Die beiden lernten sich 2012 auf der Akademie der bildenden Künste in Wien kennen, wo sie in der Klasse für Grafik und druckgrafische Techniken studierten. Seitdem verbindet sie nicht nur eine Freundschaft, sondern auch ein stetiger Austausch über das künstlerische Schaffen. Albertis Medium ist die Malerei, Scherers die Zeichnung. Bei beiden kommt jedoch die Farbe als Fläche zum Einsatz.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1024944_image" /></div> <BR /><BR /><b>Sie haben beide in ihren jungen Jahren schon eine beachtliche Karriere hinter sich. Jetzt bespielen sie die Galerie Gefängnis zusammen. Eine Herausforderung?</b><BR />Elisa Alberti: Die Bespielung der Gefängnisgalerie war anfangs durch die Gegebenheiten der Räume eine Herausforderung, da diese alleine schon viel Geschichte in sich tragen. Es war uns wichtig, einen Dialog zwischen unseren Arbeiten als auch zwischen den Arbeiten und den Räumlichkeiten zu schaffen.<BR /><BR /><BR /><BR />Patrick Roman Scherer: Ich sehe es weniger als Herausforderung, mehr als eine besondere Gelegenheit, die Arbeiten in diesen geschichtsträchtigen Räumen zu<BR />präsentieren. Es ist das erste Mal, dass Elisa und ich die Arbeiten gemeinsam zeigen, und deshalb auch eine große Freude.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1024947_image" /></div> <BR /><BR /><b>Wie gelingt ihnen ein Dialog in den kargen Zellen, da sie ja mit unterschiedlichen Techniken arbeiten?</b><BR /><?Schrift SchriftWeite="99ru"> Alberti: Da die Gefängnisgalerie aus mehreren Räumen besteht, die alle sehr unterschiedliche Merkmale aufweisen, war es uns wichtig, in jedem Raum eine neue Geschichte zu erzählen und somit in jedem Raum einen unterschiedlichen Dialog zwischen unseren Arbeiten zu erzeugen. In beiden unseren Arbeiten lassen sich grafische Merkmale finden als auch die Fläche als malerisches Element spielt eine Rolle. Unser Ziel war es, diese Gemeinsamkeiten aufzuzeigen und sie somit in einem Dialog zueinander zu stellen.<BR /><BR /><BR />Scherer: Es war von Anfang an klar, diese Aufgabe nicht nur als Gegenüberstellung unserer Arbeiten zu verstehen, sondern den Raum und die Ausstellung gemeinsam zu denken, um eine homogene Szene zu schaffen. Man soll die unterschiedlichen Zugänge, Kontraste sowie Parallelen zur jeweils anderen Arbeit in der Gesamtheit erfassen.<?_Schrift> <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1024950_image" /></div> <BR /><BR /><b>Woher beziehen sie ihre Bildmotive? Die Schau trägt ja den Titel „Beziehungsgeflechte“.</b><BR />Alberti: Ich habe immer schon malerisch und grafisch gearbeitet, am Anfang meines künstlerischen Schaffens standen aber noch figurative Motive, etwa organisch-pflanzliche Formen in Verbindung mit abstrakten Elementen. Diese wurden mit der Zeit immer reduzierter, der Abstrahierungsgrad größer, bis es schließlich keinen Verweis mehr auf den Gegenstand gab. Variation und Differenz spielen im Prozess der Motivfindung eine wesentliche Rolle und die Frage, wie es möglich ist, durch minimale Abweichungen und Verschiebungen eine veränderte Form, ein verändertes Farbfeld und somit auch einen veränderten Bildaufbau zu finden.<BR /><BR /><BR />Scherer: In meiner Arbeit kommen oft Alltagsgegenstände vor. Dinge, die kostbar anmuten oder trivial sind. In dieser Auswahl der Objekte entstehen Reibungspunkte oder auch unbewusste Verbindungen. Mir geht es darum, den Gegenständen eine neue Symbolik und Wertigkeit zu geben. Dadurch sollen Bezüge und Aufmerksamkeit geschaffen werden. Neben der Beziehung zu den jeweiligen Sujets geht es auch um jene zwischen den Bildern und Objekten. Der Titel bezieht sich auf zweierlei. Einerseits auf unseren gemeinsamen künstlerischen Werdegang und auf unsere Freundschaft. Andererseits werden die in meinen Bildern immer wiederkehrenden Beziehungen zwischen dem Alltäglichen und dem Kostbaren angesprochen. Somit ist der Titel vielschichtig zu verstehen.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1024953_image" /></div> <BR /><BR /><b>Bei Ihnen, Herr Scherer, sind die Themen offensichtlicher: Was bedeutet Zeichnen heute? Woher kommt die Faszination für den Bleistift? Kann er mehr als die Farbe?