<b>von Eva Gratl</b><h3> Drama des Prager Frühlings</h3>1924 in Baska/Schlesien in der Tschechoslowakei geboren, ist der Künstler am 30. Juni 2003 in Bozen verstorben. Wie sehr ihm Südtirol zur zweiten Heimat wurde, beweist seine Grabstätte im Friedhof von Oberbozen. Kavan besuchte ab 1945 in Prag die Staatliche Schule für Grafik und ab 1947 die Kunstgewerbliche Hochschule in der Abteilung für Textildesign. „Im Atelier von Prof. Alois Fisarek erwarb er eine solide Ausbildung in den verschiedenen grafischen und malerischen Techniken“. <BR />Nach Abschluss des Studiums arbeitete er im Bereich der Gebrauchsgrafik und des Textildrucks, entwarf Gobelins und Textildrucke. 1958 nahm er an der EXPO 58 in Brüssel teil. Er beteiligte sich dort mit textilen Arbeiten an der Innenausgestaltung des Restaurants. Im Anschluss erhielt er zahlreiche internationale Aufträge. Bis 1965 nahm Kavan regelmäßig an Ausstellungen im Ausland teil. <BR /><BR />Nach der Niederschlagung der Aufstände, dem sog. Prager Frühling, beschließt er am 28. August 1968 mit seiner Familie das Land zu verlassen. Trient zuerst und dann Bozen sind die Stationen des Künstlers. In der Landeshauptstadt bezieht er in der Wangergasse eine Wohnung, später kaufte sich der Künstler eine Wohnung am Ritten. <h3> Traumwelt mit Löwen</h3>Seine Bilder wärmen die Seele, vor allem seine Löwen, das absolute Lieblingsmotiv des Künstlers. Poetisch sitzen sie da, allein, zu zweit, lesen, schmiegen sich an, blicken fragend, versonnen, manchmal auch zornig, lächeln, spielen Geige, hören dem Geigenspieler zu, streicheln sich, schlafen auf farbigem Grund. Immer und immer wieder Löwen. Denn Tiere sind Menschen. Oft genügte dem Künstler nur ein schneller Strich, auch in der Zeichnung sind Löwen seine Lieblinge. <BR /><BR />„Kavan ist der geborene Erzähler“, schrieb die Kunsthistorikerin Eva Kreuzer Eccel, Georg Mühlberger würdigte ihn zu seinem 70igsten Geburtstag und schrieb: „Wer den Bildern gegenübertritt, begibt sich in eine schwebende Welt zwischen Sinnlichem und Übersinnlichem, zwischen Realität und Verklärung, zwischen dem Wissen um die Bedingungen der Welt und dem sich Hinüberretten in die Welt des Traums“. <BR /><BR />Natürlich konnte der 1968 in die politische Emigration Geratene vielmehr als nur Löwen. Bilder während oder nach dem Prager Frühling zeigen Clowns, sie schildern nach 68 aber auch den Abschied, die Trauer, die Emigration. Dunkle düstere Blautöne mit traurigen Gesichtern, Menschen die sich eng aneinanderschmiegen, die Hände schützend vors Gesicht. <BR /><BR />Mensch und Tier waren seine Themen, oft schwebend auf dem Bilduntergrund und diese Kunst erinnert oft an die Werke Bilder von Chagall. Es sind Bilder einer Märchen- und Traumwelt, doch manchmal malte Kavan auch Landschaften, den Garten Eden, eine nächtliche Dorfansicht, einen Blumenstrauß. Heinrich Gasser, Kunstsammler und Kunstmäzen, kannte Kavan gut, unterstützte ihn, als die Emigration den Künstler nach Bozen verschlug. Er erinnert sich im Interview.<BR /><BR /><b>Wie haben Sie den Künstler kennengelernt?