Es sind starke Bilder, mit denen er zeigen will, was männliche Übermacht an Frauen anrichten kann. Mit geschultem Auge blickt er auf sie – niemals voyeuristisch, sondern fängt immer mit großer Demut den Schmerz ein. „Anthologie des Besonderen Augenblicks“ ist eine Fotoschau, die nachdenklich stimmt.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1028916_image" /></div> <BR /><BR /><b>Schon lange beschäftigen Sie sich in der Fotografie mit dem Menschen, Porträtfotos gehören zu Ihrem Portfolio. Diesmal ist Ihr Blick auf den weiblichen Körper gerichtet. Mit großem Feingefühl nähern Sie sich an Ihr Sujet und halten auch Blessuren fest. Warum jetzt diese Entscheidung?</b><BR />Gregor Khuen Belasi: Die Faszination für die Porträtfotografie und meiner langjährigen engen Auseinandersetzung mit dem Wesen Menschen, liegt wohl in der Zuneigung zu den Personen selbst. Das Porträt ist Ursprung dessen, wo für mich, jene sehr intime, persönliche und intensive aber vor allem emotionale Begegnung stattfindet. Um den Versuch zu unternehmen, einzutauchen in eine überaus individuelle Gefühlswelt des Porträtierten, um verborgene Gefühlsregungen in Mimik, Haltung und Gestik festzuhalten, bedarf es einer emotionalen Bereitschaft.<BR /><BR /><BR />In diesem speziellen Bilderzyklus, wo diese Vulnerabilität entscheidend ist, um auf die Realität hinzuweisen, dass Frauen Opfer von körperlicher, emotionaler und sexueller Gewalt werden, und ihre Körper schmerzhafte Spuren dieser Erfahrungen tragen, ist es unausweichlich den Körper als ungeschützte Einheit darzustellen. Verletzungen und Blessuren von Stichwaffen, Säuren, Ketten, welche am Körper sichtbar werden, sind schmerzhaft und über die Maßen unmenschlich, aber die wirklich qualvollen Verletzung der Peiniger liegen in der Psyche.<BR /><BR /><BR />Ich habe mich gefragt, wieso es eigentlich so lange dauert, politische Entscheidung zu treffen, die unablässig die Rechte der Frauen an jene des Mannes angleicht.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1028919_image" /></div> <BR /><BR /><b>In diesem Porträtzyklus hätte leicht eine Art Voyeurismus aufkommen können, doch es wurde eine Auseinandersetzung mit der großen Verletzlichkeit der Frau. Als ob Sie sie schützen möchten…</b><BR />Khuen Belasi: Der Ausdruck „voyeur“ (Seher), der aus dem Französischen kommt, ist ganz eng mit der Aufgabe des Fotografen oder Fotografin verbunden. Die Konnotation zum Voyeurismus ist nur soweit zulässig, als dass auch in der heutigen Bildkommunikation, eine Bildsprache Anwendung findet, welche über Generationen zum Einsatz kommt, die den sexualisierten Blickpunkt der Frau als ultimative geradezu notwendige Ausdrucksform verlangt. Wenn man das Thema Verletzlichkeit und sexualisierte Gewalt an Frauen visualisiert, dann ist es unumgänglich einen selektiven Blick zu entwickeln. Obgleich ich mir bewusst bin, dass mein Blick nicht frei ist von einem männlich geprägten Machtgefüge.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1028922_image" /></div> <BR /><BR /><b>Ja, denn gleichzeitig irritieren die starken Bilder auch. Wollen Sie damit wachrütteln, wen, warum?</b><BR />Khuen Belasi: Wenn ich eintauche in kreative Prozesse, dann verschwimmt vieles, meist sind die Wahrnehmungen eher zu soft, so als ob alles noch stärker sein müsste. Bei diesen Fotos gab es immer wieder Versuche, brutaler zu sein, noch mehr Agonie zu zeigen. Diesem Schmerz, den man in sich trägt, Ausdruck zu geben. Aber gerade darin liegt die Notwendigkeit, zu analysieren, wo die Schwelle zwischen Geschmacklos und Geschmackvoll zu ziehen ist. Ich hoffe, dass die Bilder einen gewissen Impakt haben, viele dazu bewegen, darüber zu reflektieren, was Gewalt in jeder Form mit uns macht.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1028925_image" /></div> <BR /><BR /><b>Auch liegt eine starke Symbolik in den Fotografien Ihrer dargestellten Frauen, e</b>ine Taktik? Oder gelingt dadurch die unmittelbare Aussage leichter?<BR />Khuen Belasi: Vieles lässt sich schneller mit einer Symbolik vermitteln. Ich verbinde Alltägliches mit Symbolen, die wir bewusst oder unbewusst kennen. Nicht immer klar erkennbar dennoch verständlich wie z.B. Bondage, LGBT oder Religion. Das ist absolut kein Spiel oder Taktik, ich glaube, dass durch diese Herangehensweise die unmittelbare Aussage besser gelingt, und es ermöglicht eine intuitive Verbindung mit den Betrachtern oder Betrachterinnen. Es ist wichtig, dass dieses ernste Thema absolut nicht oberflächlich gehandhabt wird. Ich setze mich intensiv damit auseinander, und hoffe, dass meine Botschaften klar verständlich sind.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1028928_image" /></div> <BR /><BR /><b>Auch gelingt es Ihnen, in diesen Ihren Porträtfotografien von Frauen, denen Schmerz zugefügt wurde, dass diese Stärke und eine gewisse Selbstbestimmtheit vermitteln…</b><BR />Khuen Belasi: Diese Frauen sind Opfer von Ohnmacht, aber nicht ohne jede Macht, sondern sie verkörpern die weibliche Stärke. Trotz allem kämpfen sie um patriarchale Strukturen zu überwinden. Denn in den meisten Fällen der Rechtsprechung, erfolgt leider keine gerechte Verurteilung der Tat und ihrer Täter. Es ist wichtig für mich, ihre Resilienz und ihre innere Haltung zu zeigen.<BR /><BR /><BR /><BR /><b>Was war und ist Ihr Anliegen, welches Frauenbild wollen Sie mit Ihren Bildern entwerfen?</b><BR />Khuen Belasi: Ich möchte keine stereotypen Frauenbilder zeigen. Auf meinen Fotos sollen Frauen zu sehen sein, die jede Betrachterin oder jeder Betrachter als jemanden aus ihrem oder seinem eigenen Leben kennen könnte, sei es als Freundin, Nachbarin oder Schwester.<BR /><BR /><BR /><b>Haben Sie dabei auch konkrete „Vorbilder“? Sie selbst sind ja von Frauen umgeben als Vater dreier Töchter…</b><BR />Khuen Belasi: Absolut, die eigene Familie und das direkte Umfeld prägen uns oft am stärksten. Meine Töchter haben einen starken Einfluss und sind ganz wichtige Lebensberater, dieser generationsübergreifende Effekt hält mich mit der Gegenwart verbunden.<BR /><BR /><BR /><b>Eröffnung:</b> 16.5., 19 Uhr, Lanserhaus Eppan, bis 27.5.<BR /><h3> Vita Gregor Khuen Belasi</h3><BR />Der Fotograf wurde 1961 in Bozen geboren. Von 1984-1986 studierte er an der „Bayerischen Staatslehranstalt für Photographie“ in München. Nach seinem Studium arbeitete er in Mailand. 1988 gründete er in Südtirol sein eigenes Fotostudio, hielt sich aber immer wieder im Ausland auf, wie etwa in Mallorca, Wien, New York, Barcelona, Sao Paulo oder auch in Italien in Florenz etwa. 1994 absolvierte er einen Workshop mit Ryszard Horowitz in Prag. Zahlreiche Ausstellungen in Südtirol und im Ausland sowie Preise und Nominierungen. Porträtfotografie steht im Mittelpunkt seines Schaffens. Gregor Khuen Belasi ist verheiratet, Vater von 3 Töchtern, er lebt und arbeitet in Kaltern. <BR /><BR /><BR />Eva Bernhard<BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR />