<b>von Eva Gratl</b><BR /><BR />Das 2023 von den SVP Frauen Prags, der Südtiroler Bäuerinnen Organisation Prags, dem Katholischen Familienverband Südtirol Prags, der Gemeinde Prags und dem Verein Erlebnis Prags ins Leben gerufene Projekt findet heuer eine besondere Fortsetzung. Der Südtiroler Künstlerbund hat in Zusammenarbeit mit dem Verein „Erlebnis Pragser Wildsee“ und dem Landesbeirat für Chancengleichheit einen Kunstwettbewerb ausgelotet: Im Mittelpunkt „das rote Boot“, der See als Kulisse. Die Gewinnerin des Wettbewerbs Indra Moroder spricht darüber, warum auch Kunst die Stimme erheben muss. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1100574_image" /></div> <BR /><BR />Teilgenommen haben <b>Gino Alberti, AliPaloma, Julia Bornefeld, Wil-ma Kammerer, Ingrid Klauser, Brigitte Knapp, Hubert Kostner, Sophie Lazari, Katharina Theresa Mayr, Sissa Micheli, Indra Moroder, Elisabeth Oberrauch, Laura Pan, Lissy Pernthaler, Petra Polli, Sylvie Riant, Werner Seidl, Matthias Schönweger.</b> Ein 18-teiliges Sets von Kunstpostkarten in einer Auflage von 1500, die erworben werden können, zeigt, wie Künstlerinnen und Künstler uns aufrufen, nicht zu schweigen. Der Erlös des sozialen Kunstprojekts, das von unterschiedlichen Institutionen und vielen Unternehmen gefördert wird, wird einem Opfer von Gewalt gespendet. Zu sehen sind die Projekte im Südtiroler Künstlerbund, wo zurzeit das „Rote Boot“ den Ton angibt. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1100577_image" /></div> <BR /><BR /><b>Sie haben den Kunstwettbewerb gewonnen und in einem Statement dazu geschrieben: „Ich fühle mich den Frauen auf dem Boden nah“. Wie spiegelt sich diese Aussage in Ihrem autobiografischen Projekt „Floating Angel“ wider?</b><BR />Indra Moroder: Ich hoffe, dass ich mit meiner persönlichen Geschichte, in der ich selbst am Boden war, Gemeinsamkeit und Empathie vermitteln kann. Die Aktion beginnt mit einer weiblichen Skulptur, die ich mit dem roten Boot in die Mitte von Pragser Wildsee bringe, damit sie zum Engel wird und dann eine Auferstehung erlebt. „Floating Angel“ symbolisiert das göttliche Licht der Engel, dem ich in einer extremen Situation, begegnet bin. Autobiographisch zu arbeiten, heißt für mich, von einer eigenen Perspektive zu starten, um sich dann größere Fragen zu stellen. Die Frage, die sich natürlich entwickelt hat, ist, ob wir gesellschaftlich am Boden sind? Wenn ja, was können wir tun? Kunst kann Menschen nahebringen und wie eine magische Hülle wirken und die Spalten der Einsamkeit schließen.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1100580_image" /></div> <BR /><BR /><b>Sie haben selbst Gewalt erlebt, und die Kunst wurde – wie Sie schreiben – zu einem Heilungsprozess...</b><BR />Moroder: Es hat mir viel geholfen, meine Gefühle auf Leinwand oder in Form von Gedichten auszudrücken. Ich habe eine Freundschaft mit mir selbst wieder aufgebaut. Und so symbolisiert das Projekt „Das rote Boot“ für mich eine Wiedergeburt. Ich habe mit SKB schon einmal eine Malerei, Teil der Ausstellung „Schlüsselwerke“, zum Thema der Beseitigung von Gewalt gegen Frauen ausgestellt. Ein paar Monate später hat sich dann diese Kunstaktion am Pragser Wildsee ergeben. Wenn ich jetzt darüber nachdenke, war die Bootsfahrt auf dem See einem Traum nah. Die blasse November-Sonne schien und ich dachte, ich könnte ein Leben lang rudern. Nach der Gewalttat war es so, dass ich eigentlich nicht darüber reden wollte. Die Gesichter der Leute verwelken wie Blumen, wenn man traurige Geschichten erzählt. Ich erlebte auch zeitlich eine Form von Stummheit, und jetzt ist es so, dass Wörter aus mich fließen.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1100583_image" /></div> <BR /><BR /><b>„Es gibt keinen Platz für mich in der Welt, ist ein ständiger Gedanke, den man hat, wenn man verletzt wird.“ Kann die Demonstration auch – wie in Ihrem Fall – auch eine Überlebensstrategie sein?</b><BR />Moroder: Ja, einerseits ist es eine Überlebensstrategie, damit man sich imaginäre Plätze vorstellen kann. Es gibt ein wunderschönes Buch von Lucy Maud Montgomery „Anne of Green Gables“. Das Mädchen Anne ist ein Waisenkind, das sich imaginäre Freunde und eine Zauberwelt erfindet, um der Einsamkeit und der Herzlosigkeit im Kinderheim zu entfliehen. Leider ist es auch eine grausame Realität. 68 Millionen Menschen verloren im Jahr 2023 ihr Zuhause. Es gibt viele Frauen, die wirklich nicht wissen, wohin sie flüchten sollen und die täglich unter enormen Druck leben – Kinder und Jugendliche, die mit Gewalt aufwachsen und keine andere Realität kennen.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1100586_image" /></div> <BR /><BR /><b>Wie wichtig ist es, dass auch die darstellende Kunst ihre Stimme erhebt, so dass Wegsehen und Schweigen überwunden werden können?</b><BR />Moroder: Die Stimme, die auch ein Platz in der Welt bedeutet, zu erheben ist sehr wichtig. Als Künstlerin ist es meine Arbeit, die „Stimmlosigkeit“ darzustellen. Was wäre die Kunstgeschichte ohne die „Kartoffelesser“ von Vincent Van Gogh? Vielleicht eine Serie von Porträts der Mächtigen. Die Museen sind voll von diesen Bildern. Die Menschen stehen heute stundenlang Schlange, nicht um die Bilder von den Mächtigen zu sehen, sondern um die von Vincent, der nicht weggesehen und geschwiegen hat. Die Stimme der Liebe ist die stärkste.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1100589_image" /></div> <BR /><b>Termin:</b> Vorstellung und Prämierung des Kunstprojektes heute, am „Tag gegen Gewalt an Frauen“, um 19 Uhr, SKB ARTES, Weggensteinstr. 12, Bozen<BR /><BR />Spenden: Gemeinsam gegen Gewalt an Frauen – jede Spende hilft: Spendenkonto IBAN IT 33 W 08302 58200 000301301233, Zweck: „gegen Gewalt an Frauen“