Mit viel Engagement und dem unerschütterlichen Glauben, dass Skulpturen im Freien eine besondere Wirkung entfalten, fordert er auf zu flanieren, im Gehen zu denken und einen individuellen Zugang zur zeitgenössischen Skulptur zu finden. <b>von Eva Gratl</b><BR /><BR /><b> 32 Kunstwerke am Skulpturenweg Lana und 18 Plastiken im Skulpturengarten. Über 50 Künstlerinnen und Künstler aus Südtirol und aller Welt haben für LanaArt Werke und Performances geschaffen. „Flow“ nennt sich die Jubiläumsschau. Was soll fließen, strömen und sich vielleicht verändern?</b><BR />Wolfgang Wohlfahrt: Lana liegt an der Falschauer, und entlang dieses Flusses kann man im Gehen Skulpturen betrachten und sich in der Landschaft mit diesen bewegen, im „Fluss“ sein. Flow bedeutet auch Kreativität, beinhaltet die Möglichkeit, sich gemeinsam mit anderen auf die landschaftlichen und kulturellen Eigenheiten einzulassen.<BR /><BR /><b> Sie sind seit 25 Jahren Mitorganisator von LanaArt: Wie kam es zur Idee, Lana zum Mittelpunkt eines Skulpturenwanderweges zu machen?</b><BR />Wohlfahrt: Vor 25 Jahren gab es in Südtirol noch sehr wenig Kunst im öffentlichen Raum. Kulturelle und künstlerische Aktivitäten konzentrierten sich hauptsächlich auf die Städte. Wir waren also die ersten, die Kunst im öffentlichen Raum in Form eines Skulpturenwanderweges etablierten. <b>Erika Inger</b> und ich hatten in Ravenna und Stuttgart studiert, arbeiteten an Skulpturen, besuchten gemeinsam Symposien, nahmen an Wettbewerben teil. Als wir nach Südtirol kamen, gründeten wir den Verein LanaArt und entwickelten gemeinsam mit der Gemeinde, insbesondere mit dem damaligen, sehr kunstsinnigen Bürgermeister Christoph Gufler, einem der Mitorganisatoren, dieses Projekt. 2000 begannen wir mit den ersten 10 Werken. Man braucht für solche Initiativen den Rückhalt in der Gemeinde. Wichtig sind aber auch andere, Handwerker oder Gastbetriebe: Denn Künstler, die vor Ort arbeiteten, mussten untergebracht und verpflegt werden. <BR /><BR /><b>Das Netzwerk haben wir Ihnen und Erika Inger sowie Gleichgesinnten zu verdanken?</b><BR />Wohlfahrt: Ja, es braucht eine Gruppe, die zusammenarbeitet, sonst geht nichts. Mit der Zeit entwickelte sich der Skulpturenwanderweg weiter. Es geht heute beim erweiterten Skulpturenbegriff auch um gesellschaftliche Impulse, um Klima, Umwelt etc. <BR /><BR /><b>Heuer feiern Sie ein Jubiläumsjahr. Was erwartet uns am kommenden Freitag zur Eröffnung am Schallerhof ? </b><BR />Wohlfahrt: Wir sehen dort eine Schau von Werken, die für einen Ausstellungskontext bei uns gelandet sind. Wir haben Künstler und Künstlerinnen, die in den vergangenen Jahren bei uns gearbeitet haben, gebeten, uns aktuelle Arbeiten zu bringen. Zudem lege ich allen besonders die Filmdokumentation von Martine De Biasi ans Herz. Der Film zeigt die Geschichte des Skulpturenwanderweges und die Initiativen von LanaArt. Auch möchte ich an den Skulpturengarten am Brandiswaalweg erinnern und Projekte wie „Demokratie ist lustig“, wo es um gesellschaftlich relevante Themen ging, sind rückblickend sehr bedeutend gewesen. Uns ist es wichtig, dass die Menschen über den reinen Kunstbetrieb hinaus interessiert sind, dass sie sich für gesellschaftliche Themen öffnen. Zudem sind wir mit dem Kunstverein Krastal in Kärnten vernetzt.<BR /><BR /><b>Und wie ist es mit der Finanzierung all dieser Initiativen?</b><BR />Wohlfahrt: Wir werden heute großzügig gefördert, Sponsoren, die Stiftung Sparkasse, das Kulturamt, die Gemeinde, die Raiffeisenkasse etc., freilich aber müssen wir uns jedes Jahr neu bemühen. Natürlich waren Film und Katalog für dieses Jubiläumsjahr eine zusätzliche finanzielle Belastung, wichtig aber ist uns immer die Finanzierung der Skulpturenprojekte. <BR /><BR /><b>Skulptur im Freien entfaltet sich anders als im Raum. Was macht Plastiken so besonders in der freien Natur? </b><BR /> Wohlfahrt: In Lana gibt es unterschiedliche Standorte in unterschiedlichen Kontexten: die Industriezone, die Falschauer, das Ortszentrum, die Gaulschlucht. Man muss also entscheiden: Wo entfalten die Kunstwerke eine besondere Aura? Oft erkennt man, wie sich ein Kunstwerk sanft einfügt: Es drängt sich nicht in den Vordergrund oder kämpft gegen die Natur an. Es geht auch darum, dass man vielleicht etwas erst auf den zweiten Blick sieht. <BR /><b><BR />Das heißt, dass die Skulptur den Betrachter in der freien Natur anders fordert?</b><BR />Wohlfahrt: Ja, genau. Man sucht ja in der Natur nicht in erster Linie ein Kunstwerk. Oft trifft man im ländlichen Kontext ganz überraschend auf eine Skulptur, anders als im Ortszentrum oder in der Industriezone. Es ist jedes Mal ein Versuch, ein Experiment.<BR /><BR /><b>Sie leben in Wien. Was ist künstlerisch, vor allem was den öffentlichen Raum betrifft, in der Stadt anders als am Land?</b><BR />Wohlfahrt: Im urbanen städtischen Raum ist Kunst im öffentlichen Raum mehr präsent. Anders als hier, wo Einzelinitiativen gefragt sind. Dies zu realisieren, benötigt mehr Überzeugungsarbeit. In Österreich wird Kunst im öffentlichen Raum auch anders gefördert: Im Land Niederösterreich etwa gibt es einen eigenen Fond für diesen Bereich. Die Künstler können selbst entscheiden, was sie irgendwo platzieren wollen. Man reicht einen Antrag zur Realisierung ein, eine Jury entscheidet. Das läuft also etwas anders als hier in Südtirol. Kunst am Bau, diese 2 Prozent, sind nicht auf öffentliche Bauten beschränkt. <BR /><BR /><b>Rückblickend auf 25 Jahre Arbeit: Glücklich und zufrieden?</b><BR />Wohlfahrt: Ja ich würde es auf jeden Fall noch einmal angehen. Ich kann mir vorstellen, dass wir auch weitermachen. Mittlerweile haben wir viele Partner, und wir binden viele andere Kulturinitiativen mit ein.<h3> Zur Person</h3>Der Künstler Wolfgang Wohlfahrt wurde 1957 in Spittal/Drau, Österreich geboren und lebt und arbeitet in Lana und Wien. Studium an der Akademie der Bildenden Künste in Ravenna und in Stuttgart. Organisation und Teilnahme an internationalen Künstlersymposien und Landschaftskunstprojekten in Österreich, Südkorea, Italien, Dubai. Mitglied im Kunstverein Kärnten. Seit 1987 Mitglied im Südtiroler Künstlerbund, seit 1993 Mitglied im „Kunstwerk Krastal“ und seit 2013 Mitglied im Kunstverein Kärnten. Seit 1993 Mitarbeit im Verein Kunstwerk Krastal. 2000 Gründung von LanaArt, Südtiroler Skulpturenwanderweg mit Erika Inger und Erich Dapunt. Skulpturen und Kunst im öffentlichen Raum. Seit 2001 Klangspaziergänge, Sound Of Sculpture.<h3> Programm</h3>Eröffnung 25 Jahre LanaArt: 28.3., 18 Uhr, Lana, Schallerhof, Raffeingasse 2, Ausstellung und Film „25 Jahre LanaArt“von Martine De Biasi <BR />29.3.: Performative Wanderung am Skulpturenweg <BR /><BR />2.4.: Literatur am Schallerhof<BR /><BR />3.4.: Wiederholung Film im Kunsthaus Meran<BR /><BR />5.4.: Finissage mit Konzert am Schallerhof