Landmarks sind Wahrzeichen, auch Grenzmarken und sie setzen Zeichen. Diese hat der Besitzer des Kunstraums und beliebten Treffpunkts in ganz besonderer Weise über viele Jahre hindurch gesetzt. Nun verabschiedet er sich zwar von seinem Kunstraum, aber nicht von der Kunst... <b>von Eva Gratl</b><BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1011630_image" /></div> <BR /><BR />Die Schwarz-Weiß Fotografien mit den leisen Tönen, welche mit „äußerster Präzision und Schärfe gewöhnliche und bedeutungslose Dinge unseres Alltags in den Vordergrund rücken“ stimmen etwas melancholisch, was zum Anlass passt. Kein Kunstraum mehr, die vielen Ausstellungen archiviert. Der Vorhang gefallen. <BR /><BR /><BR /><b>42 Jahre Café Mitterhofer, 32 Jahre Kunstraum 177 Ausstellungen, weiters Lesungen, Buchvorstellungen. Jetzt geht eine Ära zu Ende. Wie kommt es zu dieser Entscheidung?</b><BR />Manfred Mitterhofer: Es war eine schöne Zeit, die wie im Flug vergangen ist. Ich habe meine Arbeit im Café immer mit Leidenschaft gemacht. Mit dem Kunstraum ist dann ein neues bereicherndes Element dazugekommen. Meine Kontakte mit den vielen Fotografen und Künstlerinnen, die intensive Beschäftigung mit der Kunst und die Organisation der 177 Ausstellungen waren mein Antrieb, meine Motivation.<BR /><BR /><BR />Nun ist es an der Zeit, dieses Kapitel zu schließen und ein neues zu öffnen. Ich habe ein junges, engagiertes Team, das ab April den Cafébetrieb übernehmen wird. Der Kunstraum ist dann Geschichte, das Café wird neuen Schwung bekommen.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1011633_image" /></div> <BR /><BR /><b>Kunst und Kaffee zu verbinden war sicher kein leichtes Unterfangen. Wann ist Ihnen die Idee zu diesem außergewöhnlichen Dialog gekommen?</b><BR />Mitterhofer: In den 1970er Jahren habe ich diese Art von Kaffeehaus in den europäischen Städten gesucht und gefunden. Kunst und Kaffee – in meinem Fall Fotografie und Kaffee – zu verbinden, das hat mich sehr gereizt. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1011636_image" /></div> <BR /><BR /><b>Sie können auf eine ungemein rege Ausstellungstätigkeit zurückblicken. War es schwierig, Kunst in die Provinz zu bekommen, vor allem die Menschen für Kunst zu begeistern?</b><BR />Mitterhofer: Es hat schon ein bisschen länger gebraucht. Ich hatte bereits viele Künstlerfreunde und auch Verbindungen zu Kunstgalerien. Meine Freunde und auch glückliche Zufälle haben mir sehr dabei geholfen, den Anfang zu machen und dann ein kontinuierliches und interessantes Programm auszuarbeiten. Ich weiß, dass der Kunstraum für Einheimische und Gäste ein wichtiger Kulturort geworden ist. Pressearbeit war und ist immer noch ein hartes Stück Arbeit. Die Kultur in der „Provinz“ erfährt nicht immer die verdiente Wertschätzung. <BR /><BR /><BR />Leider haben die Verantwortlichen des Tourismusvereins nicht erkannt und anerkannt, wie wichtig eine vielseitige Kultur in dieser touristischen Hochburg ist. Neue Ideen und Initiativen werden entstehen und ich wünsche Innichen, dass in Zukunft die Kulturarbeit besser unterstützt wird.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1011639_image" /></div> <BR /><BR /><b>Woher kommt Ihre Leidenschaft für die Fotografie?</b><BR />Mitterhofer: Ja. der Schwerpunkt meiner Ausstellungstätigkeit war die Fotografie, obwohl immer wieder andere Kunstformen Platz gefunden haben. Das Medium Fotografie hat mich schon immer fasziniert. Zu sehen, wie in der Dunkelkammer nach und nach ein Bild entsteht, hat für mich etwas Magisches. Stark geprägt haben mich die Arbeiten von Man Ray, Mario Giacomelli und Luigi Ghirri.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1011642_image" /></div> <BR /><BR /><b>Ihr Anliegen war es, einen Bogen zwischen dem deutschen und dem italienischen Kulturbereich zu spannen, zwischen jungen Künstlern und etablierten Künstlern...</b><BR />Mitterhofer: Ich habe sowohl bei den Zeitschriften „Föhn“ und „Thurntaler“ mitgearbeitet, beides grenzüberschreitende Medien. Johannes E. Trojer, Lehrer, Forscher und Publizist aus dem Villgratental, war mein Mentor. Mit meinem Kunstraum wollte ich Grenzen aufzeigen und kulturell öffnen durch das Hereinholen von Kunst an der Schnittstelle zwischen Norden und Süden, Osten und Westen. Innichen, gelegen an der östlichen Landesgrenze, war dafür ein guter Ausgangspunkt. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1011645_image" /></div> <BR /><BR /><b>Auf welche Ausstellung waren Sie besonders stolz?</b><BR />Mitterhofer: Alle Ausstellungen waren auf ihre Art etwas Besonderes. Ganz stolz bin ich darauf, dass es mir gelungen ist, sowohl junge und als auch arrivierte Fotografen aus aller Welt nach Innichen zu bringen und ihre Arbeiten im Kunstraum zu zeigen. <BR />Gerne denke ich an die Ausstellungen mit der großen Österreicherin Inge Morath, mit Guido Guidi, einem der wichtigsten zeitgenössischen Fotografen in Italien, mit dem Trientner Fotografen Flavio Faganello, der in Südtirol durch das Buch „Die Erben der Einsamkeit“ bekannt worden ist. Besonders geschätzt habe ich die Zusammenarbeit mit den vielen jungen Südtiroler Fotografen und Fotografinnen.<BR /><BR /><BR /><BR /><b>Jedem Ende wohnt ein Anfang inne... heißt es: Und Kunst und Kultur liegt Ihnen ungemein am Herzen. Gibt es vielleicht andere Pläne?</b><BR />Mitterhofer: Es fällt mir nicht leicht, vom Kunstraum mit seinen 177 Ausstellungen Abschied zu nehmen. Aber ja, ich habe neue Pläne: Gemeinsam mit Freunden arbeiten wir an einem Projekt für analoge Fotografie. 2025 möchten wir mit einem Fotofestival der analogen Fotografie in den Dolomiten starten. Einiges ist noch im Wachsen, es gibt also viel zu tun! Ich freue mich auf die nächste Zeit.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1011648_image" /></div> <b>Letzte Ausstellung:</b> „New Landmarks“ von Reinhart Mlineritsch , noch bis 31.3. zu sehen.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1011651_image" /></div> <BR /><h3> Hintergrund</h3><BR />Seit 1993 versteht sich der Kunstraum Café Mitterhofer als Forum für verschiedene Positionen der zeitgenössischen Fotografie. <b>Manfred Mitterhofer</b>, Gründer des Kunstraums und Kurator der Ausstellungen, hat in all den Jahren versucht, einen Bogen zwischen dem deutschen und dem italienischen Kulturbereich zu spannen. Im Spannungsfeld zwischen dem mediterranen und dem nordischen Raum, zwischen jungen und etablierten Künstlern, hat er in seinem Kunstraum die unterschiedlichsten künstlerischen Positionen präsentiert.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1011654_image" /></div> <BR /><BR /><BR /> Künstler aus Südtirol und den angrenzenden Gebieten (Osttirol und Nordtirol, aus dem Comelico und dem Cadore), aus Italien, Österreich, Deutschland, Schweiz, Albanien, Frankreich, Ukraine, Tschechien, Polen, England, Schweden, Russland... waren im Laufe der Jahre im Kunstraum Café Mitterhofer zu Gast. Liegt der Schwerpunkt der Ausstellungstätigkeit auf der Fotografie, so gab es zwischendurch doch immer wieder Platz für Malerei, Grafik, Videokunst, Performance, Dichterlesungen, Buchvorstellungen, Musik.<BR /><BR /><BR /><Rechte_Copyright></Rechte_Copyright><BR /><BR /><BR /><BR />