„Textiles ist mein Zugang, schließlich waren meine Vorfahren Weber aus dem Pfitschertal“, sagt der Künstler. Beides vereint er nun in einem Schriftzug, der so gar nicht zum Ort passt, an dem er hängt und doch Vieles offenlegt, der Grenzen auflöst und Räume verbindet. <b>Von Eva Gratl<BR /></b><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1227570_image" /></div> <BR /><BR />Groenlandia, das hat sich der Künstler in den Kopf gesetzt, Groenlandia muss unsere Gedanken in eine andere Richtung lenken, wenn wir die Autobahn über der Franzensfeste passieren. Groenlandia muss auf der Festung im Stile Hollywoods prangen. Bester Blick von der Autobahn aus, elf Buchstaben in drei Meter Größe, denn „Groenlandia ist überall“. Es ist, wie man es vom Künstler gewohnt ist, ein poetisch-politisches Statement, das viel Metaphorik in sich birgt. „Die Festung wird zur diskursiven Plattform, zu einem Resonanzkörper für Fragen, die weit über ihren geografischen Kontext hinausreichen.“<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1227573_image" /></div> <BR /><BR /><BR /><b>Nicht mehr Franzensfeste, sondern Groenlandia? Was hat es mit diesem verblüffenden Wort auf der Festung auf sich?</b><BR /> Leander Schwazer: Es ist wie ein Traum: Die Schrift auf der Festung Franzensfeste ist eine unerwartete Begegnung zwischen den Reisenden auf der Brennerautobahn und dem Schriftzug – zum Greifen nah, und doch unerreichbar fern, ein flüchtiger Augenblick – ist das alles nur geträumt? <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1227576_image" /></div> <BR /><b><BR />Hollywood lässt grüßen...</b><BR /><?Schrift Spationierung="0ru"> Schwazer: Ja, genau die Traumfabrik, mit ihrem berühmten Schriftzug in den Bergen über Los Angeles, unglaublich nah und doch so fern. Das Kunstwerk richtet sich an ein weit größeres als an ein exklusives Kunstpublikum im White Cube eines Museums. Ein Traum.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1227579_image" /></div> <BR /><?_Schrift> <BR /><BR /><b>Wie kommst Du auf diese doch etwas verrückte Idee? Gab es eine Initialzündung?</b><BR />Schwazer: Die Festung Franzensfeste ist selbst eine Art Insel, historisch stand sie für Wehrhaftigkeit. Die Festung passt in ihrem Zweck und ihrer Lage genau in mein Konzept, wo sprachliche und visuelle Komponenten miteinander verschmelzen. Grönland ist die größte Insel der Welt, interessierte bis vor kurzem aber fast nur Wissenschaftler und Abenteuertouristen. Jetzt weckt das Land plötzlich Begehrlichkeiten. Unter der schmelzenden Eisdecke werden wichtige Rohstoffe für die Hightech-Industrie vermutet. Auf der dünn besiedelten Insel Grönland bündeln sich wie in einem Brennglas das Kollidieren von Zivilisation und Natur, globale Erderwärmung, Post- und Neokolonialismus, Begehrlichkeiten der Hightech-Industrie, Macht und Widerstand. Die Schrift könnte als Werbung für einen Vergnügungspark gelesen werden, oder aber als eine Plattform, auf der die weltweit drängenden Fragen der Gegenwart verhandelt werden.<BR /><BR /><BR /><b>Die Umsetzung war sicher nicht einfach....</b><BR />Schwazer: Das Projekt ist eine Herausforderung, zum Schluss haben sich aber eine Reihe von privaten Unterstützern hinter das Projekt gestellt und dank ihnen ging alles ganz glatt. Das Kunstwerk ist außerhalb des wind- und wettergeschützten Raumes des Museums in einem erweiterten Resonanzraum situiert, und dieser ist integraler Bestandteil des Werkes. Alle Reaktionen, ob öffentlich oder im Stillen, gehören als eigene Schicht zu dem Werk dazu, genauso wie der Wind, der an den Buchstaben nagt. <BR /><BR /><BR /><b>Keine Eisbären, keine Eisschollen, sondern Kriegsräume: Gibt es sozusagen den „missing-link“?</b><BR />Schwazer: So unwahrscheinlich die Wahlverwandtschaft zwischen der Festung und der Insel im Eismeer ist: Grönland ist überall.<BR /><h3> Zur Person Leander Schwazer</h3>Der Künstler stammt aus Sterzing, wohnt und arbeitet in Wiesen. Von 2005-8 absolvierte er den Bachelor of Fine Art an der Zürcher Hochschule der Künste, von 2007-8 an der Central Academy of Fine Art in Peking, von 2012-14 den Master of Fine Art am California Institute of the Arts, Valencia (US). 2021 wurde ihm der Benno Barth Award, der gleichnamigen Stiftung zuerkannt. Er wird von der Galerie A. Casciaro vertreten.