</b><BR />Scherer: Ich habe über 10 Jahre lang nur reine Bleistiftzeichnungen gemacht. Vom Leporello zu kleinen Serien und ständig wachsenden Formaten kam ich spielerisch in das Installative. Ich wollte die Grenzen ausloten und sehen, was mir dieses Medium ermöglicht. Heute bringt mir der Einsatz von Acrylfarbe – meist als Untergrund – weiteren grafischen Spielraum. Eine neue Entwicklung, die mir erlaubt, die Bleistiftzeichnung gezielt einzusetzen.<BR /><BR /><BR /><b>Schwarz und Weiß sind Ihre Farben, glänzend und matt die Oberflächen, minimalistisch die Formensprache: Welche Möglichkeiten eröffnen sich durch diese stringente künstlerische Haltung?</b><BR />Alberti: Die Farbpalette umfasst eine sehr reduzierte Auswahl, von den Nichtfarben Schwarz, Weiß und Grau, bis hin zu Blau- und Hauttönen in verschiedenen Abstufungen. Die stringente Reduktion der Farbe und Form ermöglicht mir, in dieser immer wieder neue Möglichkeiten und Variationen zu entdecken und deren Grenzen auszuloten. Genauso mit der Bearbeitung der Oberflächen. Durch unterschiedliches auftragen der Farbe, oder der Verwendung von Lacken auf verschieden Untergründen lassen sich unterschiedliche Oberflächen erzeugen, die ich stetig durch minimale Abweichungen verändern kann.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1024956_image" /></div> <BR /><BR /><b>Ihre Eltern, Gino Alberti und Julia Bornefeld sind beide Künstler, war ein künstlerischer Weg schon vorgezeichnet oder vielleicht schwieriger einen eigenen Weg zu finden? Gibt es Reibungsflächen?</b><BR />Alberti: Ich kann mich erinnern, dass es als Jugendliche einen Moment gab, an dem ich was anderes machen wollte als meine Eltern. Das hat jedoch nicht lange angehalten und ich habe dann mit 19 Jahren an der Akademie der bildenden Künste Wien angefangen zu studieren. In diesem neuen Umfeld der Akademie und der Stadt Wien fiel es mir leicht, Abstand von der Arbeit meiner Eltern zu nehmen und etwas Eigenes zu entwickeln. Trotzdem stehe ich mit meinen Eltern in einem stetigen künstlerischen Austausch, der von Beginn an eine wichtige Konstante in meiner künstlerischen Entwicklung war.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1024959_image" /></div> <BR /><BR /><b>Und wie würden sie beide ihre Arbeit beschreiben?</b><BR />Scherer: Ich habe einen spielerischen Zugang zu meiner Ideenfindung. Da ist eine Rhythmik in meiner Bildsprache, ein Wechselspiel zwischen Ernsthaftigkeit und Humor vielleicht, auch Elemente, deren Bildwürdigkeit selbst in Frage gestellt werden kann. Das begleitet meine künstlerische Arbeit schon von Anfang an. Für mich wird es zunehmend wichtig, die Zeichnung pointiert einzusetzen und sie grafisch neu darzustellen. Die Ebene Farbe behauptet sich, von der ich so viele Jahre Abstand gehalten habe. Auch wenn diese nun integrativer Bestandteil meiner Arbeit ist, so bleibt das vorherrschende Element die Zeichnung. Diese rückt die Bildwürdigkeit von Objekten in den Vordergrund. Inwiefern kann durch Darstellung oder Kontextualisierung die soziale Zuschreibung eines Gegenstandes beeinflusst werden? Ich entwickle dadurch eine Art Archiv der Dinge, das immer wieder neue Ordnungen hervorbringt und überraschende Gegenüberstellungen.<BR /><BR /><BR />Alberti: Ich arbeite an Beziehungsgeflechten zwischen Farben, Formen und Oberflächen, welche sich als unterschiedliche Schichten von Bedeutung über die Bildoberfläche legen. Meine Malerei als auch die Objekte bestimmen einfache geometrische<BR />Formen und sanfte monochrome Flächen. Das reduzierte Formenvokabular und der stimmige Farbklang, die geschwungenen Flächen und weichen Rundungen sind stringent ausgeführt und von einer konsequenten malerischen Grundhaltung geprägt. Umgesetzt sind die Arbeiten in Acryl und Lack auf Leinwand oder Holz. Die Objekte sind aus Aluminium, teilweise pulverbeschichtet.<BR /><BR /><BR /><b>Termin:</b> bis 11. Mai, Galerie Gefängnis, Pater Bühel, Kaltern.<BR /><h3> Vita Elisa Alberti</h3><BR />Geboren 1992 in Kiel, aufgewachsen in einer Künstlerfamilie in Bruneck, studierte an der Akademie der bildenden Künste Wien bei Gunter Damisch, Veronika Dirnhofer und Christian Schwarzwald, wo sie 2019 ihr Diplom absolvierte. Lebt und arbeitet in Wien.<BR /><h3> Vita Patrick Roman Scherer</h3><BR />Geboren 1988 in Kufstein, studierte Bildende Kunst (Grafik und druckgrafische Techniken) an der Akademie der bildenden Künste Wien bei Gunter Damisch und Veronika Dirnhofer, wo er 2017 sein Diplom absolvierte. Er lebt und arbeitet in Wien. <BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR />