<b>von Eva Gratl</b><BR /><BR />Angeregt von der Abteilung für Bildung Kultur und Chancengleichheit der Gemeinde zeigt die Schau Werke von Künstlerinnen der vergangenen 2 Jahrhunderte. Spannend sind ihre Biografien, die ans Licht geholt werden, denn zum Teil gerieten manche von ihnen in Vergessenheit, oft waren sie kaum bekannt, weil nur zeitweilig in Meran ansässig, einige nur auf der Durchreise.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1004474_image" /></div> <BR /><BR /> Die Vielfalt der künstlerischen Arbeiten unterstreicht Erfolgsgeschichten und Wiederentdeckungen und präsentiert somit ein Kapitel weiblicher Kunstgeschichte. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1004477_image" /></div> <BR /><BR />Nicht Musen waren diese Frauen, sondern Künstlerinnen, die ihren Anspruch auf Verwirklichung durch Kunst durchzusetzen versuchten und unter bestimmten gesellschaftlichen Bedingungen ihren Weg finden mussten. So treten in der Schau, für die die Künstlerin <b>Elisabeth Hölzl</b> den Katalog und die Ausstellungsarchitektur gestaltet hat, <b>Anna Ègösi, Käthe Busch Federspiel, Franca Ghitti, Johanna von Isser Großrubatscher, Lila Gruner, Aliza Mandel, Emilie Mediz Pelikan, Ada von der Planitz, Liselotte Plangger Popp, Maria Radio von Radiis, Ilka Révai, Frieda Riss, Rina Riva, Dorothy Shakespear, Gina Klaber Thusek, Ellen Tornquist</b> und <b>Elfi Widmoser</b> aus „dem Schatten heraus“ und zeigen ihre Begabungen. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1004480_image" /></div> <h3> Ein Stück Emanzipationsgeschichte</h3><BR />Die Werke der 17 Künstlerinnen öffnen Türen und Blicke auf ganz unterschiedliche künstlerische Biografien und Schicksale. Die Kurstadt mit dem Bau von Hotels, dem südlichen Klima und dem internationalen Publikum wurde ab dem Ende des 19. Jahrhunderts für viele neuer, auch zeitweiliger Lebensmittelpunkt. Vor allem die Gründung zuerst des Kunst- und Gewerbevereins, der einen Ausstellungsraum hatte und 1905 des Meraner Künstlerbundes und sein Ausstellungsbetrieb waren für die Kunstschaffenden von Bedeutung.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1004483_image" /></div> <BR /><BR />Obwohl die Frauen in Österreich erst 1921 Zugang zur Wiener Kunstakademie erhielten, nahmen viele von ihnen an privaten Institutionen Unterricht. Erst später finden wir sie an den Akademien, vor allem in München. Viele verließen den für eine Frau vorgezeichneten bürgerlichen Weg und gestalteten ihr Leben frei. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1004486_image" /></div> <BR /><BR />Die Ausstellung gliedert sich in unterschiedliche Themen und unterstreicht somit die Bedeutung und Anziehungskraft der Stadt und ihrer Umgegend. So wählten Anni Egösi, Elfi Widmoser, Käthe Busch Federspiel Meran als Lebensmittelunkt. Auf der Durchreise oder nur zeitweilig in Meran waren Johanna von Isser Großrubatscher, Emili Mediz Pelikan, Ellen Tornquist, Lila Gruner, Liselotte Plangger Popp. Besonders nahe gehen die „Jüdischen Schicksale“ von Ilka Révai, Maria Radio von Radiis und Aliza Mandel, ebenso die „Vergessenen“, wie Ada von der Planitz und Walfrieda „Frieda“ Riss. Erfolgsgeschichten haben Rina Riva, Gina Klaber Thusek, Franca Ghitti und Dorothy Shakespear Pound zu bieten. Sie stehen für die „Öffnung nach außen“, sind Weltenbürgerinnen und unterstreichen innovative Tendenzen in ihrem Kunstschaffen. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1004489_image" /></div> <h3> Eigenständige Karrieren</h3><BR />Einen fulminanten Auftakt bilden in der Ausstellung „Women in Art“ die Werke von Ellen Tornquist (1871-1944) und Emili Mediz Pelikan (1861-1908). Beides außergewöhnliche Künstlerpersönlichkeiten, erfolgreich, zeitweilig auch in Meran sesshaft, Mediz Pelikan nur auf der Durchreise. Ellen Tornquist besitzt inzwischen in der Villa Freischütz in Obermais ein eigenes Museum, Mediz Pelikan gilt heute als eine der bedeutendsten Künstlerinnen um 1900. Tornquist hielt sich ab 1905 immer wieder in Meran auf, beteiligte sich an Ausstellungen des Meraner Künstlerbundes, betrieb eine eigene Malschule. Wie sehr sie die Bergwelt Tirols liebte, beweist die grandiose Darstellung des Sellastocks. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1004492_image" /></div> <BR /><BR />Mediz Pelikan, lange in Vergessenheit geraten, wurde erst spät wiederentdeckt. Ihr großes Werk „Erinnerungen an Mittelberg“ ist eine symbolistische Landschaftsdarstellung der Extraklasse und unterstreicht das außerordentliche Talent der Künstlerin. