<b>Ihr neuestes Kunstwerk nennt sich „Kontinuität im Wandel“. Es ist ein Auftragswerk . Wie kam es dazu?</b><BR />Julia Bornefeld: Im Februar 2023 lernte ich in Südtirol den Geschäftsführer eines Qualitätsröhrenhändlers für Stahl- und Präzisionsrohr kennen, er bekam einen Einblick in mein bisheriges künstlerisches Schaffen und beauftrage mich zum 75. Jubiläum der Firma für das Firmengelände ein Werk zu entwerfen.<BR /><BR /><b>Das Kunstwerk steht an der Außenwand des Firmensitzes – es ist für jedermann sichtbar. Was wollen Sie damit, gerade auch den Mitarbeitern, vermitteln?</b><BR />Bornefeld: Das Werk KONTINUITÄT IM WANDEL besteht aus aus ca. 600 verzinkten, senkrechten parametrisch angeordneten Stahlrohren mit einem Durchmesser von 62 mm, somit ist eine Installation entstanden, die eine Wachstumskurve symbolisiert. Die Installation ist 650 cm hoch, 1100 cm breit und 500 cm tief und spiegelt zudem sinnbildlich die technische und logistische Arbeit der Mitarbeiter der Firma wider. <BR /><BR /><b>Installationen aus Stahl mit Integration von Licht entwerfen Sie seit Jahren wie etwa den Alperia Tower (2017) in Bozen Süd, die kinetische Installation „Ariadne’s asteroid centrifuge“ (2009) in der Franzensfeste oder für die Ausstellung Steellife (Triennale Mailand, 2009, Courtesy Galerie Antonella Cattani Contempory Art, Bozen) das Werk „Din A4 – – War Games“. Was fasziniert Sie an der Arbeit mit Licht?</b><BR />Bornefeld: Der Alperia Tower wurde in Zusammenarbeit mit der Architektin Valentina Bonato und dem Architekten Team von Museum 39. Arch. Cagol, Arch. Niedermayr aus Bozen entworfen und ist seitdem bei Nacht ein Landmark/Lichturm von 40 Metern Höhe. Er symbolisiert den Erhitzungsprozess des Wassers der Fernwärme. Auch andere Installationen, wie oben genannt, werden zum Teil zu Lichtinstallationen. Mit Licht kann ich den teils auch kinetischen Installationen eine sich ständig verändernde Ebene hinzufügen, und das verschiedenfarbige Licht schenkt den zum größten Teil aus Stahl konstruierten Werken einerseits Farbe und die bei Tag sonst sichtbare Form der Werke der Installationen verschwindet teils bei Dunkelheit. Mit Licht zu arbeiten ist teils wie Malerei.<BR /><BR /><b>Sie haben viele weitere mastodontische Arbeiten gemacht, so etwa auch die „The Burning Supper“ (2012), eine enorme Kunstinstallation im Dom von Innsbruck oder den Riesen-Luster aus 1-Centmünzen in der Franzensfeste (2018) und im Museion, oder das Ohr an der Außenwand des Ferdinandeums (2021), um nur einige weitere Werke zu nenne. Können Sie sich als Künstlerin mit diesen enormen Arbeiten besser Gehör schaffen?</b><BR />Bornefeld: Die Maße meiner Installationen entstehen zumeist durch die vorgegebene Größe des Raumes. Die Fotoinstallation „The Burning Supper“ (2012), passt sich z.B. an die vorhanden Maße des Altarraumes des Innsbrucker Doms an. Ich entwerfe meine Werke in den Proportionen, so dass diese passend sind in den Maßen zu dem Ausstellungsraum, oder zu dem jeweiligen Ort. Das Werk SENTIRE, ein Ohr aus schwarz patinierter Bronze, ist zwar im Verhältnis zu einem tatsächlichem Ohr eines Menschen überdimensional groß und steht symbolisch für das Hören, Wahrnehmen und wirkt an der Fassade des Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum proportional klein zum Gebäude. Ich spiele in meinen Installationen mit den Größenverhältnissen zwischen Körper und Gebäude und Ausstellungsraum. <BR /><BR /><b>Am Freitag (30.6.) eröffnet die Galerie Elisabeth & Klaus Thoman in Innsbruck Ihre neueste Ausstellung „sustained gestures“. Auch da hängt ein enormer Fuß – zumindest in der Wahrnhemung des Fotos – von der Decke und nimmt den gesamten Raum ein. Worum geht es in der Schau?</b><BR />Bornefeld: In der Ausstellung geht es um das Verhältnis des Menschen, des menschlichen Körpers im Bezug zur Natur und den in den letzten Jahren tief beeindruckenden und verstörenden Naturereignissen. Starke Gewitter und Unwetter, Beobachtungen von Wolkenbildungen der letzten Jahre haben mich zur Entstehung einer neuen Werkreihe bewegt. <BR /><BR /><BR /><b>Eröffnung der Ausstellung:</b><BR />30.6., 18 Uhr, (bis 31.8.), Galerie Elisabeth & Klaus Thoman, Maria-Theresien-Straße 34, Innsbruck – Installation: Hoberg & Diesch Röhrengruppe – Düsseldorf