Von Oswin Amann bis Linda Wolfsgruber, eines haben alle diese Künstler gemeinsam: sie beschäftigen sich mit den Grundprinzipien der Malerei und ganz am Anfang steht die Zeichnung. Vielen großartigen Meisterwerken liegen einfache Skizzen zugrunde. Erste Gedanken, schnell und gerade von der Muse geküsst, zu Papier gebracht und erst zu einem späteren Zeitpunkt in einem großen Meisterwerk auf Leinwand oder als Skulptur verwirklicht. Doch schon längst wird die reine Zeichnung nicht mehr ausschließlich zu Studienzwecken oder dem Festhalten spontaner Ideen verwendet. Sie hat für sich allein Daseinsberechtigung erlangt. Besonders viele junge und moderne Künstler bewegen sich mit großer Bravour auf diesem Gebiet und nehmen sich hier jegliche Freiheit, die zusätzlich durch den Einsatz zahlreicher Mischtechniken die akademische Grenze von Zeichnung und Malerei verschwimmen lässt.Ganz primitiv, könnte man fast sagen, wird in einer Zeichnung in unterschiedlich stark vereinfachender Weise, mit Linien und Strichen ein Motiv verewigt, wobei der Umrisslinie die Hauptrolle zukommt. Durch die Ausübung von viel oder wenig Druck durch den Malstift auf den Untergrund, oder den Einsatz von unterschiedlich viel Farbe gewinnt die Linie unglaubliche Flexibilität, denn ihr sind nur die reellen Grenzen des Bildträgers gesetzt auf welchem der Künstler seiner Hand und Fantasie freien Lauf lassen kann. Durch den zusätzlichen Einsatz von Schattierungen, dem Verwischen der Zeichenstifte und dem Anwenden verschiedener Materialien wie Bleistift, Grafit, Kohle, Pastell, Tusche oder einem einfachen Kugelschreiber, liegen der Zeichnung ungeahnte Möglichkeiten zugrunde. Besonders dann, wenn man auch die Technik des Aquarells einbezieht.In der Ausstellung des Stadtmuseums von Bruneck werden dem Besucher unterschiedlichste Positionen verschiedenster Künstler präsentiert. Rund 80 Werke, wobei von jedem Grafiker jeweils ein Werk ausgestellt wird, laden den Betrachter dazu ein, sich in die Welt der Zeichnungen zu vertiefen. Dem Verlauf der Linien folgend, kann man sich in dem einem oder anderen Werk verlieren oder ganz im Gegenteil dazu, Facetten des eigenen Innenlebens darin entdecken und sich dadurch mit dem einen oder anderen Ergebnis, oder dem jeweiligen Künstler selbst identifizieren.Vertreten sind sowohl Künstler aus Südtirol als auch Österreich, welche durch die Kunst der Zeichnung eine andere Form der Sprache mitentwickelt, und somit lesbare Spuren für künftige Generationen hinterlassen haben.Die Ausstellung ist vom 8. November bis 14. Dezember zu sehen.stol