Mittwoch, 16. März 2022

Russische Angriffe: Weltkulturerbe in Gefahr

Religiöse Stätten, ein mittelalterliches Stadtzentrum, unberührte Wälder: Die Ukraine weist ein reiches künstlerisches und religiöses Erbe und bedeutende Naturräume auf, die nun durch russische Angriffe bedroht sind. Allein 7 Stätten in der Ukraine stehen auf der Welterbeliste der UN-Kulturorganisation Unesco.

Es ist Krieg: Panzer und Raketen bestimmen den Alltag der Menschen in der Ukraine. - Foto: © APA/epa / SERGEY DOLZHENKO

Die berühmteste ist die Sophienkathedrale in der Hauptstadt Kiew. Die Kirche steht gemeinsam mit dem Höhlenkloster Lawra Petschersk und der Erlöserkirche von Berestowo seit 1990 auf der Unesco-Welterbeliste. Mit ihren Glockentürmen mit Goldspitze, ihren Mosaiken und Ikonen gehört die Sophienkathedrale zu den Wahrzeichen Kiews.

Für die Ukrainer und die Orthodoxe Kirche hat das Gotteshaus auch große symbolische Bedeutung. Ihr Bau wurde im elften Jahrhundert begonnen als Gegenentwurf zur Hagia Sophia im damaligen Konstantinopel, dem heutigen Istanbul. Die Kirche sollte das „neue Konstantinopel“ in einer nach der Taufe des Heiligen Wladimir im Jahr 988 neu christianisierten Region symbolisieren.

So sah Lwiw/Lemberg vor dem Krieg aus. - Foto: © shutterstock



Zweitwichtigste Welterbestätte der Ukraine und seit 1998 auf der Liste ist das historische Stadtzentrum von Lemberg (Lwiw). Die im Mittelalter gegründete Stadt im Westen der Ukraine hat in ihrem Kern das mittelalterliche Stadtbild weitgehend bewahrt und verfügt zudem über herausragende Bauwerke des Barock.

Die Residenz der Metropoliten der Bukowina und Dalmatiens in Czernowitz (Tscherniwzi) - Foto: © shutterstock



Seit 2011 zum Welterbe gehört die Residenz der Metropoliten der Bukowina und Dalmatiens in Czernowitz (Tscherniwzi). Der riesige Komplex mit Kloster, Kirche, Seminar, Garten und Park wurde im 19. Jahrhundert erbaut und erstreckt sich über eine Fläche von 8 Hektar.
Ebenfalls zum Weltkulturerbe gehört eine Reihe von Holzkirchen in der gebirgigen Karpartenregion zwischen Polen und der Ukraine. 8 der runden Holzbauten aus dem 16. bis 19. Jahrhundert liegen auf ukrainischem Gebiet.

Ein Messpunkt des Struve-Bogens in einem ukrainischen Weizenfeld. - Foto: © shutterstock



Über mehrere Staaten erstreckt sich der zum Welterbe gehörende Struve-Bogen, eine Reihe von im 19. Jahrhundert angelegten geographischen Messpunkten zwischen Norwegen und dem Schwarzen Meer, von denen mehrere in der Ukraine liegen.

Auch die zum Weltnaturerbe gehörenden alten Buchenwälder und Buchenurwälder der Karparten erstrecken sich teilweise auf ukrainischem Gebiet.

Seit 2013 zum Welterbe gehört die antike Stadt Chersones auf der 2014 von Russland annektierten ukrainischen Krim-Halbinsel, eine im fünften Jahrhundert vor Christus von Griechen am Ufer des Schwarzen Meeres gegründete Siedlung.

17 weitere Stätten in der Ukraine stehen auf einer sogenannten Tentativliste, das heißt sie sind für eine Nominierung zur Aufnahme ins Welterbe vorgesehen. Dazu gehört vor allem die Altstadt der Hafenstadt Odessa sowie das mittelalterliche Stadtzentrum von Tschernihiw nördlich von Kiew. Die Stadt war in den vergangenen Tagen Ziel heftiger Angriffe der russischen Armee.

Auf Odessa (im Bild: das Opernhaus) fallen nun russische Bomben. - Foto: © shutterstock


Vor dem Opernhaus in der südukrainischen Hafenstadt Odessa stehen Panzersperren und Sandsäcke. Am Wochenende hat sich dort das Ensemble versammelt und ein spontanes Konzert gegen den Krieg gegeben.

apa/afp

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