Samstag, 28. März 2020

Was bedeutet es heute Künstler zu sein?

Das Coronavirus hält die Welt in Atem und hat nicht nur unsere Gewohnheiten und Pläne verändert. Das öffentliche Leben ist zum Stillstand gekommen und so ist auch das Theaterprogramm von Playground Theater Akademie Neumarkt auf Eis gelegt.

Die Künstlergespräche werden online übertragen.
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Die Künstlergespräche werden online übertragen.
Deshalb wird die Premiere der internationalen Koproduktion „Nouvelle Nahda“ in die kommende Spielzeit verschoben.

Am ursprünglich geplanten Premierendatum, am 2. April um 20 Uhr, präsentiert das künstlerische Team von „Nouvelle Nahda“ Einblicke in die „Nouvelle Nahda“-Sphäre: Sie rückt unsere – wörtlich und metaphorisch – in Flammen stehende Welt ins Zentrum und fragt, wie Kunst und Kultur mit Revolutionen, Revolten und Renaissancen zusammenhängen. Das Team lädt ein, im digitalen All dem Launch der Online-Publikation beizuwohnen, die Texte, Videos, Visual Soundpieces und Fotografien der beteiligten Künstler*innen enthält und den Themenhorizont dieser Zusammenarbeit aufmacht. Begleitet wird dieser Launch von einem Livestream-Artist-Talk unter Beteiligung der involvierten Künstler*innen aus der Schweiz und dem Libanon.

Die beteiligten Künstler*innen des hybriden Kunstorts STATION Beirut und des Neumarkt Zürich haben seit der Ausrufung der „ausserordentlichen Lage“ in der Schweiz und dem Lockdown im Libanon weiter über Zoom, Skype, WhatsApp, E-Mail und Facetime gearbeitet. Noch dringlicher als in Prä-Corona-Zeiten stellten sich die Fragen, die diese Zusammenarbeit begleiten: Was bedeutet es heute, in unserer Welt, in Zeiten der Pandemie Künstler*in zu sein? Was bedeutet es, die gesellschaftsverändernde Kraft der Kunst wiederzuerwecken, aus dem Geiste der Nahda (arab. Renaissance, Erwachen) und als revolutionäre Potenz in Richtung einer Zukunft, die man aktiv mitgestalten möchte?

Die Revolution in Beirut, die am 17. Oktober 2019 begann, ist zum Stillstand gekommen. Das Coronavirus hat die Forderungen nach einem Systemwechsel kolonisiert. Das Dilemma ist von besonderer Natur: Denn auf die Straße zu gehen und zu protestieren ist derzeit genauso wenig eine Option, wie gemeinsam in einem Theaterraum zu sein. „Theater has always been seen as a vehicle for ideas“, schrieb der libanesische Intellektuelle und Journalist Samir Kassir in seinem letzten Buch „Being Arab“. Nach dem Erscheinen der Schrift im Jahr 2004 wurde er ermordet. Kassir ist auch die Inspirationsquelle für die Notwendigkeit der Wiedererweckung der Nahda, die Idee einer Neuen Renaissance.

eva