Mittwoch, 12. Mai 2021

Sitzen, reden, zueinander finden auf der orangen Bank

Eine auffällige orange Sitzbank in mehreren Südtiroler Gemeinden stehen. Jeweils 3 Personen können dort einander zugewandt sitzen und ins Gespräch kommen. Seit heute stehen in Bozen m Kornplatz und am Mazziniplatz solche Bänke, die Teil einer Sensibilisierungsaktion sind. Weitere Gemeinden folgen.

vlnr: Marianne Illmer Enicher (Autorin), Georg Maria Lang (Musiker), Annika Terwey und Sophie Lazari (Designerinnen), Chiara Rabini (Stadträtin Gemeinde Bozen), Elisa Erlacher und Günther Plaickner (Verband Ariadne), Juri Andriollo (Stadtrat), Dorotea Postal (Dachverband für Soziales und Gesundheit).
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vlnr: Marianne Illmer Enicher (Autorin), Georg Maria Lang (Musiker), Annika Terwey und Sophie Lazari (Designerinnen), Chiara Rabini (Stadträtin Gemeinde Bozen), Elisa Erlacher und Günther Plaickner (Verband Ariadne), Juri Andriollo (Stadtrat), Dorotea Postal (Dachverband für Soziales und Gesundheit). - Foto: © dsg
Es ist eine Einladung, nach vielen Monaten der verordneten Distanz, wieder zueinander zu finden. Gleichzeitig soll die Aktion des Verbands Ariadne dazu anregen, den Blickpunkt zu ändern und über die psychische Gesundheit nachzudenken.

Seit mehr als 30 Jahren unterstützt der Verband „Ariadne – für die psychische Gesundheit aller EO“ Menschen mit einer psychischen Erkrankung und ihre Angehörigen. Dazu gehört auch, den offenen Dialog über psychische Erkrankungen zu fördern.

„Es ist für viele immer noch ein Tabu über seelische Belastungen oder Erkrankungen zu sprechen. Wir wollen den Menschen Mut machen, offen über diese schwierigen Themen zu reden, denn Gespräche helfen, die eigene Gesundheit zu stärken“, sagt Günther Plaickner, Präsident von Ariadne. Mit dem neuen Projekt „Zueinander (finden) –Trovarsi“ geht Ariadne nun neue Wege und arbeitet dafür mit dem Südtiroler Künstlerbund und dem Dachverband für Soziales und Gesundheit zusammen.

Blickwinkel ändern

„Dahinter steckt der Wunsch, Menschen dazu zu bringen, den Blickwinkel zu ändern“, so Plaickner. Gemeinsam mit 2 jungen Südtiroler Designerinnen entstand die Idee, Menschen jeglichen Alters und jeglicher Herkunft durch eine Kunstinstallation im öffentlichen Raum auf das Thema der psychischen Gesundheit aufmerksam zu machen.

Die in Berlin lebenden Designerinnen Annika Terwey und Sophie Lazari haben hierfür eine orange Bank mit drei Sitzplätzen entworfen. Darauf können die Personen nebeneinander Platz nehmen, aber gleichzeitig auch einander zugewandt sitzen. Damit können die Sitzenden leichter in einen sozialen Austausch kommen.

Texte in deutscher und italienischer Sprache

In der Umgebung der Sitzbank werden am Fußboden kurze Texte in deutscher und italienischer Sprache zu finden sein. Diese „Sticker“ sollen zu einer kritischen Reflexion anregen. Die Sitzanordnung auf der Bank ist gewissermaßen auch eine Metapher. Menschen sollen, sich einander zuwenden, anstatt sich abzuwenden, was im Alltag leider noch viel zu oft passiert, wenn es um das immer noch tabubehaftete Thema der psychischen Gesundheit geht. Ausgrenzung und Abblocken sind bei diesen Themen immer noch allzu üblich.

Im Zwei-Wochen-Takt wird die Wanderausstellung bestehend aus der eigens entwickelten „sozialen Bank“ und der Sticker‐Statements, die Bevölkerung zur Reflexion über die Bedeutung von psychischer Gesundheit anregen.

Die Installation wird von Mai bis September 2021 im öffentlichen Raum von 9 Südtiroler Gemeinden zugänglich sein.

Los ging es am 12. Mai in Bozen, wo bis 26. Mai jeweils eine Bank am Kornplatz und am Mazzini Platz stehen wird. Dann folgen Lana, Brixen, Innichen, Salurn, Mals, St. Ulrich, Kaltern und Meran. In den jeweiligen Gemeinden wird die Anbringung der Installationen durch eine Auftaktveranstaltung begleitet. Verschiedene Künstler und Künstlerinnen werden dabei auftreten und in ihrer Performance verschiedene Aspekte der seelischen Gesundheit aufgreifen.

stol