Sein Herzstück, der Altar aus der hellenistischen Metropole im Westen der heutigen Türkei, wurde samt dem prachtvollen Skulpturenfries mit dem Kampf der Götter und Giganten einer eingehenden Kontrolle unterzogen; dabei fielen alle nicht gesicherten Ergänzungen weg. Dafür sind nun viele Alltagsobjekte aus der Antikensammlung erstmals ausgestellt. 50.000 Fotos für einen 360°-Panorama-BlickUm dem Publikum den Gesamteindruck der antiken Anlage plastisch vor Augen zu führen – der ab 1879 nach Berlin gebrachte Altar umfasst nur etwa ein Drittel des eigentlichen Umfangs dieses schon von den Zeitgenossen als „Wunderwerk“ gefeierten Baus – erging ein Auftrag an einen Künstler, der offenbar keine Herausforderung scheut. Der Perser Yadegar Asisi (*1955 Wien), seines Zeichens Architekt und Spezialist für Perspektive, hat bereits mehrfach bewiesen, dass er ganze Landschaften samt Gebäuden, Tieren, Pflanzen und Menschen monumental und dennoch genauestens rekonstruieren kann.In Dresden löst in Kürze seine Darstellung des alten Rom die der Stadt Dresden im Jahr 1756 ab; für Leipzig hat er als Humboldt-Hommage „Amazonien“, ein traumhaftes Stück Regenwald, gemalt, das Anfang 2012 einem „Everest“-Rundgemälde weicht. In Berlin ist in einer eigens aufgebauten Stahl-Rotunde das antike Pergamon als 360°-Panorama zu betrachten, an dem Asisi fast fünf Jahre lang gearbeitet hat, um es penibel mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen der Altertumsforscher im Hause abzustimmen. Dazu waren viele Besuche in der Ruinenlandschaft von Bergama nötig, über 50.000 Fotos, bis jedes Detail erfasst, mit sämtlichen Skizzen und Dokumenten der Grabungen ergänzt war und die Rekonstruktion am Computer beginnen konnte. Das Ergebnis ist 25 Meter hoch und 100 Meter lang, umfasst also 2.500 Quadratmeter Polyesterbahnen, in die unzählige Puzzleteile perspektivisch genau eingepasst werden mussten. Das für diese Vergegenwärtigung gewählte Datum ist der 8. April 129 n. Chr.: Da besucht während der Dionysos-Festspiele der römische Kaiser Hadrian die blühende Stadt, die gerade seinem Vorgänger Trajan einen Tempel widmet, und erscheint im festlich geschmückten Theater. Denn das Riesen-Panorama zeigt nicht nur die aus den Ruinen neu erstandenen prächtigen Gebäude samt dem Altar mit seinem gewaltigen, bunten (!) Skulpturenschmuck, den Asisi sogar stilgerecht vervollständigt hat, sondern auch das Alltagsleben in der Stadt: Menschen bevölkern Gassen, Akropolis, Gärten und Markt, sind bei der Arbeit, im Gespräch, bei der Opferung im Tempel zu sehen. 24 Stunden im Schnelldurchlauf Die heutigen Besucher schauen von einer Plattform in 15 Metern Höhe auf die Stadt, als ob sie am Burgberg stünden. Nicht genug damit – auch die Geräusche sind rekonstruiert: Vogelgezwitscher, Pferdegetrappel, Hundegebell, das Brausen der Menschenstimmen am Markt, der Applaus für den hohen Besuch. Und das im Schnelldurchlauf eines Tages, denn die Sonne geht auf und leuchtet zu Mittag die ganze Szenerie aus, dann wird es langsam dunkel, und auch die Geräusche passen sich an – bis hin zum Hund, der auch nachts Wache hält. Der Rundgang am unteren Rand des Kolossalgemäldes führt dann das Ausmaß dieses Kunstwerks erst noch richtig vor Augen und lässt Einzelteile und Figuren auf Augenhöhe herantreten. Edith Moroder/D