücke aus seinen Arbeiten, klebt Papierfetzen auf Aluminiumplatten oder pappt einfach einen skizzenhaft bemalten grauen Müllsack auf die Leinwand. Auf der Suche nach Erweiterung überschreitet er so die Dimensionen und die Mitteilung über Realität wird eine ganz andere; denn auf einmal ist da ein Loch in der Wirklichkeit des Bildes, und die Frage „was ist wirklich wirklich?“ steht plötzlich im Raum.Der Maler ist laut Messensee ein Suchender und immer auf einer Reise, für die er sich nicht selbst entscheidet, sondern wozu er berufen wird. Am Ende findet er zu sich selbst und gelangt zu einer tiefen inneren Erkenntnis, die er dann der ganzen Welt offenbaren muss.Der Sinn einer Ausstellung liegt für ihn also darin, den Betrachter auf eben solch eine Reise mitzunehmen und Einblick in das Seelenleben und die Erkenntniswelt des Künstlers zu ermöglichen. Dabei werden dem Publikum nicht nur reine Abbildungen präsentiert, sondern der ganze ihnen zugrunde liegende Entstehungsprozess offengelegt.Eröffnung: 12. April, 19 Uhr, Stadtmuseum Bruneck (bis 19. Mai)