</b><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1048095_image" /></div> <BR />Heinrich Gasser: Das geht auf das Jahr 1969 zurück. Da hat es geheißen: Da ist ein Künstler aus Prag, den man unterstützen sollte. Kavan arbeitete unheimlich viel. Ich habe ihm sehr viele Werke, fast 30 Jahre lang abgekauft. Zuerst malte er vor allem Bilder des Abschieds, denn es fiel ihm nicht leicht, die Heimat zu verlassen. In der Tschechoslowakei gab es ja nicht mehr viele Möglichkeiten, entweder arbeitete man für das Regime oder man begab sich in den Untergrund. In Bozen fühlte Kavan sich wohl, er beherrschte die deutsche Sprache. Er war gut befreundet mit dem Pianisten und Dirigenten Vladimir Ashkenazy, der auch zufällig da war. Durch mein Hotel in Kastelruth hatte ich die Möglichkeit, seine Bilder zu zeigen. Auch bei meinen Gästen waren Kavan-Werke sehr beliebt und so konnte der Künstler auch gut verkaufen.<BR /><BR /><b>Was faszinierte Sie so an den Werken Kavans?</b><BR /><BR />Gasser: Wer mich kennt, weiß, dass dies ja nicht unbedingt die Kunst ist, die ich gesammelt habe. Ich sammelte konzeptuelle Kunst, Kunst und Sprache, Fluxus-Künstler, ich habe mich sehr stark mit Joseph Beuys auseinandergesetzt. Aber wer die Bilder Kavans betrachtet, sieht: Das ist Kunst aus dem Bauch heraus. Ich war immer überzeugt, dass die guten Künstler Seismographen der Zeit sind, sie nehmen die Veränderungen der Zeit wahr, sie haben sozusagen einen „sechsten Sinn“ und spüren gesellschaftliche Umbrüche. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1048098_image" /></div> <BR /><BR /><b>Sie kennen das Werk Kavans sehr gut ...</b><BR /><BR />Gasser: Kavan hatte, wie kaum ein anderer, ein unheimlich starkes, auch wunderbares Farbgefühl. Ein Kavan-Bild wird – das habe ich festgestellt, – wenn es einmal im Familienbesitz ist, nicht mehr verkauft, sondern vererbt. Kaum auf einen anderen Künstler trifft das zu. In einer Familie sind für Kinder die Löwen in den Bilderbüchern oft der erste Kontakt, sie sprechen die kindliche Seele an. Der Künstler Kavan hatte eine besondere Sensibilität, mit Situationen umzugehen. Er sah den Löwen als Ebenbild des Menschen, einmal dominant, dann aber fürsorglich und lieb. Seine ersten Bilder zeigen oft einen Löwen, der über andere herrscht, dann wandelte er sein Löwenbild. Der Löwe, der Liebe und Zärtlichkeit ausstrahlt, ist vor allem auch in den Zeichnungen sichtbar. Kavan war ein Meister der Zeichnung. Schnell hingeworfen verstand er aufzuhören, wo der Strich zu Ende sein musste. „Mache einen Strich“, sagte er zu mir, und ich mach weiter. Sein Endprodukt war immer brillant. Mein Lieblingsbild ist der „Geiger mit dem Löwen“. Hier sind Kunst und Kultur in wunderbarer Symbiose erfasst und vereint. Musik und Kunst sind in verbindender Art und Weise dargestellt. Hier hat man das Gefühl: Da kommt Kunst zusammen: Auch unsere Verbindung zur Tierwelt ist so schön dargestellt. Mensch und Musik und bildende Kunst bilden eine Gemeinschaft. <BR /><BR /><b>Zur Person</b><BR /><BR />Der Künstler Vladislav Kavan wurde am 30. Juni 1924 in Baska (Schlesien), nahe der polnischen Grenze in der damaligen Tschechoslowakei, geboren. Er studierte an der Schule für Grafik und an der Hochschule für Kunst und Gewerbe in Prag. Die Teilnahme an der Expo '58 in Brüssel bedeutete einen ersten Durchbruch. 1968 ging er in die Emigration und fand in Bozen eine neue Heimat.