Donnerstag, 20. Juni 2019

Nobel-Museum erhält bedeutendes Einstein-Manuskript

Das Nobel-Museum in Stockholm erhält für seine Ausstellung ein bedeutendes handschriftliches Manuskript Albert Einsteins. Bei dem am 21. Dezember 1922 veröffentlichten Schreiben handelt es sich nach Angaben des Museums um die erste Arbeit, die Einstein nach dem Erhalt des Nobelpreises verfasste. Darin verteidigt der Physiker seine damals noch kontrovers diskutierte Allgemeine Relativitätstheorie.

Einstein-Manuskripte sind naturgemäß begehrt. - Foto: APA (Archiv/AFP)
Einstein-Manuskripte sind naturgemäß begehrt. - Foto: APA (Archiv/AFP)

Es handle sich um Einsteins Antwort auf einen Artikel des deutschen Mathematikers Erich Trefftz im Fachblatt „Annalen der Physik”, der in seiner wissenschaftlichen Abhandlung „Das statistische Gravitationsfeld zweier Massenpunkte in der Einsteinschen Theorie” neue Lösungen für die Relativitätstheorie vorgelegt hatte.

Auf den zwei Blättern finden sich Anmerkungen des deutschen Physikers Max von Laue, der bereits 1914 den Physik-Nobelpreis erhalten hatte. In dessen Besitz war das Einstein-Manuskript bis 1948, danach wanderte es von Sammler zu Sammler.

”In seinem Artikel legte Einstein dar, dass diese Lösungen nicht korrekt sind”, sagte Gustav Källstrand, Hauptkurator am Nobel-Museum, der Nachrichtenagentur AFP. Die Preußische Akademie der Wissenschaften veröffentlichte Einsteins Artikel am 21. Dezember 1922.

Die Abhandlung sei ein Beleg dafür, dass Einsteins Theorien auch nach seiner Auszeichnung mit dem Nobelpreis noch für kontroverse Debatten unter Wissenschaftlern sorgten, und „dass Albert Einstein selbst Teil dieser Debatte war”, sagte Källstrand.

Dokument enthält Relativitätstheorie

Die Schwedische Akademie hatte Einstein am 10. Dezember 1922 den Physik-Nobelpreis verliehen - allerdings nicht für seine heute als bahnbrechend geltende Relativitätstheorie, sondern für seine „Entdeckung des Gesetzes des photoelektrischen Effekts”.

Der 1879 geborene und 1955 gestorbene Einstein sei bis heute der „Triumph der Vernunft und das Gesicht der Wissenschaft”, sagte Källstrand. „Er ist der Archetyp eines wissenschaftlichen Genies. Wenn jemand 'Wissenschaftler' sagt, sehen die meisten Menschen Albert Einstein vor ihrem inneren Auge.”

Der schwedische Unternehmer Per Taube hatte das handschriftliche Manuskript im Dezember 2018 bei einer Auktion für 1,2 Millionen Schwedische Kronen (ca. 110.000 Euro) erworben und es anschließend an das Nobel-Museum gespendet. Dort soll das Manuskript ab Herbst öffentlich ausgestellt werden.

Einsteins Relativitätstheorie hat das Verständnis der Menschheit vom Universum und wichtiger physikalischer Phänomene grundlegend revolutioniert. Sie zählt zu den großen und mittlerweile unangefochtenen physikalischen Theorien des 20. Jahrhunderts.

apa/ag.

stol