Dienstag, 11. August 2020

Neue Wege in Pompeji: Italiens Archäologie blickt in die Zukunft

Zwischen antiken Tempeln und Palästen auf dem Gelände des Forum Romanum in Rom merkt man den Wandel sofort. Wegen der Corona-Vorsorge wurde die Zahl der Tickets deutlich runtergeschraubt. Weil sich die Gäste in eine Richtung bewegen sollen, sind Teile des Wegenetzes abgesperrt. Andernorts ist es ähnlich.

So leer, wie in diesem Jahr, hat man Pompeji wohl selten gesehen.
So leer, wie in diesem Jahr, hat man Pompeji wohl selten gesehen. - Foto: © shutterstock
In den Grabungsstätten hat die Pandemie den Alltag massiv umgekrempelt. „Die Archäologie in Italien tastet sich vorsichtig wieder heran an die Normalität“, so beschreibt Ortwin Dally die Lage. Dally ist leitender Direktor der Abteilung Rom beim Deutschen Archäologischen Institut.

Kulturschätze in diesem Jahr leer

„Ruinenstätten wie das Kolosseum sind nach wie vor sehr leer. Das ist einerseits schön – die Italiener selber entdecken ihre Kulturschätze gerade teilweise neu. So leer hat man auch Pompeji noch nie gesehen“, berichtet Dally. Andererseits sei diese Leere aber auch Anzeichen dafür, dass die Einnahmen dramatisch weggebrochen sind. Knapp 4 Millionen Besucher strömten 2019 durch die bei einem Vulkanausbruch verschüttete, antike Stadt am Fuße des Vesuvs. Jetzt seien die Zahlen sehr stark reduziert.

Italienische Museen mit im Lockdown

Von März bis Mai waren die italienischen Museen mit im Lockdown. Die Arbeit vieler Mitarbeiter sei aber auch während der Schließung weiter gegangen.Wegen der Einnahme-Ausfälle habe die Regierung in Rom viele Millionen Euro bereitgestellt.

Kultur-Touristen sollen sich zum Corona-Schutz in Pompeji an feste Routen auf dem Gelände halten. Manche Ruinen mussten geschlossen werden, weil Eingang und Ausgang identisch waren, so Massimo Osanna, Generaldirektor von Pompeji. „Wir mussten unsere Stätten neu überdenken. 2 Zugangswege waren ein Muss. Deswegen haben wir nun teils andere Stätten geöffnet, die vorher zu waren.“

Forschung stark eingeschränkt

Den deutsche Archäologen und Italien-Fachmann Dally beschäftigen noch 2 andere Dinge: die Forschung und die Grabungen selbst. „Die Forschung ist zwar weiter gegangen. Aber es gibt große Einschränkungen. Der Zugang zu Bibliotheken und Magazinen, in denen die Exponate lagern, ist weiterhin nur schwer möglich“, berichtet er. „Doch Altertumsforscher sind darauf angewiesen, dass sie die Objekte, zum Beispiel Keramiken, wirklich vor sich sehen. All das ist in der Corona-Phase kaum mehr möglich. Das behindert die Forschung.“

apa/dpa

Schlagwörter: