Dienstag, 20. November 2018

Kopffüßler mit Asthma: Albertina zeigt Erwin Wurm

„Eigentlich ist das nicht zum Lachen”, findet Klaus Albrecht Schröder. Weder die „One Minute Sculptures”, mit denen Erwin Wurm international berühmt geworden ist. Noch Werkgruppen wie die Asthma-Zeichnungen, die in der neuen Ausstellung „Peace & Plenty” gleich im Entree versammelt sind. 300 Werke zeigen in der Albertina Erwin Wurm, den Zeichner. Lachen, so Schröder „ist der letzte Selbstschutz”.

300 Werke zeigen in der Albertina Erwin Wurm, den Zeichner. - Foto: APA
300 Werke zeigen in der Albertina Erwin Wurm, den Zeichner. - Foto: APA

Und für diese Schutzreaktion bringt der Albertina-Direktor durchaus Verständnis auf. Nicht jeder sei nun einmal bereit, „die sinnentleerte Welt zu erkennen”. Für Erwin Wurm ist sie dagegen ein ständiger Begleiter, blinzelt unverhohlen aus jeder seiner kleinen, raschen Arbeiten auf Papier. Die Zeichnung „ist das täglich Brot des Künstlers”, so Wurm am Dienstag.

„Das machen wir alle jeden Tag. Manchmal ist es bescheuert, manchmal etwas besser.” Nur wenige der Blätter - Zeichnungen, aber auch Aquarelle - sind Skizzen und Studien für Skulpturen, die Mehrheit steht als autonomes Werk da. Kuratorin Antonia Hoerschelmann hat sie zwecks Erleichterung der Aufnahme thematisch gruppiert.

Gesichter interessieren Wurm am meisten 

Asthma ist wichtig, ausgelöst durch ein eigenes Erlebnis, auf das der Künstler weniger mit existenzieller Panik als mit mitleidlosem Blick auf die Verlegenheit der Kreatur vor der Sterblichkeit reagiert hat. Das Selbstporträt dominiert unter den vielen Gesichtern, den großen, detaillierten Köpfen auf kleinen, grob skizzierten Körpern. Und andere große Männer, wenige Frauen nur, flankieren sie. Mahler, Brecht und Haneke, Politfürsten und Promis, Asthmatiker und Waffenträger, Gesichter mit verrutschten Augen oder aufgeblasenem Unterkiefer, singende Kinder, deren Mundöffnung bald das ganze Gesicht einnimmt, Männer, die auf Gurken starren und solche, denen Gurken von einem Ohr zum anderen reichen.

Das Gesicht, so Wurm, interessiere ihn am meisten. „Ich gehe an Gesichter heran wie an Landschaften.” Furchen, Gebirge, Deformationen. Höchst persönliche Arbeiten sind sie aber nicht nur aufgrund der Motive - „das sind die Arbeiten, die ich ausschließlich selbst, ganz allein mache”, erzählt der Künstler, der für seine Skulpturen sonst meist auf Mit- und Zuarbeit angewiesen ist.

apa

stol