+ von Micaela Taroni<BR /><BR />Der hohe römische Beamte, Christ, wird verfolgt, lässt sich gefangen nehmen... und da nimmt die Geschichte seinen Lauf. Der standhafte Florian erleidet verschiedene Foltern und wird schließlich in den Fluss Enns gestürzt, gerettet und so weiter. Ein Glückfund für das Kloster Neustift, ein Glücksfall für den Kunsthistoriker Hanns Paul Ties, der zufällig die 12 Bilder in der Hausmeisterwerkstatt des Klosters entdeckte...<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1060863_image" /></div> <BR /><BR />Gekauft hatte sie vor einigen Jahren der kunstinnige Abt, sie stammen aus Privatbesitz, man wusste wohl nicht mehr wohin mit dem Heiligen. Nun präsentiert Kloster Neustift sie in einer spannenden Ausstellung: 12 Bilder, davon sind 5 Kopien nach Bildern des Regensburger Malers <b>Albrecht Altdorfer</b> von etwa 1520, die heute in Nürnberg, Prag, Siena und New York verwahrt werden. Fast wie einen Comic kann man sie lesen: „Sanct Florian stost mit Zorn geschwint, ein Haid ins wasser und erblindt“.<BR /><BR /><BR />Zu sehen die Augen, die dem Heiden aus der Augenhöhle fallen, der Heilige stürzt nackt kopfüber von der Brücke. Realistische Malerei mit klarem Aufbau, im Hintergrund die Stadt Enns, die Bösen auf dem Holzsteg, alles da für Fantasie und Kopfkino. Aufwärts trägt der Fluss den Leichnam, Landschaft und Körper schön angeordnet im Vorder- und Hintergrund und ein Adler, der den Leib hütet. <BR /><BR />Viel weiß der Kurator Hanns Paul Ties über diesen außerordentlichen Fund zu berichten. Auch dass es nicht ganz klar ist, warum Florian zum Feuerpatron wurde. Im Zyklus nehmen Bilder darauf Bezug, auf einem rettet er einen Köhler aus einem Kohlehaufen. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1060866_image" /></div> <BR /><b>Was für ein Glücksfall! Sie machten wohl große Augen, als sie die Bilder entdeckten? Was ist so besonders an diesem Zyklus?</b><BR />Hanns Paul Ties: Insgesamt kaufte das Kloster vor einigen Jahren 25 stark verschmutzte Barockbilder aus Privatbesitz, darunter befanden sich die 12 zur Legende des heiligen Florian. Sie wurden 2023/24 von der Fa. Gebhard in Feldthurns restauriert. Datiert sind sie auf das Jahr 1705. Sie sind deshalb interessant, weil es so ausführliche Zyklen kaum gibt und weil sie eng in Bezug zur wohl künstlerisch interessantesten Serie von Albrecht Altdorfer stehen, neben Dürer dem wichtigen süddeutschen Renaissancemaler. Es gibt dazu 5 Originale von Altdorfer, aber auch die übrigen 7 sind wohl Altdorfer Kopien. Stilistisch, motivisch nehmen sie sicher Bezug auf die verlorenen Werke. Man wusste nicht, wofür der Zyklus bestimmt war, vermutet wird für Stift Sankt Florian in Österreich. Sie bildeten ursprünglich eine aus 15 Szenen zusammengesetzte Tafel und wurden dann wohl auseinandergenommen. Wie sie dann nach Südtirol kamen, ist unklar. Auf der Rückseite des ersten Bildes steht, dass sich die Serie im 19. Jahrhundert in der Sammlung eines damaligen Brixner Stadtarztes und fürstbischöflichen Leibarztes <b>Ingeniun Neuner</b> befunden haben soll. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1060869_image" /></div> <BR /><b>Haben Sie ein Bild besonders ins Herz geschlossen?</b><BR />Ties: Eine Szene, die heute im Original nicht vorhanden, aber sicher spektakulär ist, zeigt eine fromme Witwe, die den Leichnam des Heiligen nach dessen Hinrichtung auf einem Viehwagen durch eine nächtliche Landschaft zieht. Die Qualität der Darstellung, auch die Stimmung in dieser Mondnacht sind sicher besonders. Man sieht das Vieh, es ist erschöpft und Florian lässt eine Quelle entspringen. Und die Reimverse bringen den Inhalt auf den Punkt. Die Quelle gibt es heute noch im Ort St. Florian. Im nächsten Bild sieht man dann die Brunnenszene mit den Pilgern. Interessant ist auch, dass die Rückseiten der Bilder komplett mit Papier beklebt sind, einmal gibt es darauf ein Bücherverzeichnis, Noten... das ist noch eine Herausforderung, das alles zu entschlüsseln.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1060872_image" /></div> <BR /><BR /><b>Sie kennen Albrecht Altdorfer, den Künstler, der die Originale schuf, sehr gut. Was fasziniert Sie an ihm?</b><BR />Ties: Ich habe über Altdorfer ein Seminar gemacht und teilweise auch meine Diplomarbeit. Ich bewundere die starke Expressivität und Ausdruckskraft, auch die Farbigkeit. Er ist wohl etwas weniger klassisch als Dürer. Seine Landschaftsdarstellungen und die Sonnenauf- und Untergänge sind sehr atmosphärisch. Für Neustift sind diese Kopien ein wirklich wunderbarer Fund. Die Bilder werden wohl dauerhaft im Museum untergebracht. <BR /><BR /><BR /><b>Termin:</b> Bis 23. 11., Kloster Neustift, Stiftstr. 1, Vahrn<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1060875_image" /></div> <h3> Hintergrund</h3><BR />Die neu restaurierte Gemäldeserie unterstreicht die engen Verbindungen zwischen Neustift und dem Stift Sankt Florian. Beide Stifte gehören seit 1907 zur Kongregation der österreichischen Augustiner-Chorherren und seit Anfang 2024 steht der Prälat von Neustift, <Fett>Eduard Fischnaller</Fett>, in der Nachfolge des Propstes von Sankt Florian, Johann Holzinger, dieser Kongregation als Generalabt vor<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1060878_image" /></div> <h3>Biografie Hanns Paul Ties</h3><BR />Dr. phil., Studium der Kunstgeschichte in Wien und Hamburg, Promotion 2017 in Basel mit einer Arbeit zu Bartlme Dill Riemenschneider. 2010–2015 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität München. Seit 2016/17 freiberuflicher Ausstellungskurator und seit 2019 Museumskura- tor im Augustiner Chorherrenstift Neustift bei Brixen. Zahlreiche Veröffentlichungen, Ausstellungen und Fernsehdokumentationen zur Kunst im historischen Tirol, insbesondere zur Malerei der Renaissance und des Barock. 2015: Walther-von-der-Vogelweide-Preis“ Förderpreis.<Rechte_Copyright></Rechte_Copyright>