Wir sprachen zur Neueröffnung mit dem Vorsitzenden des Museumsvereins Aldein Peter Daldos und mit der Kuratorin Ariane Karbe, welche die Dauerausstellung neu kuratiert hat. <b>Von Eva Gratl</b><BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1026960_image" /></div> <BR /><BR /><b>Das Museums trägt eine besondere Bezeichnung, nämlich „Der Schatz vom Thalhof“. Was können Sie uns darüber erzählen?</b><BR />Peter Daldos: Unser Museum heißt nach wie vor Dorfmuseum, es ist aber keines im klassischen Sinn mit Alltagskultur, sondern ein Museum für sakrale Kunst. Die Initialzündung für diesen Ort war die Entdeckung des „Schatzes vom Thalhof“. Dieser war ein Benefizium, das der Bozner <b>Kanonikus Johann Georg von Baroni zu Ehrenfeld,</b> als die männlichen Nachkommen der Familie ausstarben, dem ältesten Priester der Gemeinde Aldein als Sitz für den Lebensabend versprach. Dazu gehört auch eine Kapelle, welche die Adelsfamilie offensichtlich mehrfach neu ausgestattet haben muss. Im Dachboden des Herrenhauses fand man bei der Inventarisierung einen wahren Schatz, in Truhen gelagert. Er wurde geborgen und der damalige <b>Landeskonservator Karl Wolfsgruber</b> versprach im Falle der Entstehung eines Museums die Objekte im Dorf zu belassen. 1985 wurde der Museumsverein gegründet. Viele Ehrenamtliche haben seitdem Großartiges geleistet, so der Priester und <b>Autor Alfred Gruber,</b> Gründungspräsident und Initiator des Museums, aber auch <b>Alfons Matzneller</b> und viele andere. Zurzeit hat der Verein 143 Mitglieder. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1026963_image" /></div> <BR /><BR /><BR /><b>Das Museum ist ja keines im üblichen Sinn, sondern ganz der sakralen Kunst gewidmet. Wie kam es zu den vielen sakralen Gegenständen?</b><BR />Daldos: Die Familie von Ehrenfeld muss sehr reich gewesen sein, sie hat nicht nur sakrale Kunstwerke erworben, sondern auch Textilien. Sie stammt aus Sacco bei Rovereto und hatte von Maria Theresia das Flößereirecht zwischen Branzoll und Verona bekommen, das Monopol sozusagen. Der Hof, den F<b>ranz Borgias von Baroni zu Ehrenfeld</b> 1733 erwarb, diente sicher als Sommerfrische in Malariazeiten in der Talsohle. <BR /><BR /><BR />Der Schatz vom Thalhof, also die sakralen Objekte aus der Barock- und Rokokozeit aus der Kapelle, die zum Hof gehörte, war bisher in 2 Räumen untergebracht. Durch Umbauarbeiten und die Förderungen von Seiten des Landes, der Gemeinde Aldein und der Raiffeisenkasse Aldein Deutschnofen konnte das Museum umgestaltet werden. Nun haben wir 2 Räume dazugewonnen und konnten so die Museumsfläche vergrößern und einen Rundgang etablieren. Im Hauptteil befindet sich der „Schatz“, also die sakralen Objekte, in einem weiteren Raum die Textilien, die in der Kapelle gefunden wurden, besondere Seidenwebteile aus der Barockzeit, die laut der Textilexpertin Irene Tomedi von außerordentlicher Qualität sind. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1026966_image" /></div> <BR /><BR /><b>Weiß man etwas über die Herkunft der sakralen Objekte aus der Barock- und Rokokozeit? Wie erklärt man sich die Vorliebe für das Sakrale dieser Familie?</b><BR />Daldos: Die Kapelle im Thal, die zum Hof gehörte, war besonders reich ausgestattet: Silberleuchter, Ölbilder, kunstvolle Messbücher, liturgische Geräte, Hinterglasmalereien, Votivbilder, Heiligenskulpturen zeugen von besonderer Religiosität und auch Kunstsinn. Unter den Objekten befindet sich auch ein wahrer Kunstschatz, nämlich ein barocker Messkelch aus Augsburg mit Kännchen, Patene und Löffelchen, wo der Goldschmied noch nachvollziehbar ist. Bei der Anschaffung soll er laut Überlieferung denselben Wert gehabt haben wie der gesamte Hof. Die Vorliebe für die sakralen Objekte erklären wir uns durch die Religiosität der Familie. Alle 3 Söhne wurden Priester. Sie stifteten 1799 das „Thalbenefizium“. Die Gemälde, die vorhanden sind, waren fast alles Kopien von Wallfahrtsorten der Umgebung. Diese wurden in der Kapelle angebracht. Vielleicht wollte man auch dort eine Art Wallfahrtsort einrichten.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1026969_image" /></div> <BR /><BR /><b>Haben Sie ein sakrales Lieblingsobjekt, das Sie den Besuchern ans Herz legen möchten?</b><BR />Daldos: Es sind 2 Bilder aus der Hand von <b>Carl Henrici</b>, dem aus Schlesien gebürtigen und in Bozen verstorbenen Barockkünstler, eine Art Bozzetto mit den Heiligen Bischof Maximilian von Passau und Florian sowie den Bischöfen Nikolaus von Myra und Vigilius von Trient. Ich finde die beiden Werke überaus qualitätsvoll, einfach großartig. Gerne möchte ich aber noch auf eine Kleinigkeit aufmerksam machen, die mir besonders ans Herz gewachsen ist. Ich bin ja beruflich mit 360-Virtual-Reality konfrontiert; für das Museum haben wir jetzt ein altes Stereoskop ausgegraben, dort kann man auch schon 3D darstellen. So lassen wir die Besucher und Besucherinnen in die Kapelle des Thalhofes blicken, obwohl diese einen Kilometer weit entfernt ist. Alte und neue Technik verschränken, das ist eine tolle Kombination von Vergangenheit und Gegenwart.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1026972_image" /></div> <BR /><BR /><BR /><b>Neben der sakralen Kunst hat das Museum weitere Schwerpunkte. Es findet sich auch eine Porträtgalerie der besonderen Art...</b><BR />Daldos: Zum Museum für sakrale Kunst ist noch ein Geologiemuseum dazugekommen, das mit dem Bletterbach in Zusammenhang steht und welches der GEOPARC Bletterbach führt. Es gibt auch ein Mühlenensemble, das besonders Schulklassen begeistert. Auch eine Porträtgalerie von bekannten Persönlichkeiten der Gemeinde Aldein befindet sich im Museum. <BR /><BR /><BR />Zu nennen wären <b>Kardinal Johann Baptist Georg Franzelin,</b> ein wichtiger Berater des 1. Vatikanischen Konzils, <b><Fett>Andreas Alois Dipauli</Fett> Freiherr v. Treuheim,</b> der Gründer des Ferdinandeums und der Dipauliana, der Spezialbibliothek, er war oberster Richter in Tirol , Vorarlberg und in der Steiermark, <b>Probst Josef Kalser,</b> der letzte Probst von Bozen, <b>Alfred Gruber, Alfons Matzneller,</b> beide treibende Kräfte bei der Museumsgründung und <b>Toni Ebner sen.</b>, Mitbegründer der Südtiroler Volkspartei, Journalist und Verleger. Sie waren neben anderen alles überaus bekannte Aldeiner. Die Kuratorin <b>Ariane Karbe</b> zeigte sich auch besonders sensibel für die Aufwertung der Frauen aus Aldein. Zum Beispiel die <b>Schwester Oberin Alberta Matzneller,</b> 1937 Provinzoberin des Ordens der Barmherzigen Schwestern. Sie setzte sich dafür ein, dass das Jesuheim in Girlan 1947 wieder in den Besitz des Ordens der Barmherzigen Schwestern kam. Zu erwähnen auch <b>Edwina Aberham</b>, die Leiterin des Jesuheims, welche maßgeblich beteiligt war, dass während der deutschen Besatzung Südtirols nicht alle Insassen deportiert wurden. Auch Hebammen werden nun geehrt, zu sehen ist auch noch u.a. die Hebammenkoffer. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1026975_image" /></div> <BR /><b>Sie stehen dem Dorfmuseum vor, wie schwierig ist die Vermittlung dieser kleinen, feinen Institution im Süden Tirols? Welche Akzente setzten Sie?</b><BR />Daldos: Es ist ein Nischenmuseum, das ist uns bewusst. Wenn wir imstande sind, neue Menschen ins Museum zu bringen, und das werden wir mit großem Einsatz tun, dann erreichen wir unser Ziel, denn in so einem kleinen Dorf würde man sich solche Schätze nicht erwarten. Dieser „AHA- Effekt“, denke ich, ist einfach gegeben. Ein besonderes Anliegen ist es, die Schulklassen ins Museum zu bringen. Sie werden mit diesem trockenen Thema auf besondere Art und Weise und auch schülergerecht konfrontiert. Wir haben ein paar „hands-on“ Momente, also auch interaktive Möglichkeiten. Auch die Öffnungszeiten möchten wir erweitern und an einer Überarbeitung der Homepage wird gedacht. <BR /><BR /><BR /><Fett>Termin:</Fett> Das Dorfmuseum in Aldein wird am 11. Mai um 11. Uhr eröffnet. <Fett><BR />Öffnungszeiten:</Fett> Mai-Oktober, Freitag, 6-18 Uhr; Juli/August auch Dienstag , 10-12 Uhr, Samstag 16-18 Uhr. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1026978_image" /></div> <BR /><BR /><b>Buchtipp:</b><BR />„Aldein unser Dorfbuch“, Hrsg. Museumsverein Aldein, Athesia Verlag, Bozen, 2012<BR /><h3> Drei Fragen an Ariane Karbe</h3><BR /><div class="img-embed"><embed id="1026981_image" /></div> <BR /><BR /><BR />Die Museumsberaterin ist seit vielen Jahren als Ausstellungskuratorin tätig. Sie hat das Museum in Aldein neu geordnet. Sie hat unter andern auch das Frauenmuseum Meran bei der Vorbereitung der Dauerausstellung begleitet und die Dauerausstellung für die Villa Freischütz kuratiert. 2022 ist Ariane Karbes Buch „Museum Exhibitions and Suspense – The Use of Screenwriting Techniques in Curatorial Practice“erschienen. Darin erklärt sie, ob es möglich ist, von Hollywood zu lernen, um spannende Ausstellungen zu erzählen.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1026984_image" /></div> <BR /><BR />Sie hatten die Aufgabe, das Museum neu zu ordnen, wie sind Sie an diese anspruchsvolle Aufgabe herangegangen? Worin bestanden eventuelle Schwierigkeiten? <BR />Ariane Karbe: Das Wichtigste für mich ist, solche Prozesse der Neugestaltung behutsam zu begleiten. Viele Vereinsmitglieder sind seit Jahrzehnten eng mit dem Museum verbunden und haben viel Herzblut hineingesteckt. Ich bin immer wieder tief beeindruckt, mit welchem Engagement kleine und kleinste Museen sich für die Bewahrung und Auseinandersetzung ihrer Geschichte einsetzen. Das verlangt mir großen Respekt ab! Dieser Respekt ist die beste Grundlage dafür, dann gemeinsam neue Wege zu beschreiten.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1026987_image" /></div> <BR /><BR /><b>Wie können wir in einer Welt, die von Instagram-Selfies beherrscht wird, Raum für sakrale Kunst schaffen? Wie vermittelt man sie?</b><BR />Karbe: Mein Ansatz ist, die Kirchenkunst ganz eng mit den Menschen zu verbinden, die in Aldein lebten und leben. So eröffnen sich Anknüpfungspunkte auch für Nichtgläubige oder Andersgläubige. Denn letztlich geht es um allgemeinmenschliche Fragen wie: „Was gibt uns Trost?“ oder „Was gibt unserem Leben Sinn?“ <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1026990_image" /></div> <BR /><BR /><BR /><b>Sie haben sich ja durch die Neuordnung mit den Objekten so intensiv damit auseinandergesetzt. Was empfehlen Sie den Besucherinnen und Besuchern bei einem Rundgang? Man sagt ja immer, auch wenn in der Fülle der Objekte nur 2 gespeichert werden, habe das Museum das Ziel erreicht.</b><BR />Karbe: Ich empfehle allen Besuchern und Besucherinnen, sich die Ausstellung wie ein Alien anzuschauen. So, als sähen sie das erste Mal im Leben ein Kruzifix, ein Sterbebild oder einen prachtvollen Kelch. Das löst die Objekte aus ihrer scheinbaren Selbstverständlichkeit und setzt faszinierende Fragen frei!<BR /><BR /><BR />