Sonntag, 08. November 2015

Neuer Uffizien-Leiter: „Keine Schlangen vor Museum mehr“

Der neuernannte Direktor der Uffizien, Eike Schmidt, will Besucherschlangen vor dem Eingang des weltbekannten Florentiner Museums bekämpfen. „Die Schlangen vor den Uffizien-Eingängen sind unerträglich. Man kann Besuchern nicht zumuten, dass sie stundenlang auf den Eintritt warten müssen“, erklärte der 47-Jährige in der toskanischen Tageszeitung „Il Tirreno“ vom Sonntag.

Der neue Leiter der Uffizien in Rom will Menschenschlangen in Zukunft vermeiden. - Archivbild
Der neue Leiter der Uffizien in Rom will Menschenschlangen in Zukunft vermeiden. - Archivbild

Schmidt betonte, dass die langen Schlangen ein strukturelles Problem der Uffizien seien, das unbedingt bekämpft werden müsse. „Ich habe diesbezüglich viele Ideen. Mit Logistik, neuen Technologien und einer anderen Organisation der Besuche können wir das Problem lösen“, sagte Schmidt, der das Amt des Uffizien-Direktors dieser Tage übernimmt.

Schlangen gebe es zwar auch vor dem Louvre, sie seien jedoch nicht mit jenen der Uffizien zu vergleichen.

Schmidt sprach sich auch gegen die Verleihen von Uffizien-Werken an Museen im Ausland aus. „Statt unsere Werke in die Welt hinaus zu schicken, sollten wir lieber Touristen nach Florenz locken“, betonte der Kunsthistoriker mit Erfahrung beim Paul Getty Museum in Los Angeles und bei Sotheby's in London.

Geheimgang soll Besuchern geöffnet werden

Schmidt will auch die Räumlichkeiten des Museums einschränken, die für Events und Empfänge vermietet werden können, was vor allem in den letzten Jahren für Diskussionen gesorgt hatte. „In den Uffizien wird es weiterhin Events geben, aber nur in der Bar und auf der Terrasse, nicht mehr in den Sälen“, betonte der Deutsche.

Sein weiteres Anliegen sei es, den 750 Meter langen Geheimgang quer durch die Gebäude von Florenz aus dem 16. Jahrhundert, den Vasarikorridor Besuchern zu öffnen. Derzeit ist der Gang, der unter den Dächern der Stadt vom Palazzo Vecchio zum Palazzo Pitti verläuft und auch über den Ponte Vecchio führt, nur bei besonderen Anlässen zugänglich.

Es handelt sich um ein einzigartiges Bauwerk, mit dessen Hilfe die mächtige Medici-Familie in der Innenstadt ungesehen spionieren konnte.

„Es ist schade, dass der Korridor nicht den Besuchern zugänglich ist. Das Thema muss in Angriff genommen werden“, betonte Schmidt. Bald sollen die Arbeiten zur Erweiterung der Uffizien abgeschlossen werden. Mit der Einrichtung der neuen Säle wird sich der scheidende Museumsleiter Antonio Natali befassen.

Schmidt zählt zu den 20 Direktoren autonomer Museen, die das italienische Kulturministerium nach einem internationalen Wettbewerb im August ernannt hat. Zu den 20 autonomen Museen gehören auch der Palazzo Ducale in der lombardischen Stadt Mantua, der seit wenigen Tagen von Peter Assmann, Ex-Leiter des Privatmuseums Angerlehner in Thalheim, geführt wird, sowie die Galleria Nazionale delle Marche in der Stadt Urbino, zu deren Direktor der Linzer Peter Aufreiter ernannt wurde.

apa

stol