Sonntag, 20. Juni 2021

Weltflüchtlingstag: „Zerbrochene Träume“ – Ausstellung von Moustapha Dieng

Am 20. Juni jährt sich der Weltflüchtlingstag, der zum Gedenken an die Verabschiedung der Konvention über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (20. Juni 1951) eingeführt wurde. Zu diesem Anlass wurde am Freitag in der Bibliothek Europa „Fausto Concer“ die persönliche Ausstellung „Zerbrochene Träume“ des senegalesischen Künstlers Moustapha Dieng eröffnet.

Die Ausstellung ist in der Europa Bibliothek „Fausto Concer“ am Neubruchweg 11 vom 18.Juli bis zum 30. Juli zu sehen.
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Die Ausstellung ist in der Europa Bibliothek „Fausto Concer“ am Neubruchweg 11 vom 18.Juli bis zum 30. Juli zu sehen. - Foto: © Stadt Bozen
In seinen Arbeiten gibt Dieng dem Schmerz der Loslösung, der Sehnsucht nach dem Herkunftsland, dem Risiko, aber auch der Notwendigkeit der Reise, die als vorübergehende Lebensphase gedacht ist, eine Stimme. Er entschied sich dafür, sich sowohl figurativ als auch abstrakt auszudrücken, wobei er stets leuchtende Farben und chromatische Kontraste bevorzugte; besonders berührend sind die Werke, in denen die konkreten Bilder durch Schattierungen gefiltert werden, die den emotionalen Standpunkt des Künstlers zum Ausdruck bringen („Vögel im Käfig“ und „Fische im Wasser“).

Die Ausstellung ist in der Europa Bibliothek „Fausto Concer“ am Neubruchweg 11 vom 18.Juli bis zum 30. Juli zu sehen.

Der Weltflüchtlingstag

70 Jahre sind seit der Verabschiedung der Konvention der Vereinten Nationen über die Rechtsstellung der Flüchtlinge und der Gründung des UN-Flüchtlingshilfswerks im Jahr 1951 vergangen. Damals ging es um die europäischen Bürger, die aufgrund des Weltkriegs aus ihrem Land entwurzelt wurden; es wurde erwartet, dass das Hilfswerk seine Aufgabe innerhalb von 3 Jahren abschließen würde, stattdessen hat es sich ausgeweitet und setzt seine Arbeit fort, indem es 80 Millionen Menschen auf der ganzen Welt hilft. Sie wurde zweimal mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Jedes Jahr am 20. Juni ist der Weltflüchtlingstag eine Gelegenheit, den Fokus auf die Beständigkeit und die Veränderungen in der institutionellen Arbeit zu richten, aber auch die Wahrnehmung im Alltag eines jeden für das Drama und den Schmerz zu schärfen, die das Streben nach dem Traum von einem gerechteren, minimal menschlichen Leben derjenigen begleiten, die auf der Suche nach Erlösung Meere und Wüsten durchqueren.

Zerbrochene Träume – Einzelausstellung von Moustapha Dieng

Kunst ist ein Weg, die Wahrnehmung zu erweitern, eine Möglichkeit, Sensibilität gegenüber lähmenden Ereignissen zu entwickeln, die uns dazu verleiten, Wissen und Informationen zu verweigern. Aber es ist gerade die Sprache der Kunst, die es uns ermöglicht, die Tür zur Reflexion und zum Sinn wieder zu öffnen, die Kraft zu finden, in so viel Schmerz und Ungerechtigkeit einzutauchen.

Deshalb hat die Stadt Bozen dieses Jahr beschlossen, den senegalesischen Künstler Moustapha Dieng aus Bozen und die Bibliothek Europa „Fausto Concer“ mit dieser Aufgabe zu betrauen. Moustapha Dieng wurde 1984 in Touba, Senegal, geboren. In der Hauptstadt Dakar besuchte er die Nationale Akademie der Schönen Künste und schloss 2008 mit einer illustrierten Arbeit ab, die auf das Problem der Malaria aufmerksam machen sollte. Zum gleichen Thema arbeitete er mit der Weltgesundheitsorganisation für den Kampf gegen diese Krankheit in seinem Land zusammen. 2008 schuf er außerdem Illustrationen für Publikationen für die Stadtteilbibliothek Sicap Mbao in Dakar.




Im Senegal und in Italien hat er zahlreiche Ausstellungen und Workshops organisiert. Seine Werke entstehen in verschiedenen stilistischen Techniken, von Acryl auf Leinwand, über Basreliefs in Pappmaché auf Holz, bis hin zur Verwendung von Metallen und recycelten Materialien. Das thematische Feld, in dem er sich bewegt, ist sicherlich von der Sehnsucht nach dem Herkunftsland geprägt und er will den Schmerz der Loslösung, das Risiko, aber auch die Notwendigkeit der Reise, die als vorübergehende Lebensphase gedacht ist, ausdrücken und zum Ausdruck bringen.

Dieng behauptet, dass die Kunst in der Innerlichkeit des Künstlers schlummert, der die Aufgabe hat, sie zu erwecken, um sie der Welt anzubieten und sie in einer Sprache zu verkörpern, die zu jedem Menschen sprechen kann; zu diesem Zweck hat er sich entschieden, sich sowohl in einer figurativen als auch in einer abstrakten Sprache auszudrücken, wobei er immer leuchtende Farben und chromatische Kontraste bevorzugt.

Seit 2011 lebt er in Italien, wo er mehrere Ausstellungen organisiert hat, darunter Colori d'Africa oltre il filo spinato (Bari, 2012), Allez Senegal (Bozen, 2013), We have a dream (Bozen, 2013), Il viaggio (Bozen, 2015), Espace young (Bozen, 2015).




Neben seiner künstlerischen Tätigkeit ist Dieng seit vielen Jahren Bezugspunkt für Workshops für Kinder und Erwachsene im Rahmen der künstlerischen Angebote von Vereinen, Schulen und öffentlichen Einrichtungen, wie der Gemeinde Bozen: Die Teilnehmer werden durch die Prozesse der Malerei auf Glas oder Stoff, nach der afrikanischen Technik der Batik, oder auch in die geliebte Welt der Comics mit ihren vielen Ausdrucksmöglichkeiten geführt.

Den Abschluss, die Interpretation und den Schlüssel zur Deutung der Ausstellung überlässt Dieng einigen eigens angefertigten Comics. Die Ausstellung ist wieder in einer Nachbarschaftsbibliothek eingerichtet, diesmal in seiner neuen Welt, derjenigen, in der er die aktuelle Phase seiner Existenz lebt: die Biblioteca Europa „Fausto Concer“ im Neubruchweg, welche er besucht und in der er von seinen Kindern als der Meister der afrikanischen Malerei bezeichnet wird.

stol