Als Skulpturen oder auch als selbstständige Bilder hängen die Papierkleider von Minu Ghedina im Raum. Weiß, manchmal verhalten eingefärbt, vergilbt, manchmal macht man ein paar Textfetzen auf ihnen aus. Minu Ghedina kommt von der Steinbildhauerei. Bei Alfred Hrdlicka in Wien hat sie diese erlernt. Sie fühlte sich aber eingesperrt: „Ich konnte nicht ausdrücken, was ich eigentlich wollte. Ich bin jemand, der gerne die Hände benützt, da war mir der Stein zu wenig flexibel.“ Und man erkennt: dieser Künstlerin kommt es auf die Berührung an. Denn die Arbeit mit Papier ist etwas ganz Besonderes. Es kann „be-griffen“ werden. Minu Ghedina kommt auch von der Theaterarbeit: Wie Figurinen, die ihre eigene Geschichte spielen, beleben ihre kopflosen Papiermenschen den Raum. Vorwiegend Künstlerinnen setzen sich mit diesem Material als Kleidskulptur auseinander. Vielleicht, weil dadurch auch Gefühle besser ausgedrückt werden können und es eine ganz neue Dimension erhält. Papier ist eine fragile Stütze unseres Gedächtnisses. „Was bleibt.“ Der Titel dieses Werkkomplexes weist die Künstlerin auch als Erzählerin aus. Aquarelle, Texte, die Papierskulpturen gehören dazu. Vor allem in den vielen Aquarellen versucht Ghedina den Weg der Reduktion zu beschreiten. Was bleibt, wenn man auf ein Minimum beschränkt, wenn man noch weniger bearbeitet, bemalt, eingreift. Was bleibt? Nichts bleibt. Fragilität und Instabilität sind immer Konstanten des zarten Seidenpapiers und auch unseres Lebens. Damit wird diesen Arbeiten wohl auch die Vergänglichkeit eingeschrieben. Minu Ghedina arbeitet seit Monaten an diesem Thema, die Ergebnisse zeigt sie erstmalig in dieser Ausstellung. Die Eröffnung findet am 29. November um 19 Uhr im Waltherhaus in Bozen statt. Die Ausstellung bleibt bis 16. Dezember von Montag bis Freitag von 15 bis 18 Uhr und Samstag von 9 bis 12 Uhr frei zugänglich.