Der 2005 mit dem Turner-Prize, dem inoffiziellen Kunst-Oskar, ausgezeichnete Brite Simon Starling zeigt in Bozen seine 2004 entstandene Arbeit „Inverted funicular bridge" - eine begehbare Brücke aus imprägniertem Hanfseil. Inspiriert von Entwürfen der Architekten Antoni Gaudí und Frei Otto entwarf Starling die Umkehrung einer hängenden Seilkonstruktion. Im Erdgeschoss des Museion wurden Hanfseile an der Geschossdecke befestigt und mit Kunstharz „eingefroren". Anschließend wurde dieses Tragwerk „auf den Kopf gestellt". Damit fügt sich Simon Starlings vor Ort eingerichtete Brücke in den Architekturraum des Museion ein. In „Inverted funicular bridge" spielt der Künstler virtuos mit Architekturelementen: Dessen Brücke scheint das Verhältnis zwischen Decke und Fußboden im Ausstellungsraum umzukehren, die „erstarrten" Seile verlieren hier ihre Beweglichkeit und Flexibilität. Mit seinen Arbeiten sucht Starling den Dialog mit dem Betrachter - und dessen Verunsicherung. Der Künstler ermutigt sein Publikum, sich mit der Geschichte des ausgestellten Objekts, dessen Umgestaltung und dessen Konstruktion aktiv auseinanderzusetzen. Auch deshalb ist die Brücke begehbar.Andro Wekua hat die Ausstellung „Workshop Report" für das Museion und das Zentrum für zeitgenössische Kunst Wiels in Brüssel konzipiert. Der 1977 in Sochumi an der georgischen Schwarzmeerküste geborene Künstler zeigt in Bozen und Brüssel frühere Arbeiten und Werke, die eigens für diesen Anlass entstanden sind. Im Zentrum der Ausstellung stehen die beiden Videos „Sicut Lilium Inter Spinas" (2003) und „By the Window" (2008). Der erste Videofilm beginnt und endet mit dem Bild eines Hauses am Meer und enthält visuelle Fragmente, die auf die Jugend des Künstlers und auf den Tod von dessen Vater verweist. Das zweite Video zeigt eine männliche Schaufensterpuppe, deren Füße auf einem Tisch liegen. Puppe und Tisch befinden sich in einer bunten Schachtel. In dieser Kulisse ist ein Bildschirm angebracht, auf dem Sonnenuntergänge und Meereslandschaften, Häuser und bewegliche Schaufensterpuppen zu sehen sind - auch diese Elemente stammen aus dem persönlichen Bildarchiv dieses Künstlers. Die Inszenierung der Erinnerung und das Spiel mit Fiktion und Wirklichkeit unterstreichen die Komplexität von Wahrnehmung. Andro Wekuas Oeuvre umfasst Gemälde, Collagen, Keramiken, Installationen und Videos Dabei interessiert ihn nicht so sehr die Erinnerung selbst als vielmehr die Verknüpfung von Erinnerung und Einbildung. Carmen Müllers „Notizen aus Gärten" zeigen in der in Südtirol praktizierten Gartenpflege außergewöhnliche Architekturen und geometrische Anlagen, die mit einfachsten Mitteln auskommen. Es geht hier um private Gärten, die oft Pensionisten gehören und sich durch eine eigenständige Handschrift auszeichnen.Die Untersuchungen der Künstlerin stützen sich auf eine mehr als dreißigjährige Auseinandersetzung mit dem Thema Gartenbau. Die Künstlerin hat ihre Materialien in einer Publikation veröffentlicht (Carmen Müller, Notizen aus Gärten, Folio Verlag, Broschur mit Schutzumschlag, ca. 104 S., 17 x 25 cm, zahlreiche Farbabbildungen).Die Ausstellung ist bis zum 30. August zu sehen. Die Bandbreite der im Museion ausgestellten Arbeiten reicht von der Fotografie bis zur Installation. Dazu kommt eine umfangreiche schriftliche Dokumentation: Tagebücher, Notizhefte, Skizzen und Zeichnungen von Pflanzen oder ein Glossar mit gärtnerischen Dialektausdrücken Die Fotos zeigen Äste, Stäbe, Tücher, aber auch Blechtonnen und metallene Betteinsätze - geometrische Gebilde, die vom Auge der Künstlerin mit der Präzision einer Chirurgin „dekonstruiert" werden.