Donnerstag, 09. Juli 2015

Wenn Schneekanonen Bananen spucken: Kunst in St. Ulrich

In Verbindung mit der „Idea Unika“ haben drei Südtiroler Künstler eine eigenwillige Kreation geschaffen: Ihre Kombination aus Bananenhaufen und Schneekanone soll Passanten für den Klimawandel sensibilisieren.

Das Projekt "Klimawandel". Foto: Klaus Senoner
Das Projekt "Klimawandel". Foto: Klaus Senoner

Im Winter unterstützen unzählige Schneekanonen die winterliche Stimmung in St. Ulrich. Im Sommer spucken sie Bananen. Wer das nicht glaubt, hat bis 30. September die Chance, sich selbst davon zu überzeugen.

Matthias Kostner sowie Christian und Matthias Verginer erklären im Gespräch mit STOL, was das Ganze mit dem Klimawandel zu tun hat.

Ohne Schneekanonen geht nichts

„Der letzte Winter in Gröden war alles andere als schneereich. Ohne Schneekanonen wäre es nicht mehr vorstellbar, die Touristen hierher locken zu können. Die Hauptursache ist der Klimawandel, das wissen wir alle“, gibt Matthias Verginer zu bedenken.

Die Schneekanonen gehören zum Bild der Touristenhochburg, Bananen wachsen in ganz Gröden keine. „Bananen gedeihen nur bei warmen Temperaturen. Mit der Kombination einer Schneekanone und Bananen haben wir einen Kontrast von warm und kalt hergestellt", so der Künstler.

Der Klimawandel sorgt weltweit für extreme Temperaturschwankungen. "Diese haben wir in unserem Projekt vereint und gegenüberstellt. In direkter Verbindung der zwei Extreme fällt der Unterschied umso deutlicher auf", erklärt Matthias Verginer.

Für Klimawandel sensibilisieren

„Wir möchten mit unserem Projekt die Menschen für den Klimawandel sensibilisieren. Es ist ja nicht so, dass wir von all dem nichts spüren. Besonders wir Grödner haben immer mehr unter den Folgen der Erderwärmung zu leiden“, so der Bildhauer.

„Mit den Bananen ist noch etwas Weiteres verbunden. Wir alle kennen das Klischee von der Banane, die am Boden liegt. Jemand kommt vorbei und rutscht darauf aus“, erzählt Matthias Verginer mit einem Lächeln. Das Kunstwerk befindet sich mitten in der Fußgängerzone von St. Ulrich. Ein Ort, an dem täglich etliche Menschen entlang gehen. Wer wird wohl auf den Gipsbananen ausrutschen?

St. Ulrich als Kunstgalerie

Kunst direkt an den Mann zu bringen ist schwer, und die Kunstwerke in Galerien verstauben zu lassen eine Schande. Das dachte sich die Grödner Künstlervereinigung "Unika", die sich zum Ziel gesetzt hat, die heimische Kunst in den Mittelpunkt zu stellen, dort, wo sie jedem frei zugänglich ist.

So entstand die „Idea Unika“, die Galerie unter freiem Himmel. Heimische Bildhauer und Maler stellen sieben ihrer Werke aus. Sechs Skulpturen und ein Bild sind an verschiedenen Orten der Fußgängerzone, dem Kirchplatz und dem Kreisverkehr am Ortseingang in St. Ulrich zu finden.

 

Samuel Perathoner erschuf eine angekettete Riesen-Waldameise. Sie symbolisiert die Zwänge der Bürokratie, in denen der heutige Mensch gefangen ist. Foto: STOL

„Gezeigt werden höchst unterschiedliche Motive, die - jedes auf seine ganz eigene Art - das Interesse der Passanten auf sich ziehen wird“, ist Unika-Präsident Filip Moroder Doss überzeugt. Die Themen durften die Künstler frei wählen und „sind von hoher Aktualität und gesellschaftlicher Relevanz“, so Moroder Doss.

Besonders freuen sich die Kunstschaffenden auf den Besuch des renommierten italienischen Kunstkritikers Andrea Baffoni am 22. Juli. Die Aktion erreicht am 31. Juli ihren Höhepunkt mit der „Serate Unika“. Die ausgestellten Kunstwerke werden dabei in einem eindrucksvollen Licht zu sehen sein.

 

Künstler der Vereinigung Unika stellen ihre Werke im Herzen St. Ulrichs aus. Foto: STOL

Die Kunstwerke sind auch Teil der Skulpturmesse „Unika“, welche ab 20. August im Tennisscenter Runggaditsch für Besucher geöffnet ist. Fortan wird die Ausstellung, abwechselnd mit der „Biennale Gherdëina“, alle zwei Jahre stattfinden.

stol/mu

stol