Freitag, 10. Februar 2017

Liebespaare können 2.000 Jahre alten Kuss bewundern

Zum Valentinstag können Liebespaare in der verschütteten Stadt Pompeji einen fast 2.000 Jahre alten Kuss bewundern: Die sonst nicht zugängliche „Casa dei Casti Amanti“ (Haus der keuschen Liebenden) und das namensgebende Fresko, auf dem ein züchtiger Kuss zu sehen ist, werden am Wochenende der Öffentlichkeit präsentiert. Anschließend wird das Gebäude für umfassende Renovierungsarbeiten geschlossen.

Eines der zahlreichen gut erhaltenen Fresken in Pompeji.
Eines der zahlreichen gut erhaltenen Fresken in Pompeji. - Foto: © shutterstock

Das Haus werde zum Valentinstag am kommenden Dienstag geöffnet, um der Öffentlichkeit vor der geplanten Renovierung noch einmal einen Einblick zu geben, sagte der leitende Architekt Michele Granatiero.

Die Sanierung sei architektonisch, baulich und technisch „von großer Bedeutung“. Unter anderem werden rostende Stangen der Dachkonstruktion ersetzt, außerdem soll ein überdachter Gang für Besucher errichtet werden. Am Wochenende werden vorerst nur Gruppen von bis zu 20 Leuten das Haus bewundern können.

Die römische Stadt Pompeji am Golf von Neapel wurde im Jahr 79 ausgelöscht, als der Vesuv ausbrach und Asche und Lava die Siedlung unter sich begruben. Im 19. Jahrhundert wurde die Stadt wiederentdeckt. Heute ist Pompeji eine der am besten erhaltenen antiken Stadtruinen und gehört zum Weltkulturerbe der Unesco.

Haus 1912 erstmals erkundet

Das Haus der keuschen Liebenden in der Via dell' Abbondanza gehörte einst einem wohlhabenden Bäcker. Neben dem berühmten Wandbild im Triclinum genannten Speisesaal sind auch der Garten, eine Mühle und Ställe mit versteinerten Skeletten von Maultieren und einem Esel erhalten geblieben.

Der 1.500 Quadratmeter große Gebäudekomplex wurde 1912 erstmals erkundet. Ein freigelegter Balkon wurde im Zweiten Weltkrieg bei einem Bombenangriff zerstört. Ernsthafte Ausgrabungsarbeiten begannen erst 1982 und dauerten bis 2004. 2010 wurde das Haus für Besucher geöffnet – allerdings nur kurzzeitig.

Das Haus sei beispielhaft für die „Schönheit und die Schwierigkeiten Pompejis“, sagte die Archäologin Alberta Mattelone. Pompeji ist mit 3,2 Millionen Besuchern im Jahr 2016 nach dem Kolosseum in Rom die meistbesuchte Ausgrabungsstätte Italiens. In den vergangenen Jahren machte die antike Stadt jedoch vor allem durch den drohenden Verfall und spektakuläre Zusammenbrüche von sich reden.

apa/afp

stol