Montag, 29. Juli 2019

Sammlung Jablonka geht als Stiftung an die Albertina

Einen bedeutenden Sammlungszuwachs meldet die Wiener Albertina: Der deutsche Kunsthändler, Galerist und Ausstellungskurator Rafael Jablonka hat sich entschlossen, seine über 400 Werke der amerikanischen und deutschen Kunst der 80er Jahre umfassende Sammlung in eine an der Albertina verankerte Stiftung einzubringen. Schon 2020 werden die Arbeiten in mehreren Ausstellungen zu sehen sein.

Kunsthändler, Galerist und Ausstellungskurator Rafael Jablonka schenkt 400 Werke aus seiner Sammlung der Wiener Albertina.
Kunsthändler, Galerist und Ausstellungskurator Rafael Jablonka schenkt 400 Werke aus seiner Sammlung der Wiener Albertina.

”Für Wien ist die Sammlung kunsthistorisch unendlich wichtig”, freute sich Albertina-Generaldirektor Klaus Albrecht Schröder am Montag im Gespräch mit der APA darüber, dass Jablonka, der seine Galerien in Deutschland 2017 geschlossen hat, sich nicht für Köln, Warschau oder Nürnberg, wo man sich überall Hoffnungen gemacht hatte, sondern für Wien als Standort der „Rafael und Teresa Jablonka Stiftung” entschieden habe. Ähnlich wie bei der Sammlung Batliner sei damit gesichert, dass diese auf Dauer und zur Gänze an die Albertina gebunden bleibe.

Die Werke werden bereits von den verschiedenen Standorten in Europa in das ehemalige Essl-Museum nach Klosterneuburg gebracht, wo mit Investitionen von rund 5 Mio. Euro das neue Zentraldepot der Albertina für Kunst nach 1945 entstanden ist, das mittelfristig auch die anderen Depot-Standorte des Hauses ersetzen soll.

”Ich wollte für die Künstler, von denen ich hoffe, dass sie in 30 oder 50 Jahren für die Menschen ebenso wichtig sein werden wie heute Picasso, das beste Museum, jedenfalls das richtige haben”, wird Rafael Jablonka in einer Presseunterlage zitiert. Neben alleine 240 Arbeiten des japanischen Fotografen Nobiyoshi Araki umfasst die Sammlung Werke von Mike Kelley, Philip Taaffe, Roni Horn, Francesco Clemente, Richard Deacon, Damien Hirst, Richard Avedon, Andreas Slominski und anderen. „Wir hatten bisher keine Arbeiten von Sherrie Levine und haben nun auf einen Schlag 40. Wir hatten bisher nur wenige Werke von Eric Fischl, dem wir schon vor Jahren eine Ausstellung gewidmet haben. Jetzt bekommen wir auf einen Schlag ein Dutzend Gemälde von ihm. Von Michael Heizer, dem Begründer der Land Art, besitzt die Albertina nun sieben monumentale Skulpturen, denen man sonst nur in den USA begegnen kann”, schwärmte Schröder.

Zu der bisher 7.000 Werke umfassenden Gegenwartskunstsammlung der Albertina gebe es nur ganz geringfügige Überschneidungen, freute sich der Museumsdirektor, der Wiens Status als eine der Welthauptstädte der Gegenwartskunst damit weiter gefestigt sieht: „In der zeitgenössischen Kunst hat Wien heute international sicher mehr Bedeutung als in der Musik oder im Theater.” Dass vis-a-vis der Albertina künftig auch die Sammlung von Heidi Horten ein eigenes Museum bekommt, begrüßt Schröder: „Ich bin sehr froh darüber. Es kann gar nicht genug Kunst gezeigt werden.”

Die Albertina selbst steht damit vor einem überaus dynamischen Jahr 2020: Am 12. März wird im generalsanierten und umgebauten Künstlerhaus am Karlsplatz mit einer Ausstellung zur Kunst in Wien zwischen 1945 und 1980 der Standort „Albertina modern” eröffnet, wo dann im Herbst Meisterwerke internationaler Kunst aus der ebenfalls in die Albertina eingegangenen Sammlung Essl gezeigt werden. Im Stammhaus wird im Sommer 2020 aus der Sammlung Jablonka der italo-amerikanische Künstler Francesco Clemente, der Begründer der Transavantgarde, sowie Nobiyoshi Araki gezeigt. Im Herbst eröffnet zunächst am 17. September eine Modigliani-Retrospektive, ehe ab 8. Oktober die Höhepunkte der Sammlung Jablonka in einer groß angelegten Ausstellung präsentiert werden sollen.

apa

stol