Donnerstag, 15. Februar 2018

Wien: Milliardärin zeigt erstmals ihre Sammlung

Die groß dimensionierte „Forest Scene“ des Pop-Art-Künstlers Roy Lichtenstein von 1980 hängt normalerweise in der Empfangshalle ihres Luxus-Domizils am Wörthersee. Auch die von ihr gesammelten Werke von Pablo Picasso, Henri Matisse, Lucian Freud, Francis Bacon, Paul Klee, Egon Schiele, Gustav Klimt, Gerhard Richter, Damien Hirst und Andy Warhol verschönern als Wandschmuck den Alltag der 77-jährigen österreichischen Milliardärin Heidi Goëss-Horten.

Die Milliardärin stellt dem Leopold-Museum Wien 700 Werke für die Ausstellung zur Verfügung.
Die Milliardärin stellt dem Leopold-Museum Wien 700 Werke für die Ausstellung zur Verfügung.

Die Witwe des deutschen Kaufhaus-Königs Helmut Horten (1909-1987) hat eine Sammlung höchstkarätiger Kunst aufgebaut. Nun hat sie erstmals 170 Gemälde und Skulpturen zu einer Schau für die Öffentlichkeit zusammenstellen lassen. Bis zum 29. Juli ist „WOW! – The Heidi Horten Collection“ im Wiener Leopold Museum zu betrachten.

Eine „außergewöhnliche Privatsammlung“ – sie umfasst insgesamt rund 700 Werke – ermögliche nun einen Gang durch die Kunstgeschichte der vergangenen 110 Jahre, meinte der Direktor des Leopold Museums, Hans-Peter Wipplinger, am Donnerstag. Ein Schwerpunkt der Schau liegt auf den deutschen Expressionisten. Max Pechstein („Gelbe Maske II“/1910), Emil Nolde („Anna Wieds Garten“/1907), Ernst Ludwig Kirchner („Rote Akte“/1912) oder August Macke („Zwei Frauen vor dem Hutladen“/1913) werden präsentiert. Eines der bekanntesten Landschaftbilder des Jugendstilmalers Klimt, die „Kirche in Unterach am Attersee“ von 1916, hängt unweit von Egon Schieles „Damenbildnis“ von 1912, auf dem er seine Lebensgefährtin Wally Neuzil verewigte.

Mit 2,7 Milliarden reichste Österreicherin

Goëss-Horten gilt mit einem vom Magazin „Forbes“ auf 2,7 Milliarden Euro geschätzten Vermögen als reichste Österreicherin. Ihr Mann hatte den Grundstein seines Vermögens in der NS-Zeit gelegt, als er von der Enteignung der Juden durch die Nazis profitierte. Mit dem Verkauf seines Kaufhausimperiums genau zum richtigen Zeitpunkt – Ende der 1960er, Anfang der 1970er Jahre – wurde Horten zum Milliardär und sparte durch den Umzug in die Schweiz 250 Millionen Mark an Steuern. 
Die 77-Jährige hat nach dem Tod ihres Mannes das Sammeln von Kunst zu ihrer Aufgabe gemacht. 

Für die Dauer der Ausstellung hat sie ein Luxusproblem, das dann doch keines ist. Die in ihren Villen verwaisten Wände könne sie mit anderen Bildern schmücken. „Wir werden schon was finden, was wir aufhängen“, sagte sie im ORF-„kulturMontag“.

dpa

stol