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1004495_image" /></div> <BR /><BR />Eigenständig und selbstbewusst waren auch Anni Ègösi und Elfi Widmoser, Lehrerin und Schülerin. Erstere besticht mit einem fast japanisch anmutenden Blumenzweig, nahe geht auch der Titel eines Werkes von Elfi Widmoser, das „Requiem für einen Mammutbaum“. Da war jemand wohl seiner Zeit weit voraus. Warum ihre Karrieren am Rande blieben? Ègösi trifft es: <i>„Ich hätte vielleicht sorgloser leben können, wenn ich mehr ans Verkaufen gedacht hätte, aber für mich richtiger gewiss nicht.“</i><BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1004498_image" /></div> <h3> Ein Atelier in Meran Mühlgraben</h3><BR />Eine besondere Entdeckung ist die ungarische Fotografin Ilka Révai (1873-1945), die 1911 in Meran ein Atelier für „bildmäßige Porträt-Photographie“ besaß. Ihre Biografie erlaubt auch einen Blick auf ein tragisches Schicksal und steht stellvertretend für weitere jüdische Künstlerinnen. Die Fotografin hielt sich zwischen 1911 und 1913 in Meran auf, beteiligte sich dort an Ausstellungen, zog dann nach Paris und schließlich in ihre Heimat Budapest, wo sie Mitglied eines literarischen Salons war. Bekannt wurde sie mit ihren Fotografien des ungarischen Schriftstellers und Malers Lajos Kassack. Ihr Leben endete tragisch, 1945 kam sie im Ghetto in Budapest um.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1004501_image" /></div> <h3> Selbstbewusste Freskomalerin</h3><BR />Fast unbekannt sind Biografie und Werke der Malerin Maria Sarah Freudenfels (Innsbruck 1877-Tscherms 1941). Sie war Tochter jüdischer Eltern, die aus Tschechien 1884 nach Meran zog und dort zum Katholizismus konvertierte. Sie heiratete Karl Radio von Radiis (1870-1929), Abgeordneten der Königlichen Italienischen Kammer, Kaiserjäger-Offizier und Großgrundbesitzer. Ihr Vater engagierte sich im öffentlichen Leben Merans und ließ den Unterschöpferhof in Tscherms zu Schloss Baslan ausbauen. Durch ihre Freundschaft mit dem Denkmalpfleger Alois Garber erhielt sie in Tscherms den Auftrag, ein Altarbild mit der Kreuzigungsszene für die Friedhofskapelle zu schaffen; von der Künstlerin stammen auch die 14 Kreuzwegstationen in der dortigen Pfarrkirche und das Fassadenfresko des Ansitzes mit dem Heiligen Michael. Ihre Werke wie die stimmungsvolle impressionistische Frau mit Sonnenschirm sind ein besonderer Glücksfall für die Schau, ebenso die Abbildung, welche Plakat und Einladung ziert: Selbstbewusst steht die Künstlerin mit Palette vor der Kreuzigungsdarstellung. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1004504_image" /></div> <h3> Übermächtiger Vater</h3><BR />Vielleicht wäre die Karriere von Walfrieda „Frieda“ Riss in einer anderen Zeit anders verlaufen. Thomas Riss, der Vater, wurde durch Landschaftsbilder mit Tiroler Motiven berühmt. Auch Frida schlug die künstlerische Laufbahn ein, es gelang ihr aber nicht, dieser „übermächtigen Vaterfigur“ zu entkommen und so gehört sie zu den „Vergessenen“. Sie hat wohl den Vater bei verschiedenen Aufträgen unterstützt, die Ausstellung präsentiert nun eigenständige Werke. Bekannt ist ihr Porträt Maximilian Markarts, Bürgermeister von Meran.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1004507_image" /></div> <BR /><BR />I<h3> n der Druckgrafik erfolgreich</h3><BR />Rina Riva und Franca Ghitti, Gina Klaber Thusek, Dorothy Shakespear Pound: Sie haben besondere Zeichen gesetzt. Dabei spielt auch die Brunnenburg eine herausragende Rolle, wo Ghitti u.a. 1979 das „Ghitti gate“, eine innovative Gitterskulptur schuf und Werke von Shakespear hängen. Abstrakt die Arbeiten der herausragenden Grafikerin Riva, die Mitbegründerin und Leiterin des Instituts für Kunstgrafik in Meran war. Ihre avantgardistische Bildsprache, ihr Dialog zwischen Abstraktion und Realismus unterstreicht, welch ausdrucksstarke Künstlerin sie war.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1004510_image" /></div> <BR />Das trifft natürlich auf alle zu, und so werden zum Teil unbekannte Namen ins Gedächtnis geholt. Das Museum gehört bis September den Frauen, die Kunst nicht nebenbei betrieben, zum Teil gleichberechtigte Beziehungen mit ihrem Künstlerpartner führten, ihren Mädchennamen nicht ablegten, sich mit Gleichgesinnten austauschten, die Ausstellungsmöglichkeiten der damaligen Zeit nutzten. Leider war es oft einfacher, auf die Heroen der Kunstgeschichte zu blicken, und so bringt es Gabriele Münter, die auf der Durchreise in Lana eine schöne Baumblüte schuf, auf den Punkt: <Kursiv>„Ich komme mir leicht 'wenig' vor, war uneitel, betrieb kein Ego-Marketing“.</Kursiv><BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1004513_image" /></div> <BR /><BR />Das sagt vieles darüber aus, warum oft Künstlerinnen nicht ins Rampenlicht rückten und aus den Kunst-Geschichten rausgeschrieben wurden.<BR /><BR /><BR /><b>Termin:</b> Palais Mamming Museum, bis 30. September<BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR />